Rheinberg: Die Tafel hat einen neuen Kühlwagen

Ehrenamt in Rheinberg : Die Tafel hat einen neuen Kühlwagen

Um die Kühlkette beim Transport von gespendeten Waren nicht zu unterbrechen, musste ein neues Fahrzeug her. Viele Sponsoren halfen dabei.

Rund 1000 Rheinberger Bürger nehmen inzwischen regelmäßig die Angebote der örtlichen Tafel in Anspruch. Vor 16 Jahren von 30 Helfern gegründet, holen mittlerweile rund 60 ehrenamtliche Mitarbeiter Lebensmittel bei umliegenden Supermärkten oder in den Logistikzentren der großen Discounter ab. Selbstverständlich gilt auch für diese Produkte die Lebensmittelverordnung HACCP. Ein wichtiger Grundsatz darin lautet: Die Kühlkette darf nicht unterbrochen werden, der Transport muss also in speziellen Kühlwagen erfolgen. Für das Fahrzeug der Rheinberger Tafel bestand nach zehnjähriger intensiver Nutzung allerdings dringender Ersatzbedarf.

Die Suche nach den nötigen Sponsoren begann mit einem Artikel in der RP. „Damit kam die Sache ins Rollen. Die Stadt Rheinberg hat sich beteiligt, ebenso die Sparkasse am Niederrhein. Den Rest hat unser Förderverein dazugetan“, erklärt Tafel-Koordinatorin Tanja Braun. Und weil eine Duisburger Mercedes-Niederlassung einen unschlagbaren Sonderpreis gewährt hatte, konnte der nagelneue Transporter mit Kühlanlage gestern im Rahmen einer Feierstunde übergeben werden.

Die kirchliche Einsegnung übernahm Werner Koschinski. Der Pastoralreferent wies darauf hin, dass es der Unterstützung aller bedürfe, damit es den Menschen gut geht. „Es ist vor allem ganz wichtig, Beziehungen zu schaffen, auch wenn man es für fragwürdig halten kann, ob in unserer Gesellschaft eine Tafel nötig sein muss.“ Für Bürgermeister Frank Tatzel stand die Beteiligung der Stadt nie in Frage: „Die Grünen haben den Antrag eingebracht, der dann im Rat einstimmig beschlossen wurde.“ Bei der Sparkasse am Niederrhein stießen die Tafel-Mitarbeiter ebenfalls auf offene Ohren. „Wir begleiten die Tafel immer schon mit. Es gibt keinen besseren Grund, Geld aus einer Stiftung für soziale Zwecke einzusetzen, als für die Tafel“, versicherte Sparkassen-Vorstand Frank-Rainer Laake.

Für die Unterhaltskosten des neuen Kühlfahrzeugs sorgen auch die Empfänger der Lebensmittel. „Unsere Kunden bekommen nichts geschenkt, sie zahlen einen kleinen Beitrag für die Produkte. Damit fühlen sie sich dann nicht so sehr als Bittsteller“, sagte Braun, die immer häufiger die Folgen der Altersarmut erfährt: „Aktuell haben wir 130 Senioren, die mit ihrer Rente nicht über die Runden kommen, Tendenz steigend.“ Ein ganz wichtiger Aspekt, den auch Werner Koschinski schätzt: „Die Tafel ist mehr als Nummern ziehen. Es handelt sich für uns um Kunden – und das ist ganz wichtig für die Wertschätzung der Menschen.“ Neukunden erhalten zudem ein kostenloses Hygienepaket. Letztlich komme das Engagement der vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern allen Menschen zugute, erklärte Braun: „Die Tafel leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Wir sorgen dafür, dass die ausufernde Lebensmittelverschwendung eingeschränkt wird.“

Die Tafel-Helfer haben diesen Gedanken inzwischen verinnerlicht. Sie kochen zum Beispiel aus Obst, das keinen Abnehmer gefunden hat, Marmelade. Die kann dann am 8. Dezember nach dem Familiengottesdienst erworben werden. Und was nicht zum Brotaufstrich wird, verarbeiten Tafel-Kunden zu Kuchen, der an jedem Dienstag ab 14.30 Uhr in der Cafeteria im Pfarrheim angeboten wird.

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