Rheinberg: „Die Sprache ist der Schlüssel“: Stadt stellt ehemaligen Flüchtling als Bautechniker ein

Rheinberg: Flüchtling ist Bautechniker bei der Stadt

„Die Sprache ist der Schlüssel“, versichert Omar Ibrahim aus Syrien. „Dann stehen alle Wege offen.“ Der 29-Jährige kümmert sich jetzt unter anderem um die Straßenbeleuchtung in Rheinberg.

Omar Ibrahim strahlt. Der 29-Jährige sitzt im Stadthaus im Büro von Dieter Paus und es gefällt ihm, was der Technische Beigeordnete sagt: „Wir sind sehr froh, dass wir Herrn Ibrahim als neuen Mitarbeiter gewonnen haben.“ Seit Mitte Juli arbeitet der junge Syrer als Bautechniker im Fachbereich Tiefbau und Grünflächen. Seine Zuständigkeitsbereiche: die Straßenbeleuchtung im gesamten Stadtgebiet, die Rattenbekämpfung und die interne Dokumentations- und Katasterarbeit. Für Omar Ibrahim ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Denn er kam erst vor knapp drei Jahren als Flüchtling nach Deutschland. Ohne Familienangehörige, ohne Perspektive, ohne Deutschkenntnisse. Inzwischen ist er angekommen, spricht fließend Deutsch und möchte selbst dann nicht wieder zurück in sein Heimatland, wenn dort irgendwann Frieden herrschen sollte. „Deutschland ist meine zweite Heimat geworden“, sagt der erste Flüchtling, den die Stadt für eine qualifizierte Beschäftigung eingestellt hat.

Als Omar Ibrahim der RP Anfang 2016 erstmals seine Geschichte erzählte, war das sehr berührend, wenngleich sie der Geschichte Tausender anderer Flüchtlinge glich. Krieg in Syrien, weite Teile der Großstadt Aleppo liegen in Schutt und Asche, Menschen fliehen aus Angst, ihr Leben zu verlieren. Auch Omar Ibrahim macht sich auf den Weg, schafft es in die Türkei, von dort aus mit dem Schlauchboot nach Griechenland und dann weiter Richtung Deutschland. Anfangs lebt der Syrer in der städtischen Flüchtlingsunterkunft am Melkweg mit anderen in beengten Verhältnissen. Aber schon damals sagte er: „Ich möchte Deutsch lernen und möchte arbeiten.“

Inzwischen hat Omar Ibrahim eine Wohnung an der Rheinstraße bezogen, zusammen mit seinem 17-jährigen Bruder, der das Technische Berufskolleg in Moers besucht. Anfangs waren die Brüder noch getrennt, der jüngere war in Dortmund. Ein älterer Bruder lebt auch in Deutschland, in Düsseldorf. Der Rest der Familie, die Eltern und sechs weitere Geschwister, sind inzwischen alle wieder in Syrien. Allerdings nicht in Aleppo.

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In seiner Heimatstadt hatte Omar Ibrahim Bauingenieurwesen studiert und auch schon in diesem Beruf gearbeitet. „Zum Glück wurde der Abschluss in Deutschland anerkannt“, erzählt er. So konnte er durch die Vermittlung des Rheinbergers Gerhard Hage im Mai ein achtwöchiges Praktikum bei der Stadt beginnen. „Und das hat gut geklappt“, unterstreicht Dieter Paus. Dennoch sei seine Einstellung kein Selbstläufer gewesen. „Die Stelle, die Herr Ibrahim jetzt hat, war ganz normal ausgeschrieben. Es haben sich auch andere darauf beworben. Herr Ibrahim hat das gleiche Bewerbungsverfahren wie alle anderen durchlaufen. Er wurde genommen, weil er der geeignetste Bewerber war.“ Für Omar Ibrahim eine große Auszeichnung: „Ich bin total froh, dass ich die Stelle bekommen habe. Und ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit den Kollegen.“ Für ihn ist klar, was die Hauptvoraussetzung dafür ist, als Flüchtling Arbeit zu finden: „Die Sprache ist der Schlüssel“, betont er. „Dann stehen alle Wege offen.“

Das hat der Moslem beherzigt, hat nach dem Integrations-Deutschkurs auch noch einen Aufbaukurs in Kamp-Lintfort und schließlich, gewissermaßen als Krönung, den schweren C1-Kurs erfolgreich absolviert. Nun spricht er vier Sprachen: Kurdisch (er gehört zu den drei Millionen von insgesamt 23 Millionen Syrern, die Kurden sind), Arabisch, Deutsch und Englisch. Ibrahim hat eine Aufenthaltsgenehmigung, die zunächst auf drei Jahre befristet ist. „Aus diesem Grunde ist auch das Beschäftigungsverhältnis zunächst befristet“, sagt Dieter Paus. „Das war die Voraussetzung.“

Omar Ibrahim sieht sein persönliches Glück als Verpflichtung dafür, anderen zu helfen. Er hat Kontakt zu vielen anderen in Rheinberg lebenden Flüchtlingen. „Am Wochenende bringe ich einigen Syrern Deutsch bei. Ich möchte, dass auch sie Arbeit finden und hier glücklich werden können“, sagt er.

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