Rheinberg: Die Polizei rät von einer Sperrung ab

Innenstadtverkehr : Polizei rät von der City-Sperrung ab

Die Stellungnahme des Rheinberger Wachleiters liegt vor. Goldstraße und Kattewall könnten Umleitungsverkehr nicht aufnehmen. Sperren sollte man Holz- und Fischmarkt nur, wenn es flankierende Maßnahmen wie Parkverbote gebe.

Die rund 60 Meter lange Durchfahrt Holz- und Fischmarkt im Herzen der Rheinberger Innenstadt soll probeweise für ein Jahr gesperrt werden. Und zwar dann, wenn die Innenstadtsanierung vollständig abgeschlossen ist (wir berichteten mehrfach). Der Bau- und Planungsausschuss hatte dies im September beschlossen und damit eine kontroverse Diskussion in Gang gesetzt. Der Rat nahm dann noch Ergänzungen vor. In der Sitzung hatte Bürgermeister Frank Tatzel darauf hingewiesen, dass man mit Spannung die Stellungnahme der Polizei erwarte.

Diese Stellungnahme liegt nun vor. Wolfgang Riedel, Chef der Polizeiwache Rheinberg, hat sie dem Leiter der städtischen Verkehrsbehörde, Jonny Strey, übergeben. „Aus polizeilicher Sicht können wir eine Sperrung ohne flankierende Maßnahmen nicht befürworten“, sagte Riedel in seinen Ausführungen. Er habe sich die Situation noch einmal sehr genau angeschaut, zudem habe er sich mit seinen Kollegen besprochen. „Und“, so Riedel, „wir haben die Erfahrungen mit in die Betrachtung einfließen lassen, die wir während der Umbauphase von Holz- und Fischmarkt gesammelt haben, als die Durchfahrt ja auch schon gesperrt war.“

In dieser Phase, das sagte der Wachleiter ganz deutlich, habe die Polizei keine guten Erfahrungen mit dem umgeleiteten Verkehr gemacht. Insbesondere auf dem Kattewall und der Goldstraße mit dem Nadelöhr Richtung Entenmarkt/Rheinstraße hätten zuweilen „chaotische Zustände“ geherrscht. Er persönlich halte die Sperrung für eine halbherzige Lösung, sagte Wolfgang Riedel: „Wenn man diese Sperrung haben möchte, dann sollte man konsequenterweise auch die Busse heraushalten und die Durchfahrt möblieren.“ Besonders auf der Goldstraße und dem Kattewall käme es zu doppelten Belastungen, dort solle man dann über Parkverbote nachdenken. Ob sich das durchsetzen lasse, sei allerdings fraglich.

Wolfgang Riedel ist Leiter der Polizeiwache Rheinberg. Foto: Uwe Plien

Kopfzerbrechen bereite ihm als örtlichem Polizei-Chef auch der Lkw-Verkehr. Dem müsse man im Falle einer Sperrung eigentlich die Zufahrt von den Innenwall-Einmündungen in die Orsoyer Straße im Süden beziehungsweise in die Rheinstraße im Norden verwehren. Die Polizei könne kein umfassendes Verkehrskonzept erkennen.

Bei der Stellungnahme der Polizei handelt es sich um eine Anhörung, die nicht bindend für die Stadt ist. Sie kann, muss sich aber nicht an die Empfehlung halten. Im Falle des inzwischen gebauten Zebrastreifens auf der Römerstraße am Annaberg hatte die Polizei ebenfalls eine negative Stellungnahme abgegeben, die Stadt hat die Querung trotzdem errichtet. Riedel: „Bei den Schutzstreifen, die die Stadt auf der Xantener Straße für Fahrradfahrer angelegt hat, ist die Polizei seinerzeit gar nicht erst angehört worden. Ich habe dann im Namen der Polizei die Aufsichtsbehörde eingeschaltet, die wiederum verfügt hat, dass die Streifen zurückgebaut werden müssen. Das ist ja inzwischen auch erfolgt.“

Wie die Stadt nun mit der Einschätzung der Polizei umgeht, konnte Fachbereichsleiter Jonny Strey noch nicht sagen. „Bei uns im Stadthaus ist noch keine Bewertung vorgenommen worden.“ In der Verwaltung werde man diese Stellungnahme auf jeden Fall sehr ernst nehmen. Da jedem klar sei, dass es sich bei der geplanten Sperrung um eine „hochpolitische Sache“ handele, werde man sich schon sehr genau überlegen, wie zu verfahren sei, so Jonny Strey. Die Entscheidung treffe letztendlich aber die Stadtverwaltung.

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