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Rheinberg: Die Politik will keine dichten Wohnblocks

Sozialer Wohnungsbau : Die Politik will keine dichten Wohnblocks

Investor Manstein hat eine neue Planung für den Bau von 120 bis 150 Wohnungen in der Reichelsiedlung vorgelegt. Aber auch die fand jetzt im Rheinberger Bau- und Planungsausschuss keine Zustimmung und soll überarbeitet werden.

In Rheinberg fehlen Wohnungen für Menschen mit kleineren Einkommen. Das zeigt sich spätestens, seit Amazon 2011 sein Logistikzentrum am Annaberg eröffnet hat. Viele Mitarbeiter des Online-Riesen haben solche kleine Einkommen und würden gerne nach Rheinberg ziehen. Weil aber auch die Reichelsiedlung weitgehend „ausgebucht“ ist, ist die Suche nach bezahlbarem Wohnraum schwierig. Nun plant die Manstein GbR, der ein Teil der etwa 700 Wohnungen gehört, den Bau von 120 bis 150 neuen Wohnungen an der Annastraße, direkt an die Reichelsiedlung angrenzend. Manstein hatte vor, zwischen Bahnlinie und Eschen- beziehungsweise Ahornstraße fünf Wohnblöcke hochzuziehen. Also genau dort, wo es seit Anfang der neunziger Jahre  etwa zwei Dutzend an Mieter verpachtete Gärten gibt. Die Gärtner wollen aber nicht weichen.

Im Bau- und Planungsausschuss stand das Vorhaben jetzt erneut auf der Tagesordnung. Kurz vorher, darauf verwies SPD-Ausschussmitglied Jochen Schmitz in der Sitzung, hätten sich Vertreter aller Fraktionen mit Manstein-Leuten getroffen. Das Unternehmen stellte eine überarbeitete Planung vor, die der Stadtverwaltung erst am 26. Juni zugegangen war, wie der Technische Beigeordnete Dieter Paus sagte. Gut gefallen habe der SPD an dieser Planung, dass Ersatzstandorte für neue Mietergärten berücksichtigt worden seien. Entsetzt gewesen sei man indes über die Anordnung von nun sechs geplanten  Wohnnblocks. Manstein möchte nur noch einen Teil der Gartenfläche mit drei Mehrfamilienhäusern bebauen. Drei weitere sollen zwischen den angrenzenden Häuserriegeln gebaut werden. Das Ganze sei eine Planung „am Rande des Kümmerlichen“, wertete SPD-Mann Peter Bender.

Nicht nur die SPD war hin- und hergerissen. Einerseits sieht man die Notwendigkeit dringend benötigten Wohnraums, andererseits überzeugte das Vorhaben des Investors nicht. „150 neue Wohnungen nehmen den Druck aus der sozialen Wohnungssituation“, meinte FDP-Politiker Hans-Peter Götzen. „Aber was uns ganz und gar nicht gefällt, ist die enge Planung der zusätzlichen Häuser.“ Jürgen Bartsch (Grüne) ging noch einen Schritt weiter und fragte: „Warum ist hier nicht eine weniger blockhafte Wohnbebauung möglich? So etwas würden wir an keiner anderen Stelle in Rheinberg vorschlagen.“ Auch Heinz Engelke  (CDU) machte klar: „Wir brauchen Wohnungen dieser Art. Aber hier stellen sich Fragen zum Lärmschutz, zur Kompensation der Gartenflächen und zu einer zu starken Verdichtung.“ Damit hatte er Klaus Overmeyer (Linke) auf seiner Seite: „Die drei Wohnriegel vorne sind okay.  Aber diese enorme Verdichtung geht gar nicht.“

Dieter Paus bezweifelt, dass sich das Manstein-Vorhaben bauordnungsrechtlich umsetzen lasse. Zudem dürfe nicht vergessen werden, dass sich Bolz- und Spielplatz (die als Alternative für die Mietergärten angedachten Flächen) im Eigentum der Stadt befinden. Paus: „Erst vor einem halben Jahr haben wir beschlossen, darauf etwas zu entwickeln. Das sollten wir nicht gleich wieder aufgeben.“

Unterm Strich überwog die Unzufriedenheit mit dem, was die Manstein-Architekten aufs Papier gebracht hatten. Deshalb wurde die Verwaltung beauftragt, mit den Investoren zu sprechen und zu fragen: Was lässt sich da machen?

Fazit im Bau- und Planungsausschuss: Erst soll ein neuer Plan vorgelegt werden, dann könne man weitersehen.