Streetart in der Rheinberger Reichelsiedlung Weltweites Echo für Kunstaktion Big A

Rheinberg · Die beiden Initiatoren Manuel und Marco Kutz berichteten der Rheinberger Politik von der großen Beachtung, die ihr Projekt in der Reichelsiedlung erzielt hat. Selbst in Südamerika sei man auf Rheinberg aufmerksam geworden. 

 Ein Blick auf eine von insgesamt sechs künstlerisch gestalteten Hochhauswänden in der Rheinberger Reichelsiedlung.

Ein Blick auf eine von insgesamt sechs künstlerisch gestalteten Hochhauswänden in der Rheinberger Reichelsiedlung.

Foto: Armin Fischer (arfi)

An Superlativen wurde nicht gespart. Es gab Lob noch und nöcher und zweimal brandete sogar Applaus auf: Als die Brüder Manuel und Marco Kutz stellvertretend für das Team der Kunst-Aktion Artlon innerhalb des MAP-Festivals jetzt im Ausschuss für Stadtmarketing, Tourismus und Kultur auftraten, hatten sie die Verwaltung und weitestgehend auch die Politik auf ihrer Seite. Kutz und Kutz waren gebeten worden, über ihre 2021er Aktion „Big A“ (großes A) zu berichten. Das haben die beiden Sozialpädagogen gern und höchst professionell getan.

Im vergangenen August hatten international besetzte Künstler-Kollektive jeweils zu zweit sechs riesige Seitenfassaden der Hochhäuser in der Reichelsiedlung mit Motiven gestaltet, die vorher durch eine Umfrage entwickelt worden waren. Sie schufen in einer Woche eine gigantische Streetart-Galerie. Das ganze Projekt war deutlch aufwendiger als frühere Artlon-Runden und und eingebettet ins landesweite Projekt „Heimatwerkstatt“, durchgeführt und gefördert vom nordrhein-westfälischen Heimat-Ministerium. Das Ziel dabei war es, Sozialräume so aufzuwerten, dass man auch außerhalb der Stadtgrenzen davon Notiz nimmt. Hat geklappt.

 Erfolgreiches Brüderpaar: Marco Kutz (links) und Manuel Kutz sind die Motoren der Artlon-Kunst-Initiative.

Erfolgreiches Brüderpaar: Marco Kutz (links) und Manuel Kutz sind die Motoren der Artlon-Kunst-Initiative.

Foto: Uwe Plien

Zunächst hatten sich mehr als 3000 Menschen in Rheinberg an einer Umfrage beteiligt. Die zentrale Frage dabei lautete – auch vor dem Hintergrund der schwierigen Corona-Situation: „Was bedeutet für dich Zuhause?“ Die Antworten wurden in Kategorein wie Jugendliche, Kinder, Erwachsene oder Senioren eingeteilt. Künstler aus verschiedenen Ländern wie Spanien oder Serbien setzten das bildlich um. Künstlerischer Leiter der Aktion war der Spanier Javier Landa Blanco.

Die Kutz-Brüder fassten die ganze Aktion in einem beeindruckenden Film zusammen, für den viele Aufnahmen an den bis zu 20 Meter hohen Hauswänden mit einer Drohne gemacht worden sind. Ihnen ging es aber auch darum zu zeigen, welche Reichweite sich mit einer solchen Kunstwoche erzielen lässt. Insgesamt, so trug Marco Kutz vor, seien über Soziale Medien, Fernsehen und Presse rund 800.000 Menschen erreicht worden. Vor allem Instagram habe zu diesem Erfolg beigetragen. In der Aktionswoche sei allein die Artlon-Seite mehr als 31.000 Mal aufgerufen worden, die der zwölf beteiligten Künstler mehr als 350.000 Mal. Mit etwa 36.000 Nutzern habe es Interaktionen gegeben.

 Nach der Big-A-Aktion hätten sie Anfragen von Künstlern unter anderem aus Argentinien, Brasilien, Polen, Russland, Belgien, Spanien und England bekommen. Fotos der Aktion seien in Streetart-Foren unter die besten 25 weltweit gewählt worden – da konkurrierte Rheinberg mit Metropolen wie Bogota, Sao Paulo oder Mexico City. Allerdings, so räumte Manuel Kutz ein, sei die Aktion in dieser Größenordnung nicht fortführbar. 

„Großartig“, fand Renan Cengiz (Die Partei) das alles. „Chapeau!“, lobte Andreas Sieske von der CDU. „Tolle Aktion, einmalig“, zeigte sich Klaus Neumann (Grüne) begeistert. „Beeindruckend“, nannte Achim Körber das ganze Schaffen rund um „Big A“ und bot spontan seine eigene Hausfassade für eine weitere Aktion an.

Sie habe eine Gänsehaut bekommen, gestand FDP-Sprecherin Edeltraud Hackstein. Und Bürgermeister Dietmar Heyde sagte, eine Bewohnerin aus der Reichelsiedlung sei zu ihm ins Stadthaus gekommen und habe gesagt: „Da ist ein Wunder geschehen“. Marco Kutz berichtete von einem Bewohner, der den Akteuren gesagt habe: „Sie haben etwas geschafft, was selbst der schlimmste Unfall in der Reichelsiedlung nicht geschafft hat: Die Leute kommen vor die Tür und sprechen miteinander.“

Nur Sebastian Nehnes (AfD) wollte in den Chor der Begeisterung nicht einstimmen. Die Aktion sei ein Eingriff ins Lebensumfeld sozial benachteiligter Menschen. Nehnes sagte: „Wir sollten vielleicht nicht die ganze Reichelsiedlung bunt machen.“

(up)