Rheinberg: Die Kugeln rollen in Ost und West

Städtepartnerschaft : Die Kugeln rollen in Ost und West

Zwei ehemalige Bürgermeister und ihre Kegelclubs: „Die Stöfferer“ aus Rheinberg haben „De Lochschieber“ aus Hohenstein-Ernstthal zu Gast.

Im November vor 30 Jahren fiel die Mauer. Im Zuge der Wiedervereinigung wurden auch die Städte Rheinberg und Hohenstein-Ernstthal in Sachsen Partner. Die Rheinberger Verwaltung machte schon 1990 Nägel mit Köpfen und griff den Amtskollegen im Osten unter die Arme. Mit Man-Power und Sachspenden, beispielsweise gebrauchten Feuerwehr- und Krankenwagen. Ein Jahr später wurde die Städtepartnerschaft besiegelt. Von Beginn an war Hans-Theo Mennicken dabei, Rheinbergs späterer Bürgermeister. Er ist immer mit seinem langjährigen Kollegen Erich Homilius, bis vor sieben Jahren Oberbürgermeister von Hohenstein-Ernstthal, in Kontakt geblieben.

Da beide Ex-Bürgermeister begeisterte Kegler sind, vereinbarten sie vor zwei Jahren einen Besuch. „Die Stöfferer“, der vor 51 Jahren gegründete Rheinberger Kegelclub, besuchte die Hohenstein-Ernstthaler „De Lochschieber“. Zu dem Club gehört auch Erich Homilius. „Wir sind da voll unter die Räder gekommen“, erinnert sich Winni Nickenig. „Wir hatten beim Kegeln zwar nicht den Hauch einer Chance aber sehr viel Spaß mit den Freunden in unserer Partnerstadt.“

Jetzt, am Montagabend, gab es das „Rückspiel“ in der Alten Apotheke in Rheinberg. Und wieder zogen die Ost-Kegler die West-Kegler ganz locker über den Tisch. „Egal“, sagt Mennicken: „Hauptsache, es hat Spaß gemacht.“ Das habe es, versichern die sieben Gäste, die im Landhaus Spieckermann in Xanten-Vynen untergekommen sind. Neben Erich Homilius verbringen Karl Vogel, Christian Vogel, Christian Lipfert, Klaus Scheer, Joachim Beer und Burkhard Kruse eine schöne Zeit am Niederrhein. „De Lochschieber“ sind alte Schulfreunde, die ihren Club 1961 als junge Burschen gegründet haben und heute Mitte 70 sind.

Bis auf den ehemaligen Oberbürgermeister sind alle Kegler zum ersten Mal am Niederrhein, genießen Stadtführungen, Geselligkeit und einen Abstecher in das Underberg-Palais. Aufgefallen ist ihnen nicht nur die Gastfreundschaft der Rheinberger Freunde, sondern auch der schöne, inzwischen restaurierte Marktplatz sowie die Tatsache, dass die Rheinberger die Tradition ihrer Stadt pflegen. Und, dass es Unterschiede beim Kegeln gibt. Im Osten rollen die Kugeln nicht auf Holz-, sondern auf Asphaltbahnen. Ein gravierender Unterschied, wie die Hohenstein-Ernstthaler beschreiben: „Da brauchst du die Hand mit der Kugel nur ganz leicht zu verdrehen, und schon rollt die Kugel dahin, wo du sie nicht haben willst.“

Die beiden Kegelclubs wollen auf jeden Fall in Kontakt bleiben. Das wiederum freut Rheinbergs Bürgermeister Frank Tatzel, der sich mit seinem Amtskollegen Lars Kluge gut versteht. Ob Schachclubs, DLRG und DRK-Wasserrettung, Schulen oder Vereine – „die Städtepartnerschaft läuft“, sagte Tatzel, als ihn die Kegler am Dienstag im Stadthaus besuchten.

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