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Rheinberg: Der Spanische Vallan wird neu belebt

Turm im Rheinberger Stadtpark : Spanischer Vallan wird Schreibstube

Manuela Bechert und Renan Cengiz haben mit der Stadt einen Nutzungsvertrag für den kleinen Sechseck-Turm im Stadtpark geschlossen. Sie wollen hier ein Buch über Rheinberg schreiben, außerdem planen sie kulturelle Events.

Der Spanische Vallan im Rheinberger Stadtpark: Wann das kleine Turmhaus mit dem Kuppeldach auf dem künstlich angelegten Erdhügel gebaut worden ist, weiß man zumindest ungefähr: irgendwann zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert. Aber wozu? Diese Frage ist bis heute unbeantwortet und regt die Phantasie vieler Menschen an, die sich mit dem Spanischen Vallan befassen.

Eine andere Frage lautet: Warum macht die Stadt eigentlich nichts aus diesem kleinen, verträumt im Stadtpark liegenden Turmhaus? In Weimar gibt es Goethes Gartenhaus. Das ist ein Publikumsmagnet. Klar, Weimar und Goethe, das ist eine andere Liga, das sind große Namen – aber auch der Vallan schreit förmlich nach einer Nutzung, auch wenn die Stadt Tabula rasa gemacht hat. Am Vallan wurden Bäume gefällt und Sträucher gerodet. Stattdessen sind neue Zuwege und eine neue Treppenanlage gebaut worden.

Manuela Bechert und Renan Cangiz wollen den Vallan als Schreibwerkstatt nutzen und mit Kulturevents beleben. Foto: Armin Fischer (arfi )/Armin Fischer ( arfi )

Zwei Rheinberger wollen den Spanischen Vallan aus seinem Dornröschenschlaf wachküssen. Renan Cengiz und Manuela Bechert haben – ganz weihnachtlich – eine besondere Herberge für eine besondere Mission gesucht und sind im Stadtpark fündig geworden. Die beiden Kulturschaffenden, Journalisten, Schriftsteller und Netzwerker wollen den Vallan zu einer Schreibstube machen, ihr Rheinberg-Buch soll dort entstehen.

Ein Blick in das Innere des sechseckigen Turmhauses im Stadtpark. Foto: Armin Fischer (arfi )/Armin Fischer ( arfi )

Aber mehr noch: „Wir möchten eine neue Nutzung des Vallans als festen Pfeiler der Rheinberger Kunst- und Kulturgeschichten zurück auf die Karte setzen“, sagen sie. Das Potenzial des denkmalgeschützten Gebäudes werde nicht genutzt, finden Cengiz und Bechert.

„Wir haben einen Raum zum Schreiben gesucht“, so Manuela Bechert, freie Journalistin. „Dabei sind wir auf den Spanischen Vallan gestoßen.“ Mit dieser Idee seien sie an die Stadt herangetreten und hätten bei Bürgermeister Dietmar Heyde offene Türen eingelaufen. Jetzt haben sie mit der Stadt einen Nutzungsvertrag geschlossen und sind glücklich, dass das schon mal geklappt hat.

Ungefähr ab März, wenn es hoffentlich warm genug ist, will das Kreativ-Duo in der oberen Etage des Sechseck-Turms mit der Schreibarbeit beginnen. Zwei Schreibtische, ein großer Tisch, ein Sofa zum Nachdenken, eine Kaffee- und Teeküche – vielmehr Einrichtung braucht es nicht im Raum in der oberen Etagen mit sechs Ecken und sechs Fenstern, zu dem eine weiß gestrichene Holztreppe führt. „Wir schreiben ein Buch über ,Rheinberger Geschichte und Gegenwart’“, sagt Renan Cengiz. „Aber es soll etwas anders werden als die Bücher, die es bereits über Rheinberg gibt.“

So sollen beispielsweise Rheinberger Persönlichkeiten porträtiert werden. Nicht nur historische, sondern durchaus auch zeitgenössische, noch lebende. Und die beiden Autoren denken daran, auch jugendpolitische Aspekte zu berücksichtigen. „Durchaus auch mal ganz abseitige Sachen wie die legendären Punk-Partys auf einem Bauernhof in Pelden, wo 2006 sogar der damals noch weitgehend unbekannte Nachwuchs-Reporter Jan Böhmermann auftauchte und im WDR-Fernsehen berichtete.

Doch Manuela Bechert (39) und Renan Cengiz (33) wollen den Vallan nicht für sich allein als Refugium beanspruchen. „Wir planen im Sommer auf dem Außengelände kleine Kulturverastaltungen“, sagt Manuela Bechert. „Akustische Konzerte, Lesungen, alles klein und so leise, dass die Nachbarn sich nicht gestört fühlen müssen.“ Angedacht sind die Monate Mai und Juni sowie August und September. Wie das Programm genau aussehen soll, steht noch in den Sternen. Cengiz: „Wir wollen das nicht alles minutiös durchplanen. Das soll auch ein Stück spontan sein.“ Auf jeden Fall sollen interessante Gäste und Aktionen für verschiedene Zielgruppen erreicht werden, die Aufmerksamkeit auf den Stadtpark, den Vallan und die Ästhetik, Geschichte sowie den Kulturreichtum Rheinbergs lenken.

Bedauerlich finden die beiden, dass der Vallan-Hügel so „gerupft“ worden ist. Anlehnend an das Goethe-Gartenhaus in Weimar, streben sie an, zwei Konzepte zu vereinen – die Kunst und den Garten. Anstoß war ein Essay eines Freundes, des aus Alpsray stammenden Germanisten und Philosophen Thomas Höffgen, in dem das ganzheitliche Gartenkonzept des Schriftstellers und Universalgenies Goethe umrissen wird. „Kunst, Kultur und Literatur vereint in einem Goethe-Garten in Rheinberg – das würde uns gefallen“, so Cengiz. Dieses Konzept, da sind sich die beiden Initiatoren sicher, könnte auch den Tourismus in der Stadt beleben.

Nun müssen Manuela Bechert und Renan Cengiz das Gebäude aber erst mal herrichten. Eine neue Tür ist schon eingebaut worden.