Konzert in Rheinberg Schwere Konzert-Kost zum Saison-Finale

Rheinberg · Verhaltener Beifall: Das Xenon Saxophon Quartet verlangte dem Publikum in der Stadthalle einiges ab.

 Die vier Saxofonisten bedankten sich beim Publikum der Musikalischen Gesellschaft, dass sie es ausgeharrt hat trotz der schweren Kost.

Die vier Saxofonisten bedankten sich beim Publikum der Musikalischen Gesellschaft, dass sie es ausgeharrt hat trotz der schweren Kost.

Foto: Fischer, Armin (arfi)

Dass die Hälfte des Publikums den Akteuren nach einer Darbietung den Applaus verwehrt, kommt bei Konzerten der Musikalischen Gesellschaft so gut nie vor. Und dass Musiker sagen „Vielen Dank, dass Sie geblieben sind”, erlebt man auch nicht oft. Diesen höchst seltenen Moment teilten Publikum und „Xenon Saxophon Quartets” mit Lukas Stappenbeck (Sopransaxofon), Benjamin Reichel (Bariton-Saxofon) Anze Rupnik (Altsaxofon) und Adrian Durm (Tenorsax) beim letzten Konzert in der Spielzeit der Musikalischen Gesellschaft in der Stadthalle.

 Anlass war die Darbietung von „Steps (within a step)“, eine 2016 uraufgeführte Auftragskomposition des Kolumbianers Daniel Avarados für das Quartett. Dabei wandeln sich Zischlaute zu statischen Klängen, um dann zu Zischlauten des Instruments zurückzukehren. „Es gibt keinen normal gespielten Ton”, erklärte Tenorsaxofonist Adrian Durm zur Einführung. Es folgte ein improvisiert wirkendes, durchaus strukturiert komponiertes Werk mit Klappern und Wind-Geräuschen. Das verlangte dem Publikum ein hohes Maß anToleranz ab.

Zum Auftakt des gut 80-minütigen Konzerts hatten die vier Musiker, Hoffnungsträger der Kammermusik, mit Edward Griegs „Suite im alten Stil” eher klassisch begonnen. Vom andächtigen „Praeludium” über die leicht tänzelnde „Sarabande” bis zur blumig klanglich verwobenen „Gavotte” und dem dynamischen „Rigaudon” konnten die Zuhörer entspannt lauschen.

Nach der Pause entspannte das Quartett die Zuhörer zunächst mit der harmonisch-flotten „Ankunft der Königin von Saba”, ehe das polyrhythmische Forent Schmitt-Werk „Quatuor pour Saxofones” mit vier inidividuellen „Klangstimmen”, einem poetischen „Assez lent” und dem fanfarischen „Animé sans excés” nochmals herausforderten.

Danach frönten die vier jungen Männer ihrer „Nebenbei-Leidenschaft” Tango mit zwei Beiträgen. Endgültig versöhnt war das Publikum mit Petro Itturialdes „Pequena czarda”, einem ungarischen Czardas-Tanz mit einem furiosen Stappenbeck. „Wir können Sie nicht so aufgekratzt gehen lassen”, sagten die Musiker und spielten das „Wiegenlied” von Brahms.

 In der neuen Spielzeit gibt es neun Konzerte. Den Anfang macht der Klavierabend mit Jamina Gerl am 6. September. Höhepunkt wird anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Musikalischen Gesellschaft das Konzert der Russischen Kammerphilharmonie St. Petersburg am 1. März. Als „Rheinbergs musikalischer Gruß an die Landesgartenschau” kommt das Duisburger Salonorchester am 17. Mai 2020 in die Stadthalle.