Rheinberg: Das Amplonius-Gymnasium segelt gut unter der G9-Flagge

Gymnasium in Rheinberg : Amplonius segelt gut unter G9-Flagge

2018/2019 ist das Rheinberger Gymnasium zum neunjährigen System zurückgekehrt. Die Entscheidung sei goldrichtig gewesen, sagt Schulleiter Marcus Padtberg. Für bald 100 zusätzliche Schüler müssen allerdings neue Räume her.

Seit eineinhalb Jahren ist das Amplonius-Gymnasium wieder da, wo es ursprünglich herkam: bei G9. Was bedeutet: Gymnasiasten legen das Abitur im Regelfall nun wieder nach neun Jahren ab. „Dass wir zwischenzeitlich nach dem Konzept G8 gearbeitet haben, ist bei der Bevölkerung angekommen“, sagt Schulleiter Marcus Padtberg. „Ob aber auch angekommen ist, dass wir jetzt wieder bei G9 sind, wissen wir nicht genau.“

Zugegeben: Am Gymnasium war niemand glücklich über die sprunghafte Schulpolitik des Landes. Zum Schuljahr 2004/2005 mussten auch die Rheinberger die verkürzte Schulzeit umsetzen. 2018/2019 durfte das Kollegium wieder zurückrudern. Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln. Dass das bedeutet, das die kompletten Lehrpläne überarbeitet werden müssen, ist sicher nicht überall gesehen worden. Doch die Schule nimmt diese Herausforderung an. Die Jahrgänge fünf und sechs segeln bereits wieder unter der G9-Flagge. „Die Umstellung hat auch gut geklappt“, schildert Padtberg. „Wir sind kurz vor der Verabschiedung der neuen Lehrpläne auch für die anderen Jahrgänge.“

Ein Jahr länger bis zum Abitur, das bedeutet: Für jede Jahrgangsstufe müssen mehr Inhalte eingearbeitet werden. Dabei spielen die Medien eine große Rolle in pädagogischer und didaktischer Hinsicht. „Die zentrale Fragestellung dabei lautet: Wie lerne ich, sinnvoll mit Medien umzugehen?“, schildert Unterstufenkoordinator Ulrich Mader. „Gerade in der Unterstufe stellen wir fest: Die meisten Grundschüler haben bereits ein Smartphone, wenn sie in die fünfte Klasse kommen. Aber wie an jeder anderen Schule auch gibt es Probleme mit dem Umgang von Smartphones. Sie wissen vieles nicht, Schüler ebenso wie deren Eltern.“ Ein Thema: der faire Umgang mit den kleinen Telefon-Computern. Eine Aufgabe, die am Amplonius Medienscouts übernehmen – Schüler, die fachkundig sind. Mader und seinen Kollegen geht es um soziale Medienkompetenz. Die wird auch im Fach „Lernen3“ vermittelt. Darin wird unter anderem soziales Lernen vermittelt, aber auch die Fähigkeit, Lerntechniken zu erlernen. Stichwort „Lernen lernen“.

Sie seien froh, dass nun nach und nach wieder ohne den starken Druck der gestrafften Lehrpläne „mit etwas mehr Ruhe und Gelassenheit“ gelernt werden könne, sagen Padtberg und Mader. Das biete den Schülern die Möglichkeit, ihre Nachmittage mehr mit der Familie oder im Verein zu verbringen. Als ein Beispiel nennt Mader die Wahl der zweiten Fremdsprache mit etwas mehr Zeit zum Überlegen. Bisher hatten die Schüler in der fünften Klasse kaum mit Englisch begonnen, da mussten sie sich schon zwischen Französisch und Latein entscheiden. Zuletzt ab Jahrgangsstufe sechs, jetzt erst wieder ab der siebten.

„Wir haben mit der Rückkehr zu G9 lange gezögert“, so Padtberg. „Aber die Entscheidung war aus heutiger Sicht goldrichtig.“ Im Mittelpunkt stehe die Frage, was eine gymnasiale Bildung unterscheide von Konzepten an Schulen, die auch andere Abschlüsse als das Abitur vorhalten müssen. Die Verantwortlichen am Amplonius sind nach wie vor davon überzeugt, dass der Großteil der Schüler nicht nur das Abitur, sondern auch eine anschließende Hochschulausbildung anstrebe. Darauf müssten die Schüler vorbereitet werden. Erfreulich sei, dass die gesamte Schulgemeinschaft – Kollegium, Schüler, Eltern und auch die Stadt als Schulträger die Rückkehr zu G9 mittragen. Für die Stadt hat das handfeste finanzielle Auswirkungen. Mit bald rund 100 Schülern mehr wird mehr Raum gebraucht. Über den Bau eines Erweiterungsgebäudes wird bereits diskutiert. Bis 2026 sollte er fertig sein.