1. NRW
  2. Städte
  3. Rheinberg

Rheinberg: Damenrad für fünf Euro – ein Schnapper

Fundsachenversteigerung in Rheinberg : Damenrad für fünf Euro – ein Schnapper

Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten: Eine Fundsachenversteigerung vor dem Stadthaus lief gut. Vor allem Fahrräder waren gefragt. Auktionator Christian „Cheese“ Nickenig vom Ordnungsamt erwies sich als Verkaufstalent.

Es geht zu wie auf einem Basar. Bei der Fundsachenversteigerung unter dem Glashaus am Stadthaus stehen 30, 40 Frauen und Männer sicher vor dem fiesen Nieselregen und hoffen darauf, einen Schnapper machen zu können. Oder gucken einfach nur zu – wie bei einer Verkaufsshow.

Christian „Cheese“ Nickenig vom Ordnungsamt hat ein dankbares Publikum. Kurz und knapp erklärt der Auktionator die Spielregeln. „Ich gebe ein Anfangsgebot vor und Sie können dann in kleinen Schritten erhöhen“, sagt er. „Und bitte daran denken: Bei uns kann nur mit Bargeld bezahlt werden.“ Ganz nüchtern und ohne Glanz und Gloria wird in Rheinberg versteigert. Mit Kunstauktionen wie bei Sotheby’s hat das nicht viel zu tun. Nickenig hat nicht einmal ein Holzhämmerchen, mit dem er auf den Tisch hauen kann, wenn er „zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten“ gerufen hat.

Stefan Brendgen (74) aus Borth freut sich: Er hat ein Damenrad für fünf Euro ersteigert. Foto: Uwe Plien

Dennoch: Das Geschäft läuft. Das Fahrradgeschäft, um genau zu sein. Denn 90 Prozent der aufgelaufenen Fundsachen sind Fahrräder. 25 an der Zahl. Aufgereiht stehen sie vor der Stadthalle und werden eines nach dem anderen zum Auktionstisch geschoben. Große und kleine, ältere und neuere, schwarze und weiße, sogar ein Pedelec ist dabei. Alle wurden irgendwo vergessen, liegengelassen oder sonst was, bevor sie beim Fundbüro der Stadt landeten und in der Tiefgarage eingelagert wurden.

„Hier haben wir ein schönes Damenrad in Lila“, preist Cheese Nickenig ein Vehikel an. „Startgebot: fünf Euro.“ Sofort hebt Stefan Brendgen aus Borth die Hand. Weil er der einzige Interessent ist, geht das Rad für fünf Euro in seinen Besitz über. Der 74-Jährige freut sich. „Die Ersatzteile kann ich auf jeden Fall gebrauchen. Fahrräder fertig machen ist mein Hobby“, sagt er.

Wenig später strahlt Anika Hackstein. Die 23-jährige Gindericherin ist Auszubildende bei der Stadt. Ihr Vater braucht ein Elektrorad, und sie hat ihm eines besorgt – für 40 Euro. Zwar fehlt das Ladekabel und sie weiß auch nicht, ob der Akku noch okay ist. Aber egal: „Mein Vater hat mir gesagt, höher als 100 Euro soll ich nicht gehen.“

So geht ein Rad nach dem anderen weg. Ein Mountainbike für einen Zehner. Auch RP-Fotograf Armin Fischer juckt es in den Fingern. Ein feines Tourenrad für zwölf Euro. Da greift er zu, ruft „Hier!“, bekommt den Zuschlag und sagt: „Tolles Rad, Klasse.“ Unterdessen freut sich Christina Schmalz über einen Kinderroller für fünf Euro. Der ist nicht für ihr zehn Monate altes Töchterchen Jolanda auf ihrem Arm, sondern für Sohnemann Hector. Der ist zweieinhalb und will bald lospesen.

Cheese Nickenig preist ganz charmant ein Rad nach dem anderen an. Der Mann aus dem Ordnungsamt hat Talent, er könnte auch bei einem Verkaufsfernsehsender anfangen. Nach jedem Zuschlag klingelt die Stadtkasse. Münzen, Scheine, alles kommt ins große schwarze Portemonnaie. Bis mittags sind fast alle Fundsachen unter die Leute gebracht. Job erledigt. Wahnsinn, was die Leute alles liegenlassen oder vergessen.