Rheinberg: Bodypainting in der Turnhalle an der Fossastraße mit Gesine Marwedel

Bodypainting in Rheinberg : Der Körper als Leinwand für einen Tag

Die Künstlerin Gesine Marwedel zeigte in der Turnhalle an der Fossastraße in Rheinberg, wie Bodypainting funktioniert.

Die Turnhalle an der Fossastraße wurde am Freitag für einen Tag zu einer ganz besonderen Malwerkstatt. Staffeleien und Leinwände suchte man dennoch vergebens, denn die Malgrundlage der Künstlerin Gesine Marwedel ist nackte Haut.

Seit drei Jahren ist die gelernte Sprachtherapeutin hauptberuflich als Bodypainterin tätig, hat in dieser kurzen Zeit mit Ausstellungen von Südkorea bis Amsterdam einen beachtlichen Bekanntheitsgrad erreicht. So verwundert es wenig, dass die zwölf Teilnehmer aus ganz Nordrhein-Westfalen angereist waren.

„Ich kenne die Kunstwerke von Gesine Marwedel aus der Sicht des Fotografen, heute möchte ich mal die andere Seite kennenlernen und ein Teil davon werden“, erklärt Daniel Putzig aus Münster. Acht Stunden lang haben die zehn Frauen und zwei Männer sich auf dem harten Turnhallenboden mit speziellen Körpermalfarben zunächst in Einzelkunstwerke verwandeln lassen, um am Ende gemeinsam das Bild einer Schneeflocke darzustellen. Eine künstlerische Ausdruckskraft, die am Ende des Tages mit dem Duschwasser in den Ausguss floss.

Für Gesine Marwedel gehört dieser Aspekt dazu: „Das eigentliche Kunstwerk ist das Foto vom fertigen Bild. Für mich ist das eine sehr lebendige, kommunikative Form der Kunst. Welcher Künstler hat schon die Gelegenheit, mit seiner Leinwand zu reden?“

Sarah Schmidt beobachtet auf dem Rücken liegend jeden Pinselstrich, der über ihre Haut gleitet. Für die Moerserin ist das ein Teil der Faszination: „Es ist einfach interessant, zu sehen, was aus einem wird. Ich finde die Fotos sehr aussagekräftig.“ Mit dem feinen Strahl einer Airbrush-Pistole skizzierte Gesine Marwedel die einzelnen Körper, größere Farbflächen malten sich die lebenden Leinwände gegenseitig auf die Haut. Für einen Farbton war allerdings Katja Assenmacher zuständig: „Ich bin die Schwarzmalerin“, erzählte die Ossenbergerin schmunzelnd und fügte hinzu: „Ich bin hier, weil ich mal in die Technik des Bodypaintings reinschnuppern wollte.“ Dass die Frauen an diesem Tag in der Mehrheit waren, ist übrigens kein Zufall. „Das ist fast immer so. Generell interessieren sich Leute für  Bodypainting, die ihren Körper mal anders sehen, sich verwandeln wollen oder Lust auf das Außergewöhnliche  haben“, sagte Gesine Marwedel.

Jenny Treiber aus Witten drückte es anders aus: „Man fühlt sich einfach schön angezogen, obwohl man eigentlich nackt ist.“ Weil jeder Einzelne nur ein Teil des Ganzen ist, musste Gesine Marwedel ständig das Gesamtkunstwerk vor Augen haben. Unter der Hallendecke befand sich deshalb eine Kamera, die ständig ihre Bilder auf einen Monitor sendete. Marwedel sah immer wieder genau hin, verbesserte kleinste Details, zeichnete hauchdünne Linien nach.

Während dieser Zeit mussten die Teilnehmer zum Teil in Positionen verharren, die kein Orthopäde empfehlen würde. „Irgendwann merkt man die Schmerzen nicht mehr, dann geht’s“, sagte Jenny Treiber. Der guten Laune schadete das aber nicht, wusste die Künstlerin: „Wenn man so lange nackt aneinander liegt, schweißt das zusammen. Das Tolle ist, das alle zu einem Team zusammen gewachsen sind. Wir sind schon fast wie eine Familie. Nicht selten sind auf diese Weise Freundschaften entstanden.“

Mehr von RP ONLINE