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Rheinberg: Beschlossene Sperrung der City-Achse empört die Kaufleute

Einzelhandel in Rheinberg : Probe-Stopfen bringt Unruhe in die City

Rheinberger Geschäftsleute sind sauer über Sperrung von Holz- und Fischmarkt. Werbering stimmt seine Position ab.

Einzelhändler, die in Rheinbergs City Geschäfte machen, sind von der Politik auf dem falschen Fuß erwischt worden. Auch wenn die – aus ihrer Sicht – das Elend hätten kommen sehen müssen. Die Absicht im Stadthaus zum Probelauf auf der City-Achse war lange bekannt, nur der konkrete Zeitpunkt war offen. „Ich bin aus allen Wolken gefallen, als ich in der Zeitung gelesen habe, dass eine Mehrheit dafür ist, Holz- und Fischmarkt für ein Jahr für den motorisierten Verkehr komplett dicht zu machen“, sagte Ulrike Brechwald im Gespräch mit der Redaktion.

Während die Werbegemeinschaft ihre Position zu der Entscheidung der rot-grünen Mehrheit im Bauausschuss intern noch abstimmt, sind einzelne Kaufleute bereits zum Gegenangriff übergegangen. Nach Informationen der Redaktion positionieren sich momentan auch die betroffenen Pumpennachbarschaften und wollen sich wie die Geschäftsleute mit Unterschriftenlisten gegen die drohende Sperrung der City-Achse wehren.

Werbering-Vorsitzende Ulrike Brechwald räumte allerdings ein, dass die Rheinberger Kaufmannschaft nicht komplett ahnungslos gewesen sei. In einer Besprechung vor zwei Jahren – also weit im Vorfeld der Umbauphase in der ersten Hälfte dieses Jahres, als auf dem 60 Meter langen Abschnitt sechs Monate gar nichts ging – habe die Stadt darauf hingewiesen, dass sie die Sperrung für den Durchgangsverkehr gerne einmal über einen längeren Zeitraum testen wolle. Nur wann das Experiment konkret gestartet werden soll, sei nie kommuniziert worden, so die Sprecherin der Kaufmannschaft.

Ihre Kritik: „Jetzt vor der Entscheidung hat niemand mehr mit uns gesprochen. Wir sind vor vollendete Tatsachen gestellt.“ Dabei sei zumindest der Zeitpunkt, den Testballon aufsteigen zu lassen, denkbar ungünstig. „Einerseits sind die vom Umbau arg gebeutelten Kaufleute gerade wieder dabei, sich ein wenig zu erholen“, so Brechwald: „Zudem steht mit dem Umbau der Fußgängerzone Gelderstraße die nächste Härte vor der Tür.“

Das sieht Fotograf Peter Meulmann ähnlich. Er hat die Debatte in die Werbegemeinschaft getragen. Sein Nachbar Klaus Neumann von der Buchhandlung ist aus Verärgerung einen Schritt weiter gegangen. Er hat einen Brief an Bürgermeister Frank Tatzel verfasst. Darin fordert er ihn auf, für die Kaufleute in City-Lage ein Machtwort zu sprechen und „die Sperrung abzulehnen“.

Für Neumann ist die Situation Rheinbergs mit größeren Städten, die auf dem Weg in die Autofreiheit seien, nicht vergleichbar. „Zu uns müssen die Kunden erst mal hinkommen“, so Neumann. Durch die beabsichtigte Lenkung der Verkehrsströme sieht er seine auswärtige Kundschaft an der Stadt vorbeifahren. Für ihn ist die „Lebensader“ durch die Stadt massiv gefährdet. Die Erfahrungen während der halbjährigen Umbauphase reichen ihm, um zu wissen, was auf ihn und seinen Buchhandel beim Probelauf zukommt. „Viele Kunden sind weggeblieben“, schreibt der Händler und spricht von Umsatzeinbußen von 45 Prozent. Nur ein Drittel der ausgebliebenen Kunden kämen mit dem Bus, der jetzt wieder und auch künftig noch durch die Stadt rollen darf.

Für Neumann ist die Sperrung des 60 Meter langen Abschnittes die Fortsetzung einer ganzen Reihe unglücklicher Entscheidungen der Politik für die Innenstadt. Er fühlt sich vom Rat im Stich gelassen.