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Rheinberg: Bei der SPD übernimmt die Jugend

Kommunalwahl 2020 : Bei der SPD übernimmt die Jugend

Vor fünf Jahren hat eine neue Juso-Generation in Rheinberg begonnen, sich in die Politik einzumischen. Jetzt bestimmen junge Leute wie Philipp Richter den Kurs der Politik. Der 26-Jährige soll Fraktions-Chef im Rat werden.

Simon Thölke von den Bündnisgrünen war vier Jahre lang das Küken im Rheinberger Rat. Der inzwischen 25-jährige Wallacher war mit Abstand der jüngste gewählte Kommunalpolitiker. Als der Chemiker vor einem Jahr den Rat verließ, um sich an der Universität in Oxford um seine Dissertation zu kümmern, war alles wieder so wie vorher: Kommunalpolitik, so schien es, ist auch in Rheinberg, wie in so vielen andere Kommunen, nur was was für ältere Leute. Jetzt sind die jüngsten Mandatsträger rund 15 Jahre älter als Thölke. Die meisten haben vorne eine Fünf oder gar eine Sechs.

Das zu ändern, war eines der erklärten Ziele der Rheinberger Jusos, als sie die SPD-Nachwuchsorganisation vor fünf Jahren wachgeküsst haben. Hannah Bollig, Philipp Richter und Manuel Kumpf haben sich damals aufgemacht, den Ortsverein und die Fraktion auf Trab zu bringen – mit neuem Schwung, frischen Ideen, anderen Heransgehensweisen und dem klaren Anspruch auf das eine oder andere Ratsmandat.

Heute sind die Jusos mit 26 Mitgliedern (darunter viele Frauen) so gut aufgestellt, dass auch schon mal erstaunte Anfragen aus SPD-Ortsvereinen aus Städten kommen, die um einiges größer sind als Rheinberg: „Wie macht ihr das bloß?“, heißt es dann.

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„Die SPD ist kein alter Tanker. Mit neuem Schwung kann man durchaus was bewegen“, ist der stellvertretende Juso-Vorsitzende Philipp Richter überzeugt. Der heute 26-Jährige war vor fünf Jahren noch unbekannt in den Parteireihen. Inzwischen zieht er als Spitzenkandidat auf der Reserveliste in den Kommunalwahlkampf und soll Fraktionsvorsitzender werden.

Juso-Vorsitzende Hannah Bollig (25) ist stellvertretende Ortsvereinsvorsitzende und hätte auch gerne für den Rat kandidiert. Sie ist aber als Studentin in Duisburg gemeldet, deshalb geht das nicht. Sie wird sich dennoch in Rheinberg politisch engagieren. Beide spüren, dass man ihnen zuhört, dass ältere Kollegen sie auch mal um Rat fragen. Richter: „Wir liefern neue Ideen, lernen aber auch eine Menge von den erfahrenen SPD-Leuten. Das ist ein schönes Geben und Nehmen.“

An der Ausgestaltung des Wahlprogramms haben die Jusos maßgeblich mitgewirkt und setzen eigene Akzente. So spielen Klima- und Naturschutz heute bei den Rheinberger Genossen eine große Rolle. „Früher, als viele noch im Bergbau gearbeitet haben, war das gar kein Thema“, sagt Philipp Richter, der auf Anträge zur Aufforstung oder zur Unterstützung des Aktionsprogramms „Rheinberg summt“ verweist. Da klingt der Wahlkampf-Slogan der SPD beinahe wie eine Botschaft der Grünen: „Wir lassen Rheinberg aufblühen“. Richter gefällt es, von „zukunftsorientierter Stabilität“ zu sprechen, von einer „Mischung aus Vision und Vielfalt“.

Weiteres Thema, mit dem die SPD überzeugen will, ist die Digitalisierung, der weitere Breitbandausbau. Tragende Achsen des Programms sind die Schwerpunkte „Leben und Werte“, „Zukunftsfähige Mobilität“, „Bildungsteilhabe für alle“ sowie „Klima- und Naturschutz“. Hannah Bollig: „Wir wollen zeigen, wie viel Potential Rheinberg hat. Und dass sich das Gesicht der Fraktion deutlich verjüngen wird.“ Im Wahlkampf sollen sich digitale und klassische Formate die Waage halten. Bei den Jusos werden sich Richter und Bollig aus der ersten Reihe zurückziehen. Die nächste Generation sei hier schon am Start.