Rheinberg: Amazon packt jetzt größer und höher und investiert 12,5 Millionen Euro in Rheinberg

Logistik : Amazon packt jetzt größer und höher

Im Rheinberger Logistikzentrum werden seit drei Wochen Hochregale auf 30.000 Quadratmetern Hallenfläche aufgestellt. Das Unternehmen investiert 12,5 Millionen Euro. Die Nachfrage nach größeren Artikeln ist gestiegen.

„2019 ist für uns ein großartiges Jahr“, betont Markus Neumayer, seit einem halben Jahr Leiter des Amazon-Logistikstandortes Rheinberg. Denn seit 2011 – solange gibt es den gelben Riesen in der Stadt – hat es nicht so umfangreiche Arbeiten gegeben wie derzeit. Der Online-Versandhändler investiert rund 12,5 Millionen Euro, überwiegend in Hochregale.

Bisher werden bei Amazon in Rheinberg überwiegend kleinteilige Waren aus den Regalen gepickt, verpackt und verschickt. Von CDs über Schraubenzieher und Bücher bis hin zu Elektroteilen und Lebensmitteln. „Aber“, sagt Markus Neumayer, „die Nachfrage nach größeren Artikeln ist in einem so starken Maße gestiegen, dass wir darauf reagieren mussten. Deshalb investieren wir jetzt viel Geld in Lager- und Regaltechnik.“

Markus Neumayer leitet den Amazon-Standort Rheinberg seit einem halben Jahr. Er ist zufrieden mit dem Stand der Arbeiten. Foto: Fischer, Armin (arfi)

Großvolumige Artikel brauchen mehr Lagerfläche als kleine – deshalb baut Amazon in die Höhe. Der Standortleiter: „Wir gehen mit unseren Regalen jetzt bis knapp unter die Hallendecke – bis auf fast zehn Meter.“ Von außen kann man das nicht sehen, die Hallen verändern sich nicht.

Die rötlichen Metallregale stapeln sich. Seit drei Wochen sind Arbeiter dabei, sie aufzubauen. Geplant ist, dass sie ab August in Betrieb gehen und im Weihnachtsgeschäft in ihrer vollen Kapazität zum Einsatz kommen. Im Boden verankert, reiht sich Regal an Regal. Induktionsschleifen werden in den Boden eingelassen, damit die Elektrowagen später beim Warentransport die Spur halten. Die Hochregale sind zum Teil so konzipiert, dass sie mit kompletten Paletten beladen werden können, teilweise erlauben die Ausmaße, dass größere Produkte passen. Rasenmäher, Gartenmöbel oder Flachbildschirme zum Beispiel. Zwischen den so genannten Schmalgangregalen fahren kleine Fahrzeuge, die Picker beamen sich mit der gesamten Plattform auf die Höhe der abgelegten Waren. „Wir freuen uns, unserem Netzwerk erweiterte Fähigkeiten zur Verfügung stellen zu können“, meint Neumayer.

Weil während der Umbauarbeiten 30.000 Quadratmeter Hallenfläche wegfallen, sind andere Amazon-Standorte dabei behilflich, diesen Engpass zu kompensieren. „Wir haben aber auch in Rheinberg alles enger zusammengerückt“, so Markus Neumayer. Inzwischen stehen in der ersten Halle 80 Prozent der Regale, bald geht es in Halle zwei los.

Zu Besuch bei Amazon: Der Weg der Ware

Auf die Belegschaft habe das neue Konzept keinerlei Auswirkungen gehabt. Weiterhin sind rund 1700 Mitarbeiter in Rheinberg beschäftigt, etwa 1000 davon sind länger als fünf Jahre dabei. Gearbeitet werde in drei Schichten, teilt Amazon mit. Die erste Schicht beginnt morgens um 6.20 Uhr. In der Vorweihnachtszeit – das heißt bei Amazon spätestens im Oktober – kommen noch einmal 1500 bis 2000 Saisonkräfte dazu. 80 Prozent der Beschäftigten, dieser Hinweis ist dem Standortleiter wichtig, haben unbefristete Arbeitsverhältnisse.

Dass künftig auch große Waren aus Rheinberg verschickt werden, wird sich auf die Lieferzeiten nicht auswirken. „Da wird sich nicht viel verändern“, versichert Pressesprecherin Antje Kurz-Möller. Was die Bestellungen angeht, haben die Amazoner übrigens verlässliche Erfahrungswerte: Montags so gegen 9 Uhr ist die erste Spitze erreicht, dann ordern besonders viele Kunden. Der zweite „Peak“ folgt in der Mittagszeit, der dritte am Abend nachdem Abendessen. Wobei es im internationalen Vergleich zeitliche Unterschiede gibt, wie Markus Neumayer beschreibt: „In Deutschland wird früher zu Abend gegessen als etwa in Spanien. Folglich wird in südlichen Ländern auch später im Internet bestellt.“ Pro Tag gehen in Rheinberg im schlechtesten Fall Bestellungen in geringer sechsstelliger Größe ein. Außerdem werde bei dauerhaft schlechtem Wetter erheblich mehr geordert als bei Sonnenschein.

Mehr von RP ONLINE