Rheinberg: Alpsray auf seinem Weg zum Blues-Dorf

Einzigartiges Konzert in Rheinberg : Alpsray auf seinem Weg zum Blues-Dorf

Der US-Gitarrist und Sänger Duke Robillard gab mit der finnischen Wentus Blues Band im To Hoop sein einziges Deutschland-Konzert.

Seit November 2018 betreibt Sami Durak die Gastronomie im Bürgerzentrum Alpsray. To Hoop heißt das Lokal seither. Inzwischen entfaltet der Laden ein ganz eigenes Gesicht, entwickelt sich immer mehr zu einem echten Live-Club. Die Kneipe hat Charme, das Personal ist freundlich und fleißig, die Gäste fühlen sich wohl und – dadurch hat das To Hoop auch in kurzer Zeit überregional an Bekanntheit zugelegt – es gibt ein üppiges Bühnenprogramm.

Durak engagiert zahlreiche Bands, vor allem Blues-Bands, eine nach der anderen und viele bekannte darunter. Er präsentiert aber auch Comedians, Motto-Abende etwa zu Irland. Oder er lädt zum Kneipenquiz ein. Der Raum ist gut ausgestattet – mit Beschallungs- und Lichttechnik, die Bühne ist nett gestaltet, das Publikum kann die Konzerte sitzend oder an Stehtischen verfolgen.

Auch am Mittwochabend wieder. Da hatte Durak einen dicken Fisch an der Angel. Duke Robillard, ein international be- und anerkannter Blues-Gitarrist und Sänger aus den USA, spielte in Alpsray das einzige Deutschland-Konzert während seiner aktuellen Tournee. Er kam nicht allein, sondern wurde begleitet von der finnischen Wentus Blues Band. Um es gleich zu sagen: Es war ein wunderbarer Abend mit toller Musik. Ein Konzert, das mehr als nur 60 Besucher verdient gehabt hätte.

Duke Robillard ist inzwischen 71 Jahre alt und lässt es etwas gemächlicher angehen. Aber jeder Ton, den er seiner braunen Telecaster-Gitarre entlockt, ist ein Ereignis. Er bevorzugt die „cleane“ (dt. saubere), die weitgehend unverzerrte Spielweise. Sein Gitarrenspiel und seine bärbeißige Stimme in Verbindung mit dem unspektakulären und gerade deswegen so liebenswerten Sound der Wentus Blues Band – das ergab eine wunderbare Kombination. Die Finnen verbindet eine lange Freundschaft mit dem Amerikaner, wie Bassist Robban Hagnäs in der Pause erzählte: „Wir haben ihn 1987 zum ersten Mal begleitet, als er in Finnland auftrat. Da war ich 16 Jahre alt. Inzwischen hat er uns sogar nach Rhode Island eingeladen, um in den USA ein Album mit ihm aufzunehmen.“

Die Chemie stimmte auch in Alps­ray. Die Finnen zauberten einen schönen Slowblues namens „Hard working woman“ (bei dem Sänger und Bluesharpspieler Juho Kinaret sang wie Robert Cray) mit der selben Entspanntheit und Gelassenheit wie den von Robillard persönlich gesungenen Blues-Rock’n’Roll „She’s a real life wire“ oder das von Leonhard Cohen adaptierte „First we take Manhattan“. Großartig. Die Wentus Blues Band hatte auch Songs von Bluesmusikern im Programm, mit denen sie zusammengearbeitet haben, von Lazy Lester etwa oder Eddie Kirkland. Mal war’s klassischer Chicago-Blues, mal waren die Akkorde eher in Soul und Blues getränkt.

Das Publikum hatte seine helle Freude an diesen Songs, an diesem Abend und an diesem ganz hervorragend abgemischten Konzert. Und so entwickelte sich das Wohnörtchen Alpsray an diesem Abend ein kleines Stück weiter auf dem Weg zu einem echten Blues-Dorf.