Rheinberg: Abendmusik gibt sich "very british"

Rheinberg: Abendmusik gibt sich „very british"

Mit Orgelmusik aus England startete die „Rheinberger Abendmusik“ unter dem Titel „Länder, Stile, Traditionen“ in ihre neue Saison. Wesels Domkantor Ansgar Schlei bewies seine Fertigkeiten an der Orgel mit Händen und Füßen.

Zum Start der neuen „Abendmusik“-Saison konnte ihr künstlerischer Leiter Christoph Bartusek wieder zahlreiche Gäste in der St.-Peter-Kirche begrüßen. Das Motto des diesjährigen Programms lautet „Länder, Stile, Traditionen“. „Diese landesspezifischen Gegenüberstellungen waren so eine Überlegung von mir“, gestand er, dass ihn dieser Ansatz schon seit längerer Zeit beschäftigte.

„Vor allem die deutsch-jüdische Tradition – im Studium schon. Eine Kollegin hat darüber geforscht und aus persönlichem Antrieb, weil ein Teil meiner Familie wegen der „Shoah“ nach Kanada ausgewandert ist.“ Dieses Konzert im November werde etwas ruhiger ausfallen, weil es auf den Melodien des Synanodalgottesdienstes basiert.

Zuvor hatten die Konzertbesucher dieses Sonntags die Gelegenheit, den Orgelklängen von Ansgar Schlei zuzuhören, dem Kantor des Weseler Willibrordi-Doms und Kreiskantor der evangelischen Kirche im Rheinland im Kirchenkreis Wesel. Schlei, dessen Orgelspiel wie bei den Konzerten der „Abendmusik“ üblich für die Zuhörer auf einer kleinen Leinwand übertragen wurde, hatte sich der Orgelmusik aus England angenommen, die mit ihren rhythmischen Strukturen und den wohlklingenden Melodien eine eigenständige Charakteristik in sich trägt. Gleich zum Auftakt erwies sich die „Intrada“ von Grayston Ives als hymnisch-melodiöses Beispiel für diesen eigenständigen Charakter.

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Im Anschluss daran folgte die fast andächtige „Introduction and Toccata in G“ von Willian Woland – zunächst würdevoll-andächtig im Klang, dann fast nahtlos übergehend in einen flüssiges, sehr dialogisches Melodie-Wechselspiel. Dramatischer und melancholischer präsentierte er das „Präludium und Fuge in D-moll“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy, dessen Werke in Großbritannien sehr beliebt waren, mit einem gleichmäßigen Fokus auf die Töne und Melodien in der Fuge.

Traumwandlerisch im Charakter, furios mit Händen und Füßen agierend, interpretierte er Charles Villes Stanfords „Phantasia and toccata in g-Moll“ in seinen wechselnden Stimmungen und fast bombastisch anmutenden Klangbildern. Edward Elgars „Nimrod“ setzte mit seinen dezent-ruhigen und harmonischen Tönen da einen wohltuenden Kontrast, ehe William Lloyd Webbers „Slumber song“ und der „Dedication Marsch“ mit beinahe ans Musical angelehnten, partiell ironisch wirkenden Harmonien überzeugte. Fast zart-romantisch geriet Leo Sowerbys „Carillon“ mit seiner klaren Schlichtheit im Thema, etwas vitaler, fast tänzelnd dagegen Paul Bryans „Carillon for organ“ zum Schluss. Mit dem feierlichen „Prince of Denmark´s March“ von Jeremiah Clarke als Zugabe endete eine spannende Klangstunde, die das Publikum mit langem Applaus quittierte.

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