Rheinberg : Abschiedsdinner mit Ingolf Lück, aber ohne Pointen

Das Leben einer modernen Familie hangelt sich zumeist am Terminkalender entlang. Der Alltag ist minutiös durchgetaktet, neben Berufs- und Freizeitstress gilt es zudem, Freundschaften zu pflegen. Und genau hier besteht aus Sicht von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière, den Autoren der Erfolgskomödie „Das Abschiedsdinner“, das größte Einsparpotential.

Wie man lästige Freunde möglichst elegant abserviert, durfte das Publikum am Dienstag in der Rheinberger Stadthalle erleben. Das mit den TV-Schwergewichten Saskia Valencia, René Steinke und Ingolf Lück hervorragend besetzte und vom erfahrenen Regisseur Jürgen Wölffer in Szene gesetzte Stück sorgte für ein bis auf den letzten Platz ausverkauftes Haus.

Der Beginn gerät ziemlich hektisch mit schnellen Dialogen, temporeichem Stellungsspiel und vielen Grimassen. Das genretypische Wechselspiel zwischen humorvollen und ernsteren Passagen bleibt dabei ebenso auf der Strecke wie gekonnt eingestreute Pointen. Untermauert wird dieser Eindruck zunächst, als Ingolf Lück in der Rolle des egozentrischen und völlig überdrehten Freundes Anton die Spielfläche betritt. Der glänzend aufgelegte Lück verkörpert Freund Anton mit einer solchen Vehemenz, dass es schwer fällt, dem unaufhörlichen Redeschwall zu folgen.

Dazu ist er ständig in Bewegung, fällt auf die Knie, rennt umher und gestikuliert wie ein Irrwisch. Das macht zwar überdeutlich, warum Anton zum Kreis der Kandidaten gehört, die das Ehepaar Katja und Peter Vorberg per finalem Dinner abservieren möchte, gleichzeitig nerven die durchgehende Dauerbeschallung, das ebenso laute wie affektierte Dauerlachen und die zunehmend überzogenen Gesten zunehmend. Immerhin bietet diese Konstellation nun den Raum für die eine oder andere Pointe.

„Was ist das für ein Parfüm, Eau de Clochard?“, fragt etwa Peter Vorberg nach der innigen Begrüßung Antons, der auf dem Hinweg mit einem Obdachlosen die Mäntel getauscht hatte. Weil Anton ohne seine getrennt lebende Gattin gekommen ist, stehen die beiden Männer immer mehr im Mittelpunkt der Handlung.

Die erreicht dann im zweiten Akt, nachdem der Besucher zuvor das Spiel durchschaut hat, bei einer „Therapiesatzung“ samt vorhergehendem Klamottentausch (inklusive Unterhosen) ihren Höhepunkt. Die mit viel schauspielerischem Talent ausgestattete Saskia Valencia wirkt dabei phasenweise wie das dritte Rad am Wagen, denn viel mehr als die Rolle der Stichwortgeberin gibt das Stück leider nicht mehr für sie her.

Nach einigen aberwitzigen Psychospielchen kommt es am Ende, natürlich, zur Versöhnung. „Es war wirklich ein wichtiger Abend“, lautet am Ende das Fazit von Katja Vorberg. Diese Ansicht dürften nicht alle im Publikum geteilt haben. Eher schon die Meinung eines Besuchers auf dem Weg zum Parkplatz: „Da war mehr drin.“

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