Rohstoffgewinnung in Rheinberg Abbaugegner will Lasten der Kiesgewinnung neu verteilen

Rheinberg · Rohstoffgewinnung – konkret der Kiesabbau – müsse neu gedacht werden, findet Ulrich Behrens, seit vielen Jahren Sprecher der Schutzgemeinschaft Bergbaubetroffener (SGB)

 In Rheinberg wird an verschiedenen Stellen Kies abgebaut.

In Rheinberg wird an verschiedenen Stellen Kies abgebaut.

Foto: Armin Fischer (arfi)

„Seit Jahrzehnten wird auf Rheinberger Gebiet Kies abgebaut. Jeder kann die Folgen tagtäglich sehen. Teilweise entstanden einige wenige Freizeitmöglichkeiten, in den meisten Fällen aber ein hässliches Loch in der Landschaft, mit Überbleibseln der Kiesindustrie durchsetzt und durch eine ,ökologische‘ Brombeerhecke umgeben, um den Zutritt der Bevölkerung zu verhindern“, so Behrens.

Ökologisch wertvoll seien solche Kieslöcher in den seltensten Fällen. Der fehlende Kies könne nicht mehr zur Grundwasserreinigung dienen – die Wasserlöcher selbst seien vielleicht für Fische gut, aber Entenvögel hätten wegen der meist steilen Böschungen keine Möglichkeiten, sich nieder zu lassen.

Ulrich Behrens: „Gut ist es, wenn sich jetzt Widerstand regt. Aber selbst wenn die Forderungen der Kiesgegner – Planung nur für 20 Jahre, jährliche Reduktion der Menge um fünf Prozent – durchgesetzt werden könnten, werden in diesem Zeitraum in Rheinberg statt der von der Kiesindustrie gewünschten ca. 160 Hektar immer noch etwa 100 Hektar ausgebaggert.“

Nun könne Kies nur dort abgegraven werden, wo es Kies gibt – „aber warum sollen die Kies-Regionen denn eigentlich allein die negativen Folgen tragen, wenn ganz NRW Kies benötigt?“, fragt der SGB-Mann  und schlägt eine Lösung zur Vergemeinschaftung der Umweltfolgen vor: „Jedes ausgebaggerte Kiesloch muss anschließend wieder verfüllt und der ursprünglichen Verwendung zugeführt werden. Das entspricht einer echten Renaturierung. Die Füllmassen müssen dann aus anderen Teilen Nordrhein-Westfalens herbeigeschaffen werden. Natürlich wird dann an anderen Stellen die Natur – zumindest vorübergehend – in Mitleidenschaft gezogen. Aber die Folgen des Kiesabbaus werden dann auf viele Schultern verteilt und nicht nur den Gemeinden am Rhein zugemutet.“

Auch jetzt gebe es schon Gemeinden etwa in der Eifel, die für die Allgemeinheit durch Rohstoffgewinnung (wie Schieferabbau) ihren Teil trügen. Die Verpflichtung zu einer solchen echten Renaturierung müsse beim Unternehmer liegen. Behrens: „Dass die Kosten für Sand und Kies dadurch steigen, ist klar – dann aber würde endlich ein Teil der ökologischen Kosten eingepreist“.

(up)
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