Rheinberg: 2900 Unterschriften für Erhalt der Notdienstpraxis überreicht

Kassenärztliche Vereinigung : 2900 Unterschriften überreicht

Die SPD hat eine Aktion zum Erhalt der Notdienstpraxis in Rheinberg durchgeführt.

Der Papierstapel, den SPD-Ortsvereinsvorsitzender Peter Tullius dem Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) im Kreis Wesel, Michael Weyer, im Stadthaus überreichte, hatte Gewicht. 2900 Unterschriften hatte die SPD innerhalb von drei Wochen gesammelt – Unterschriften gegen die von der KV beabsichtigte Schließung der Notdienstpraxis in den Räumen des DRK-Zentrums am Melkweg. Dort standen in den vergangenen rund 20 Jahren außerhalb der Praxiszeiten stets Ärzte zur Verfügung.

Nicht nur die SPD, auch CDU, Grüne und Linke sowie Bürgermeister Frank Tatzel hatten sich einer Resolution mit der Forderung zum Erhalt der Notdienstpraxis angeschlossen. Einzig die FDP machte nicht mit. Die Praxis in den DRK-Räumen habe sich als ortsnahe, unbürokratische Lösung bewährt, argumentiert Tullius. Das Moerser Bethanien-Krankenhaus, wohin sich Patienten aus Rheinberg künftig wenden sollen, sei zu weit entfernt. „Nicht jeder hat ein Auto, um dort schnell hinzukommen“, so der SPD-Mann. „Wir sehen in der Veränderung nur Nachteile.“

Das sah Michael Weyer, niedergelassener Arzt in Dinslaken, vollkommen anders. Zum einen gebe es für Notfälle rund um die Uhr nach wie vor den Notruf 112. Zweitens seien der KV die Hände gebunden, weil die neue Struktur politisch gewollt sei. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wolle sogenannte Portalpraxen an Krankenhäusern installieren. Dort entscheiden Fachleute, wer ambulant und wer stationär aufgenommen wird. Zudem gebe es nicht genug Ärzte, die bereit seien, Notdienste zu leisten. „Es gibt Kollegen, die verkaufen ihre Dienste für viel Geld“, so Weyer, der betonte: „Ich verstehe Ihren Wunsch, die bisherige Lösung zu erhalten, aber das kriegen wir nicht hin.“ Er sei zuversichtlich, dass sich die neue Regelung bewähre.

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