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Rheinberg: 120 Europa-Schüler proben fürs Musical „Endlich Elbphilharmonie“

Pädagogisches Projekt in Rheinberg : Die Elbphilharmonie ankert am Rhein

Das Kinder- und Jugendmusical Kloster Kamp bringt mit 120 Europaschülern der Jahrgangsstufe sieben ein Stück über die legendäre Baustelle auf die Bühne. Für die Aufführung wird hart gearbeitet. Lohn ist der Applaus.

Für 120 Siebtklässler der Rheinberger Europaschule sieht Unterricht in dieser Woche völlig anders aus als an gewöhnlichen Schultagen. Sie proben und studieren Choreografien ein, klagen über Muskelkater oder werden mit der Aussage konfrontiert „Das geht noch dramatischer!“ Auf dem Spielplan steht das Jugendmusical „Endlich Elbphilharmonie“. Das Kinder- und Jugendmusical Kloster Kamp macht mit diesem Stück an der Europaschule wieder Halt.

Vier professionelle Akteure aus dem Bereich Schauspiel, Gesang und Tanz, Marc Kohlert, Oliver Hoß, Daniela Dinnes und Kati Schubert, proben eine Woche lang täglich mit den Jugendlichen. Die befinden sich keineswegs in einem Kuschelkurs, wie in den Gruppen zu erleben war. Schauspielerin, Sängerin und Musicaldarstellerin Daniela Dinnes spricht Klartext, fordert ein, gibt Tipps zur Körperhaltung und einer ausdrucksstarken Sprache. „Da geht noch was“, kommentiert sie eine Szene. Das heißt: Alles wieder auf Start. Die Mädchengruppe kehrt auf die Ausgangsposition zurück.

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Erstmals werden auch die Textbücher zur Seite gelegt. Zwei Mal 90 Minuten Proben in Gruppen, nicht im Klassenverbund. Das geht an die Substanz, wenn die Technik beim Auswendiglernen und Wiederholungen im Vordergrund stehen. „Dieser Satz ist ja länger als mein ganzes Leben“, sagt ein Schüler mit einem Anflug von Sarkasmus.

 Die Schauspiel-Truppe wurde von Daniela Dinnes angeleitet. Die Schülerinnen waren konzentriert und vor allem mit Begeisterung bei der Sache.
Die Schauspiel-Truppe wurde von Daniela Dinnes angeleitet. Die Schülerinnen waren konzentriert und vor allem mit Begeisterung bei der Sache. Foto: Armin Fischer (arfi)

Worum es bei dem Musical geht, das rund um die vormals unendliche Hamburger Dauerbaustelle Elbphilaharmonie spielt? Nach Jahren ist die Wahnsinnswunderkiste fertig. Manche Gruppe hat die Baustelle zu ihrem Ort gemacht, an dem sich chillen und tanzen lässt. Jetzt sollen sie weg, und zur Eröffnungsgala sind sie nicht geladen. Eine Mädchengruppe will aber bei der Eröffnung dem Bürgermeister die Meinung sagen. Ort ist in diesem Fall die Rheinberger Bühne. Die Handlung an sich ist nachvollziehbar, der Weg bis zur Aufführung aber steinig. Disziplin ist die Voraussetzung für den Erfolg, wie die Jungen bei Oliver Hoß schnell merken. Er tanzt vor, lässt die Jungen singen. Beim Texthänger kommt seine Ansage prompt: „Von vorne. Weiter üben. Ihr müsst da alleine durch, um die Aufgabe zu meistern. Auf der Bühne müsst ihr euch aufeinander verlassen.“ Konzentration, Ernsthaftigkeit, sichere Schrittfolgen, Ausdauer und Koordination sind gefragt.

Für manche braucht es dazu klare Worte als Antrieb, die eigene Komfortzone zu verlassen und sich bei Liegestützen auch körperlich anzustrengen. Aber es geht dabei gar nicht um die perfekte Performance, sondern um den kleinen, so wichtigen Mosaikstein, wie Jeannette von der Leyen erläutert. Sie ist zuständig für die Gesamtorganisation des Kinder- und Jugendmusikfestivals Kloster Kamp. „Es geht darum, zu erleben, wie wunderschön Erfolg sein kann, wenn man sich selbst überwindet. Man muss Texte auswendig lernen und Dinge selber tun, weil es dafür keine App gibt“, so von der Leyen. „Der Jugendliche muss alleine aus dem Engpass kommen. Dafür bekommt er später auf der Bühne vom Publikum Applaus.“

Erste Erfolge sind bereits spürbar wie sichtbar und werden außerhalb des Trainings thematisiert. Die Schülerinnen und Schüler mit ihren Talenten neu und ganz anders kennenlernen, gehört mit zu den positiven Erfahrungen von Lehrerin Mareile Manten. „Die Jugendlichen wachsen über sich hinaus und beeindrucken mich total. Die Erfahrung, wie gut alles plötzlich klappt, steigert die Motivation.“

Für Schulleiter Martin Reichert offenbaren sich verschiedene Ebenen mit der Erfahrung, dass Jugendliche aus dem eigenen Schatten heraustreten. „Sie funktionieren nicht als Einzelperson, sondern nur im Team. Nur da sein und brav sein, das reicht auf der Bühne nicht. Jeder Charakter des Stücks muss unverwechselbar da sein. Von den Leistungen bei den Proben bin ich völlig begeistert“, schildert der Leiter der Europaschule seine Beobachtungen.

(sabi)