Übung von Feuerwehr Rheinberg und Rotem Kreuz 120 Einsatzkräfte spielen Chlorgasunfall im Freibad durch

Rheinberg · Zum Glück war alles nur eine Übung. Rund 120 Einsatzkräfte der Feuerwehr Rheinberg, Rotkreuz-Einheiten sogar aus den Niederlanden und Mitglieder von I.S.A.R. spielten ein Szenario am Underberg-Freibad in Rheinberg durch: Im Technikraum ist Chlorgas ausgetreten, eine Person war vermisst, viele verletzt.

Rheinberg: 120 Rettungskräfte üben Chlorgas-Unfall im Underberg-Freibad​
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120 Rettungskräfte üben Chlorgas-Unfall im Underberg-Freibad

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Foto: Uwe Plien

Gut zu wissen, dass man sich als Rheinberger auf die Freiwillige Feuerwehr und das Rote Kreuz verlassen kann. Und wie gut, dass das, was sich am Freitagabend im und am Underberg-Freibad im Stadtpark zugetragen hat, nur eine Übung und kein echter Einsatz war. Denn dann hätte es ganz schnell gefährlich werden können.

Die Feuerwehrleute André Immens und Patrick Schwiening hatten sich im Vorfeld folgendes Szenario ausgedacht: Im Technikraum des Freibads ist aufgrund eines Defekts hochgiftiges Chlorgas ausgetreten. Eine Person wird vermisst. Jetzt geht es um alles oder nichts.

Auch Ehrenamtliche des Rode Kruis aus dem niederländischen Horst versorgten die „Verletzten“.

Auch Ehrenamtliche des Rode Kruis aus dem niederländischen Horst versorgten die „Verletzten“.

Foto: Uwe Plien

Stephan Waltering, 2. Vorsitzender des DRK-Stadtverbands Rheinberg, ist hoch konzentriert. Um 18.43 Uhr setzt er einen Notruf über Funk ab. Wenig später, vielleicht drei Minuten, rollen schon die ersten Einsatzfahrzeuge ein. Der Einsatzleiter, Rheinbergs Feuerwehrchef Mario Dröttboom, ist schnell am Einsatzort, ebenso das Gefahrgut-Fahrzeug. Bald füllt sich das Gelände vor dem Underberg-Freibad. Es dauert vielleicht eine Viertelstunde, bis mehr als 20 Einsatzfahrzeuge eingetroffen sind. Und jede Menge Helferinnen und Helfer: 75 aus der Feuerwehr, alle Einheiten sind vertreten. Zudem 41 Rotkreuzler, die meisten aus dem Stadtverband, elf aus Horst in den Niederlanden. Mit den Horstern unterhält das Rheinberger DRK schon seit rund 50 Jahren eine Partnerschaft. Auch aus Alpen sind vier gekommen, zudem die Hundestaffel des Kreisverbands und ein Leitungsstab.

 Feuerwehrleute ziehen siuch vor dem Einsatz spezielle Schutzanzüge für Chemieunfälle an.

Feuerwehrleute ziehen siuch vor dem Einsatz spezielle Schutzanzüge für Chemieunfälle an.

Foto: Uwe Plien

Für den Laien sieht es so aus, als herrsche das total Chaos. Viele Männer und einige Frauen rennen hin und her, entladen Fahrzeuge, bauen Zelte auf, richten Versorgungsplätze für Verletzte ein. „Jeder Verletzte wird registriert, wir müssen ja später wissen, wer wohin gebracht worden ist“, wird Marius Lehmann später sagen. Der Rotkreuzler gehört zum Organisationsteam.

Schnell schälen sich einige Wehrleute aus ihren Uniformen und schlüpfen in orangefarbene Schutzanzüge, die immer dann zum Einsatz kommen, wenn Chemikalien ausgetreten sind. Die Einsatzkräfte werden später erst einmal in ein Dekontaminationszelt geschickt, wo sie in voller Montur komplett abgeduscht werden.

Vor fünf Jahren im Juli gab es tatsächlich mal einen Chlorgasaustritt im Underberg-Freibad und es musste evakuiert werden. Alle Badegäste mussten das Freibad schnellstens verlassen. Zum Glück wurde damals niemand verletzt.

Jetzt handelte es sich um eine Übung. Und zu der gehörten viele Verletzte. Mitglieder der in Duisburg ansässigen Spezial-Einsatztruppe I.S.A.R. (International Search And Rescue) haben sich als Mimen zur Verfügung gestellt. René und Christian etwa haben sich Wunden am Kopf angemalt, die total echt aussehen. Verwundete mit Kopfverbänden und offenen Wunden werden aus dem Freibad zum Parkplatz geführt, wo sie umgehend versorgt werden. Auch von den niederländischen Sanitätern. Jac Jeurissen, der Bereitschaftsleiter des Rode Kruis in Horst, ist ziemlich begeistert. „Für uns war das toll, an einer solchen Übung teilzunehmen“, sagt er später. „Das war sehr schön und lehrreich.“ Erst im Juni waren die Rheinberger in Horst und haben dort auch mit ihren Partnern zusammengearbeitet. „Jeder arbeitet ein bisschen anders, aber es passt“, so Jeurissen. „Wir sind in den Niederlanden im Rode Kruis etwas anders organisiert als die Deutschen im Roten Kreuz.“

 Proben für den Ernstfall: Feuerwehrleute tragen einen Verletzten aus dem Underberg-Freibad heraus, um ihm helfen zu können.

Proben für den Ernstfall: Feuerwehrleute tragen einen Verletzten aus dem Underberg-Freibad heraus, um ihm helfen zu können.

Foto: Uwe Plien

Nach rund zwei Stunden konnte der Einsatz am Freibad abgeschlossen werden. Alles war unter Kontrolle, alle Verletzten versorgt, die Gefahr gebannt. Der Aufwand für diese Übung war enorm, aber es habe sich gelohnt, sagt Mario Dröttboom. In der Zentrale des DRK am Melkweg findet dann die große Manöverkritik statt. Was ist gut gelaufen? Was lief nicht so gut? Wo müssen wir besser werden? Als kleine Belohnung gab es für alle ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer noch leckere Würstchen vom Grill und Getränke. Ein schöner Abschluss nach getaner Arbeit für die Allgemeinheit.

(up)