Rheinberg: 120 bis 150 neue Wohnungen bauen oder Mietergärten abreißen?

Bauvorhaben in Rheinberg : Müssen die Mietergärten weichen?

Die Investoren der Reichelsiedelung möchten 120 bis 150 neue Wohnungen bauen. Genau dort, wo jetzt gut gepflegte Kleingärten liegen.

2010 haben mehrere Investoren das Gros der Wohnhäuser in der Reichelsiedlung von der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) übernommen. Inzwischen wurden die meisten der 660 Wohnungen modernisiert. Es hat sich viel getan in der einst von Textilunternehmer Herbert Reichel für seine Mitarbeiter gebauten Siedlung.

Jetzt möchten die Eigentümer sogar noch weitere Häuser bauen. Dem Bau- und Planungsausschuss lag jetzt ein Entwurf der Manstein-Architekten für vier Gebäuderiegel mit insgesamt 120 bis 150 Wohneinheiten vor. Die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum, so steht es im Antrag der Investoren, sei ungebrochen stark.

Das stellte im Ausschuss niemand in Zweifel. Allerdings bereitete die für die neuen Häuser vorgesehene Fläche Kopfzerbrechen. Denn sie liegt an der Annastraße zwischen der Bahnlinie und Erlen- beziehungsweise Ahornstraße. Dort befinden sich seit rund 25 Jahren sogenannte Mietergärten. Und die möchte niemand abreißen.

Die SPD-Fraktion schaute sich die Gärten am Montagabend vor ihrer Fraktionssitzung an. Die Politiker waren schwer angetan vom gepflegten Zustand der rund 25 Kleingärten. Fast alle Pächter sind Bewohner der Siedlung. So auch Monika und Robert Bieniek. Die Eheleute wohnen an der Ahornstraße. Seinen Garten pflegt das Paar seit 25 Jahren. Die Rosen blühen, der Rasen ist akkurat geschnitten, ebenso die dichte Hecke als Einfassung des kleinen grünen Paradieses. „Wir lieben unseren Garten“, sagte Monika Bieniek, während sie Claudia von Parzotka-Lipinski von der SPD ihre Rosen zeigte. „Als wir damals angefangen haben, war hier nichts, das Gras stand so hoch“, erzählte die 66-Jährige und hielt ihre flache Hand rund 80 Zentimeter über dem Boden. Die SPD-Politiker staunten. „Diese Gärten müssen bleiben“, betonte Ratsherr Friedhelm Kung. Und auch Fraktionsvorsitzender Jürgen Madry zeigte sich begeistert von der schönen Anlage.

Im Ausschuss wurde zwar über den Antrag zur Änderung des Bebauungsplans gesprochen, allerdings ohne einen Beschluss zu fassen. Der Tagesordnungspunkt wurde auf Wunsch der CDU-Fraktion in die Juni-Sitzung geschoben. Man habe den Punkt noch nicht beraten können, sagte Viktor Paeßens.

Für die Grünen argumentierte Ralf Winstroth: „Wir sehen die Entwicklung des Areals in den vergangenen Jahren absolut positiv. Aber die Mietergärten liegen dort genau richtig.“ Die Stadt solle sich darauf konzentrieren, Baulücken zu schließen. Winstroth: „Es gibt andere Flächen, die besser für ein solches Bauvorhaben geeignet sind.“ Hans-Peter Götzen (FDP) unterstrich, dass der Antragsteller als sehr zuverlässiger Partner bekannt sei. Aber es handele sich ja erst einmal um eine Bauvoranfrage.

Beigeordneter Dieter Paus erinnerte daran, dass die Mietergärten Anfang der 90er Jahre geschaffen worden und sehr gut angenommen worden seien.

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