Rheinberg: 100 Jahre Einhorn-Apotheke

Rheinberg : Die Einhorn-Apotheke feiert Jubiläum

Seit fast 400 Jahren gibt es in Rheinberg eine „Apotheke zum Einhorn“, seit 111 Jahren im Haus Gelderstraße 8. Seit 100 Jahren führt Familie Sonderkamp den Betrieb – Vera Peschers-Sonderkamp inzwischen in der vierten Generation.

Wer in Rheinberg die Gelderstraße entlangläuft, kommt an einer  echten Institution vorbei – der „Einhorn-Apotheke“. Seit fast 400 Jahren schon gibt es in Rheinberg eine „Apotheke zum Einhorn“, seit 111 Jahren befindet sie sich in dem Haus Gelderstraße Nr. 8. Und vor genau 100 Jahren, am 1. Oktober 1918, hat der Apotheker Heinrich Sonderkamp  die Einhorn-Apotheke übernommen. Urenkelin Vera Peschers-Sonderkamp, die die Apotheke in mittlerweile vierter Familiengeneration führt, wird das Jubiläum in der nächsten Woche mit vielen Sonderaktionen für ihre Kunden gebührend feiern.

Als der in Oberhausen geborene Heinrich Sonderkamp im Spätsommer 1918 mit seiner Frau und seinen fünf Kindern nach Rheinberg zog, war er 48 Jahre alt und hatte schon verschiedene Apotheken geführt. Auf seine erste, 1899 übernommene Apotheke in Haren waren Stationen in Lahnstein, Brühl und Bacherach gefolgt.

Otto Sonderkamp (1953 – 1973). Foto: Apotheke
Heinrich Sonderkamp (1918 – 1952). Foto: Apotheke

Rheinberg war zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine kleine, aufstrebende Stadt. 1904 war die Eisenbahnlinie Xanten-Duisburg eröffnet worden, kurze Zeit später hatten das Salzbergwerk in Borth und die Sodafabrik in Ossenberg den Betrieb aufgenommen. 1909 schließlich hatte das neu gebaute St.-Nikolaus-Hospital an der Orsoyer-Straße seine Pforten geöffnet.

Günter Sonderkamp (1974 – 2007). Foto: Apotheke
Vera Peschers -Sonderkamp führt die Apotheke seit 2008. Foto: Apotheke

All diese Entwicklungen führten dazu, dass Rheinbergs Bevölkerungszahl innerhalb weniger Jahre um rund ein Drittel anstieg, was auch den vorherigen Besitzer der Einhorn-Apotheke, Oskar Stapper, vermutlich veranlasst hat, für seine Apotheke am Großen Markt größere Räumlichkeiten zu schaffen. 1906 stellte er den Antrag zur Errichtung eines neuen Wohn- und Geschäftshauses in der Gelderstraße, im Oktober 1907 war das Haus bezugsfertig. Doch nur elf Jahre später verkauft Oskar Stapper sein Haus und seine Apotheke. Der Tod seines ältesten, im ersten Weltkrieg gefallenen Sohnes mag hierfür ausschlaggebend gewesen sein. Mit dem Verkauf der Einhorn-Apotheke am 1. Oktober 1918 endete in Rheinberg die rund 60-jährige Geschichte der Apothekerfamilie Stapper und begann die jetzt hundertjährige Geschichte der Apothekerfamilie Sonderkamp.

Inhaberin Vera Peschers-Sonderkamp (sitzend) mit ihren Mitarbeiterinnen in der Apotheke an der Gelderstraße. Foto: Apotheke
Die Einhorn-Apotheke an der Gelderstraße 8 in Rheinberg wird am 1.10.2018 100 Jahre alt. Foto: Uwe Plien

Heinrich Sonderkamp führte die Einhorn-Apotheke bis ins hohe Alter, seit Ende der 1920-er Jahre zusammen mit seinem  Sohn Otto, der ebenfalls die Apothekerlaufbahn eingeschlagen hatte. 1944 wurde Otto an die Hirsch-Apotheke in Kamp-Lintfort dienstverpflichtet und Sonderkamp zeichnete jetzt für zwei Apotheken verantwortlich. Mit Beendigung des Pachtverhältnisses  für die Hirsch-Apotheke Anfang der 1950-er Jahre übertrug  Heinrich die Einhorn-Apotheke auf seinen Sohn Otto. 20 Jahre leitete Otto die Apotheke und übergab dann den Staffelstab an seinen  Sohn Günter, dem der bis heute bei Groß und Klein beliebte Blickfang der Apotheke, das große Salzwasser-Aquarium mit den vielen bunten Fischen, zu verdanken ist. 2008 wurde Günters Tochter Vera als Apothekerin approbiert und  übernahm  jetzt  die Leitung der Einhorn-Apotheke. Sie feiert damit in diesem Jahr nicht nur  100 Jahre Einhorn-Apotheke Sonderkamp, sondern auch ihr zehnjähriges Berufsjubiläum in dem für sie „schönsten Beruf der Welt“.

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