Rettungssanitäter bei Einsatz in Wesel bedroht

Nach Streit von Pärchen : Mann (32) droht Rettern Messerstiche an

Es ist ein dramatischer Fall von Bedrohung von Einsatzkräften: Zwei Weseler Rettungssanitäter wollten einem Rheinberger helfen, der sich verletzt am Rhein aufhielt. Doch dieser Mann beschimpfte und bedrohte die Helfer.

 Ein schwerer Fall von Drohung gegen Hilfskräfte hat sich am Mittwoch in Wesel ereignet. Ein Mann, der sich selbst verletzte, geriet dabei im Bereich Büdericher Insel in Streit mit Rettungskräften. Er drohte an, die Helfer abzustechen. Dies berichtete die Polizei am Donnerstagmorgen. Die Weseler Feuerwehr zeigt sich bestürzt angesichts des Vorfalls. „An solch einen drastischen Fall kann ich mich in den vergangenen Jahren nicht erinnern“, sagt Christoph Hegering, Wachdienstleiter der Feuerwehr Wesel. Der Fall würde, wie immer in solchen Lagen, an die Bezirksregierung in Düsseldorf gemeldet. Der Täter muss mit einer empfindlichen Strafe rechnet so.

Konkret ereignete sich der Fall laut Polizeibericht so: Am Mittwoch gegen 17 Uhr geriet eine 30-jährige Rheinbergerin mit ihrem 32 Jahre alten Freund in Streit. Das Pärchen hielt sich am Schifffahrtsamt an der Büdericher Insel auf, da es dort zelten wollte. Als der 32-jährige Rheinberger nach dem Streit mit seiner Freundin eine Platzwunde am Kopf hatte, rief seine Freundin den Rettungsdienst an. Nachdem zwei Rettungssanitäter eingetroffen waren und dem Rheinberger erklärten, er müsse ins Krankenhaus gebracht werden, packte dieser unter anderem drei Wurfmesser in seinen Rucksack. Daraufhin stellten der 35-jährige Sanitäter aus Borken und der 27-Jährige aus Xanten klar, dass er den Rucksack nicht mitnehmen könne. Darüber geriet der Rheinberger laut Polizei derart in Wut, dass er die beiden Sanitäter nicht nur übel beschimpfte, sondern auch damit drohte, die beiden abzustechen. Die Helfer zogen sich daraufhin zurück und riefen die Polizei. „Sie haben hier genau richtig reagiert“, sagt Wachdienstleiter Hegering. Die beiden Sanitäter hätten sich in den Wagen begeben und diesen von innen verriegelt – zum Selbstschutz.

Der 32-jährige Rheinberger hingegen setzte sich erst einmal in sein Auto und fuhr weg. Noch während die Polizisten mit den beiden Sanitätern sprachen, kam der Rheinberger zurück. Die Polizisten stellten drei beidseitig geschliffene Wurfmesser und ein Campingmesser sicher. Zudem fanden sie am Ufer der Lippe, wo sich der 32-Jährige vorher aufgehalten hatte, eine Axt. Da der Rheinberger stark nach Alkohol roch, entnahm ihm ein Arzt eine Blutprobe und die Beamten stellten seinen Führerschein sicher. Die beiden Rettungssanitäter blieben unverletzt.

In Wesel gab es nur wenige vergleichbare Fälle in den vergangenen Jahren. Wachdienstleiter Christoph Hegering berichtet, dass vor rund vier Jahren Rettungssanitäter mal im Bereich des Marienhospitals mit einem Messer bedroht worden waren. Auch hier verbarrikadierten sich die Helfer im Auto.

Der Respekt gegenüber Einsatzkräften würde abnehmen, sagt Hegering. Das würden Feuerwehr und Rettungsanitäter spüren, mehr aber noch die Polizei. „Die Polizei ist für viele mittlerweile ein rotes Tuch, das spüren wir auch bei Einsätzen.“ Es sei wichtig und richtig, dass mittlerweile solche Fälle auch nach Düsseldorf gemeldet werden. In Düsseldorf gibt es mittlerweile eine Sonderabteilung der Staatsanwaltschaft, die sich nur mit Gewalt gegen Einsatzkräfte befasst. Das Sonderdezernat wird geleitet von Generalstaatsanwältin Britta Zur. Aus Polizeikreisen war zuvor immer öfter kritisiert worden, dass die Justiz Angriffe auf Ordnungskräfte nicht ernst nehme.

Fast jeder zweite Beschäftigte des öffentlichen Dienstes ist laut einer neuen Umfrage im Auftrag des Beamtenbunds dbb schon einmal auf diese Weise zum Opfer geworden. Vier von fünf Bundesbürgern gehen der am Dienstag veröffentlichten Erhebung zufolge davon aus, dass die Verrohung der Gesellschaft insgesamt zugenommen hat. „Es gibt mittlerweile kaum eine Berufsgruppe, die nicht betroffen ist“, stellte der Deutsche Gewerkschaftsbund bereits im vergangenen Jahr fest. Allein 74 000 Angriffe auf Polizeibeamte seien im Vorjahr erfasst worden. Die neue Umfrage des Instituts Forsa gibt aktuelle Hinweise auf den Umfang des Problems. Insgesamt haben 48 Prozent der Beschäftigten des öffentlichen Dienstes nach eigenen Angaben bei der Arbeit schon einmal einen Übergriff auf sich erlebt. Beleidigungen seien dabei am häufigsten vorgekommen - bei 89 Prozent der Betroffenen. Es folgen Anschreien (68 Prozent), körperliches Bedrängen (31 Prozent) und Schläge (17 Prozent).

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