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Rheinberg: Reichel-Villa soll Grundschule werden

Rheinberg : Reichel-Villa soll Grundschule werden

Die neuen Eigentümer von "Haus Annaberg" wollen das Projekt in enger Abstimmung mit der Stadt entwickeln.

"Haus Annaberg" soll eine private Grundschule werden. Die neuen Eigentümer der Villa, in der einst Textilfabrikant Herbert Reichel lebte, haben eine konkrete Vorstellung von der Zukunft des großen Gebäudes, das versteckt in dem Wäldchen zwischen der Messe Niederrhein und der Bahnlinie liegt. Noch ist es eine Vision. Immerhin: Die ersten Abstimmungsgespräche mit der Stadt Rheinberg laufen bereits, die Politik ist bereits einbezogen. Denn die Investoren wollen das Projekt natürlich in enger Abstimmung und im Einvernehmen mit der Kommune entwickeln.

Deren Schulentwicklungsplanung möchten sie im Übrigen gar nicht ins Gehege kommen. In Rheinberg war gestern von einem Einzugsbereich zwischen Kleve und Krefeld die Rede. "Wir wollen keine lokale Schule führen, sondern für Kinder aus der ganzen Region interessant sein", erläuterte einer der neuen Eigentümer, der seinen Namen noch nicht in der Öffentlichkeit sehen möchte, im Gespräch mit der Rheinischen Post. Die Motivation zur Gründung einer privaten Grundschule beschreibt er so: "Wir sehen mit Bedauern, wie das Angebot im öffentlichen Schulsystem mehr und mehr zurückgeschnitten wird und fürchten, dass diese Entwicklung weiter gehen wird."

Die Investoren können auf eigene langjährige Erfahrungen im Schulwesen zurückblicken, auf der Basis eines selbst entwickelten Konzeptes möchten sie ihre eigenen Vorstellungen von der Grundschularbeit verwirklichen. In Rheinberg, in einer Schule im Ganztagsbetrieb.

Am Platz wird es im Mitte der 50-er Jahre des vorigen Jahrhunderts entstandenen "Haus Annaberg" nicht mangeln: 40 000 Quadratmeter misst das Grundstück, davon ist ein Großteil Waldfläche. 1180 Quadratmeter Fläche inklusive Garagen, Keller und Hallenbad bietet die Villa. Der Pool steht für den Luxus, den sich Fabrikant Reichel in den Aufbaujahren nach dem Zweiten Weltkrieg gönnte: 480 Kubikmeter Wasser Fassungsvermögen, Drei-Meter-Brett – hier könnte man sich durchaus auch gut einen Schwimmunterricht im Schulbetrieb vorstellen. Hinzu kommen 420 Quadratmeter Terrassen, die sich um das Gebäude ziehen.

Es geht nicht allein um Raumfragen, wenn die Möglichkeiten zur Verwirklichung der Schulpläne abgeklopft werden. Die dauerhaft stabile Finanzierung muss ebenso gesichert sein wie die Personalausstattung. Außerdem hat der Denkmalschutz ein wachsames Auge auf das Gebäude, das als Zeugnis der Architektur der Wirtschaftswunderzeit unter seinem Schutz steht. Kämen die Pläne für eine private Grundschule in "Haus Annaberg" zum Tragen, bekäme Rheinberg die zweite neue Schule innerhalb kurzer Zeit: Im neuen Trakt der alten Hauptschule Borth hat sich gerade die Montessori-Schule eingerichtet, die zum neuen Schuljahr aus Wesel über den Rhein gekommen ist.

(RP)