1. NRW
  2. Städte
  3. Rheinberg

RB31 zwischen Xanten und Duisburg bleibt ein Ärgernis

Verspätungen und Ausfälle : Regionalbahn 31 bleibt ein Ärgernis

Berufspendlerin Sigrid Schäfer aus Rheinberg arbeitet in Essen. Sie ist auf den Zug angewiesen, um zur Arbeit zu kommen – und macht oft schlechte Erfahrungen. Sie ärgert sich über häufige Verspätungen und ausgefallene Züge.

Wenn Wolfgang Schäfer die Telefonnummer seiner Frau auf dem Handy blinken sieht, verzichtet er meist auf eine Begrüßung und stellt ohne Umschweife die entscheidende Frage: „Wo soll ich dich diesmal abholen?“ Wo – das heißt in diesem Fall: Von welchem Bahnhof oder welcher Haltestelle.

Sigrid Schäfer arbeitet als Krankenschwester am Uni-Klinikum Essen. Für den Weg zur Arbeit setzt sie auf die Bahn. Das bedeutet: früh aufstehen. Um 6.15 Uhr fährt sie mit der RB 31 der Nordwest-Bahn von Rheinberg nach Duisburg. Einsteigen und entspannt ans Ziel kommen? Für die Rheinbergerin eher Wunschvorstellung. Denn bei Regen sinkt die Laune der Pendlerin schon am Bahnsteig auf den Nullpunkt. Das Pflaster ist so weit abgesackt, dass man durch großflächige Pfützen waten muss. Auch im Wartebereich steht das Wasser knöcheltief. Jedoch ist die schlechte Pflasterung noch das geringste Übel.

Vor allem die Unzuverlässigkeit der Bahn ist für Sigrid Schäfer und ihre rund 70 Mit-Pendler morgens in der Früh ein Problem. Verspätungen und Zugausfälle seien schon die Regel. Dabei würden die Züge in Xanten eingesetzt. „Da dürfte es gar keine Verspätungen geben“, wundert sich die 65-Jährige. Eigentlich. Denn schon öfter habe sie beobachtet, dass Güterzügen auf der Strecke einfach Vorrang gewährt werde. Verzögerungen, die sich negativ auswirkten. „Anschlusszüge warten nicht“, so Schäfer. Auch eine zu geringe Kapazität seien oft ein Dilemma. Nicht selten habe der Zug nur einen Waggon, so dass schon in Rumeln niemand mehr zusteigen könne, berichtet Sigrid Schäfer aus ihrem Pendleralltag.

Kernproblem sei die mangelnde Kommunikation. „Ob ein Zug Verspätung hat, wie viel Verspätung er hat oder ob er gar nicht fährt und dafür Schienenersatzverkehr eingesetzt wird – es gibt keine Durchsage, keinen Hinweis, einfach nichts“, ärgert sich Schäfer. Da helfe auch die Bahn-App nicht weiter. Die würde nicht alle Züge ausweisen, Züge der Nordwestbahn schon gar nicht.

Weil die Brücke zwischen Rheinhausen und Duisburg saniert wird, fährt die RB31 in den Sommerferien nur bis Moers. Dort heißt es „umsteigen“ in den Schienenersatzverkehr nach Duisburg. „Mit dem Bus ist man aufgrund von Autobahn- oder innerstädtischen Baustellen gerne mal zwei Stunden unterwegs, das kostet richtig Nerven“, berichtet die Pendlerin.

Wäre dies ein Einzelfall, hätte Sigrid Schäfer Verständnis für die Situation. Aktuell sei es die Brückensanierung, vor geraumer Zeit die Gleissanierung, Arbeiten in den Stellwerken, zu wenig Personal bei den Lokführern oder der hohe Krankenstand – die Annabergerin hat schon viele Erklärungen gehört, wenn sie die Nordwestbahn oder die Deutsche Bahn angeschrieben hat. „Jeder schiebt die Verantwortung weiter und erklärt, warum nicht er, sondern ein anderer zuständig ist“, schildert die 65-Jährige ihre Erfahrung. Leidtragende in dem Spiel seien dann die Pendler.

Rund ein Drittel ihrer ehemaligen „Mit-Pendler“ hätten im täglichen Hickhack mit der Bahn aufgegeben und führen nun mit dem Auto, so Schäfer, deren Ehemann Wolfgang (67) quasi täglich in Fahrbereitschaft ist. „Mit einer derart schlechten Dienstleistung stärkt man nicht den Öffentlichen Personen-Nahverkehr“, ist sich die Rheinbergerin sicher. Bei ihr hat die Unpünktlichkeit der Bahn sogar direkte Auswirkungen auf ihre Patienten. Schäfer arbeitet in einem Viererteam im Katheterlabor. Fehlt nur ein Teammitglied, kann die Behandlung nicht erfolgen. Allein: Auf den Pkw umzusteigen, um zur Arbeit zu kommen, ist für die Krankenschwester aufgrund der hohen Sprit- und Parkplatzkosten keine Alternative.

Eine Anfrage unserer Redaktion an die Nordwestbahn wurde vom Unternehmen geprüft. Eine Antwort lag bis Mittwochabend nicht vor.