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Rheinberg: Prima Premiere mit "Lollipops"

Rheinberg : Prima Premiere mit "Lollipops"

Nach dem Ausstieg der Männer aus dem einst gemischten Chor Harmonie gaben die Frauen jetzt nach einem Jahr Vorbereitung in der Alten Kellnerei ihren ersten Auftritt. Auch die Männer im Publikum waren begeistert.

Im Rollstuhl sitzend, begrüßte die Vorsitzende der Frauengruppe des Chores Harmonie, Christel Malorney, die Gäste im voll besetzten Saal der Alten Kellnerei. "Es sind auch einige Männer im Publikum - wir singen heute ohne Euch", unterstrich Malorney die Besonderheit des Auftritts an diesem Sonntag.

Denn erstmals traten die Frauen als eigenständige Gruppe der Harmonie auf und nicht mehr als gemischte Gruppe mit den Männern. "Es sind einige verstorben und auch aus Altersgründen nicht mehr dabei", erläuterte sie die Hintergründe in der Pause. Im Publikum saß mit Wolfgang Meschnig der Ehrenvorsitzende der Harmonie: "Ich bin begeistert von dem, was der Frauenchor singt. Und ich fühle etwas Traurigkeit nach 54 Jahren Singen und 34 Jahren im Vorstand."

Bei fünf, sechs Männern sei es aber schon schwierig gewesen, überhaupt noch Konzerte zu geben. "Das war dann ein Ding der Unmöglichkeit", sagt der 72-Jährige. Und die Männer entschieden sich schweren Herzens, aufzuhören.

Chorleiter Michael Wulff-Schnieders hatte die Aufgabe übernommen, die Damen im Alter zwischen 40 und 81 Jahren über ein Jahr lang auf das neue Repertoire mit deutschen und englischen Liedern vorzubereiten. "Es gab den Frauenchor ja schon vorher. Aber jetzt ist die Herausforderung: Harmonie bleiben und ganz neue Musik machen."

Als Thema hatte man sich "Beziehungsweisen", Musik und Dichtung zum Thema Beziehung, ausgedacht. Unterteilt in die Rubriken "Beziehungsweise geträumt", "Beziehung ganz oben" und "Weisheit der Beziehung" beschrieben die 20 singenden Harmonie-Damen musikalisch die Gefühle - von "frisch verliebt" über "großartig" bis hin zu den Höhen und Tiefen menschlichen Miteinanders.

Am Klavier von Michael Tegethoff begleitet, ging es im ersten Block um den schwärmerischen Aspekt mit Songs wie "Dream a little dream of me", "All I have to do is dream" und "Eternal Flame." Der mehrstimmige Gesang hatte zu Anfang noch etwas mit dem Fluss und der Sprache zu kämpfen. Nach und nach gewann der Klang des Chores aber an Souveränität und Sicherheit.

Im zweiten Konzert-Teil ging es dem Höhepunkt der Beziehung zu mit "Lollipop". Dabei vertat sich Christel Malorney einmal mit dem Klatschen. Darüber konnte sie allerdings herzhaft lachen. Es folgten Helene Fischers kompakt vorgetragener Megahit "Atemlos" und Andreas Bouranis Loblied "Auf uns". Im letzten Teil des Konzertes wurde es mit Adeles "Someone like you" kurz melancholisch, ehe das Monty-Pyton-Lied "Always look on the bright side of life" stimmungsvoll dargeboten und Abbas "Knowing me, knowing you" mit durchaus anspruchsvollem Arrangement zeigte, welches gesangliche Potenzial die Damen mitbringen.

Für klangliche Abwechslung sorgte zwischendurch das Gesangs- und Gitarrenduo "Windo strings". Tina Dorando und Claudia Winsberg ergänzten die Leitidee des Programms mit Songs wie "You are the sunshine of my life" von Stevie Wonder oder "I don't want to miss a thing". Malorneys Sohn Christian trug eigene Texte vor, die rund um das Thema Liebe rankten.

Mit Leonard Cohens Hymne "Hallelujah" und einer spontanen Wiederholung von "Lollipop" endete eine gelungene Premiere. "Ich hoffe Sie haben gemerkt, dass es uns Spaß bereitet hat", meinte Christel Malorney zu Abschied.

Ja, das hat durchaus jeder der Gäste gehört.

(RP)