Politische Fraktionen aus Alpen stellen sich gegen Kiesabbau in Bönninghardt

Gemeinsamer Protest : Politischer Schulterschluss gegen Kiesabbau

Vertreter aller Alpener Ratsfraktionen zeigen mit Anwohnern auf der Bönninghardt klare Kante gegen den geplanten Kiesabbau. Sie verweisen auf die negativen Folgen der Rohstoffgewinnung und fordern ein Einschreiten der Landespolitik.

Die Stimmung ist aufgeheizt an der Straße Am Flughafen auf der Bönninghardt. Unmittelbar am Rand des geplanten Kiesabbau-Gebiets zwischen Flughafenweg und Hoerstgener Weg leben Ellen und Claus Rosemann sowie Lutz Friebel. Direkt vor ihrer Haustür könnte in einigen Jahren womöglich ein 20 bis 30 Meter tiefes Loch entstehen, damit dort Kies abgebaut werden kann. Dagegen protestieren sie seit einigen Monaten mit allen legalen Mitteln. Sie haben Banner gemalt, Unterschriften gesammelt, Protestnoten verfasst, Briefe an die Landespolitik geschrieben.

Obwohl der Bau- und Rohstoffverband Vero erst vor wenigen Wochen verkündet hat, an den Flächen auf der Bönninghardt gar nicht interessiert zu sein, trauen sie den Aussagen nicht. Und fühlen sich an ihren Kampf vor zehn Jahren erinnert. „Damals hatten wir Erfolg, aber die Fläche blieb als Reservegebiet in den Plänen erhalten“, erläutert Claus Rosemann. „Zwar ist die vorgesehene Fläche nicht mehr so groß wie ursprünglich geplant, aber es handelt sich immer noch um rund 16 Hektar.“

Um ihre Unterstützung im Kampf gegen den Abbau zu untermauern, trafen sich gestern die Vorsitzenden aller Alpener Ratsfraktionen bei Rosemann vor der Haustür und vollzogen einen Schulterschluss. „Wir müssen einfach deutlich machen, dass ein Kiesabbau dem Ortsteil Bönninghardt einfach nur schaden würde“, sagte Grünen-Sprecher Peter Nienhaus. „Wenn man als Besucher hierher kommt, sieht man als allererstes ein großes Loch. Das ist nicht wirklich attraktiv.“

Gerade in der heutigen Zeit, in der sich der Niederrhein als Tourismus-Region positioniere, sei ein derartiges Erscheinungsbild kontraproduktiv. „Der Abenteuerspielplatz und der Kastanienwald, einer der größten zusammenhängenden seiner Art in Deutschland, ziehen jedes Jahr viele Besucher an. Die würden sich natürlich auch fragen, wo sie hier gelandet sind“, sagt Nienhaus. Natürlich sprächen aber auch Belange des Naturschutzes gegen den Kiesabbau – ein Landschaftsschutzgebiet würde unmittelbar an die Abbaufläche angrenzen.

Derweil beklagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Günter Helbig, dass die Interessen des Kreises Wesel im Regionalverband Ruhr, der für Abgrabungsflächen im Regionalplan zuständig ist, kaum auf Verständnis stoßen. „Unsere Kollegen aus Dortmund fragen uns immer, was wir eigentlich immer mit unserem Kies hätten. Die kennen diese Probleme überhaupt nicht, da es dort ja auch keinen Kies gibt.“ Und genau das sei auch das Problem: Viele könnten sich gar nicht in die Lage der Menschen am Niederrhein versetzen und würden über Dinge entscheiden, die sie nicht berühren.

Nichtsdestotrotz müssten Änderungen im Landesentwicklungsplan her. „Wir versuchen, über unsere Landtagsabgeordneten Druck auszuüben und Änderungen zu erwirken. Wir plädieren dafür, dass bereits bestehende Abgrabungen vertieft werden, bevor neue Löcheraufgerissen werden“, sagt Helbig.

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