Singen in der Pandemie Alpener Gospelchor Confidence probt hybrid

Alpen · Weil sich noch nicht alle trauen, in der Gruppe zu singen, hat der Chor eine Mischform gefunden – geübt wird in einer analogen und einer digitalen Gruppe. Für den Dirigenten eine Herausforderung.

 Während einige live vor Ort im Pfarrheim singen, sind andere über Laptop von zu Hause zugeschaltet.

Während einige live vor Ort im Pfarrheim singen, sind andere über Laptop von zu Hause zugeschaltet.

Foto: Armin Fischer (arfi)

Alten und neuen Gospel so einfühlsam und mitreißend interpretieren, Zuversicht zeigen und erlebbar machen: Das sind die Markenzeichen des Gospelchors Confidence aus Menzelen-Ost. Und diese Zuversicht (englisch: Confidence) leben die rund 50 Chormitglieder mit ganzem Herzen. Da lässt man sich auch nicht von einer Pandemie ausbremsen. Genau das aber war in Zeiten von Lockdowns, Kontaktbeschränkungen und anderen Auflagen leichter gesagt als getan. Während andere Chöre den Betrieb eingestellt und einige sich in der Folge sogar aufgelöst haben, hat Confidence auf die digitale Probe in Form einer Videokonferenz und getrennt nach den einzelnen Stimmen gesetzt.

Das wiederum zog neue Probleme nach sich, erinnert sich der Vorsitzende Thomas Sundermann: „Durch die unterschiedlichen technischen Voraussetzungen und Internetverbindungen der Mitglieder entstehen Latenzzeiten. Das heißt, der Ton kommt zeitlich versetzt an.“ Also sang jeder für sich allein vorm Laptop und achtete dabei auf die Anweisungen von Chorleiter Michael Schmitz.

Wenn jedoch ein Chorleiter seinen Chor nicht hört, besteht die Gefahr, dass sich eingeschlichene Fehler verfestigen. Schmitz hat gegengesteuert: „Ich habe rund 30 Titel unseres Repertoires in allen vier Stimmlagen eingespielt und auf unsere Homepage gesetzt. Dadurch können die Chormitglieder jederzeit üben und sich Sicherheit holen.“

Die Mühe hat sich durchaus gelohnt. Zum einen zeigte sich bei der ersten Präsenzprobe, damals noch unter freiem Himmel im Garten von Thomas Sundermann, dass der Chor nicht viel von seiner Qualität eingebüßt hat. Und zum anderen bietet das Online-Archiv weitere Vorteile auch über die Pandemie hinaus. „Neulinge können außerhalb der Proben die Lieder einüben und auf diese Weise schneller auf unser Level kommen“, erklärt Lena Sundermann, die für den technischen Part zuständig ist.

Inzwischen sind fast alle Corona-Schutzmaßnahmen gefallen. Der Chor könnte also wieder proben wie früher, ohne Abstand und Mundschutz. Doch nicht jeder und jede im Chor ist bereit, das zweifellos noch vorhandene Infektionsrisiko einzugehen. „Beim Singen im geschlossenen Raum verteilen sich Aerosole bis zu acht Meter weit. Die Gefahr ist mir einfach noch zu hoch“, sagt Vorstandsmitglied Wiltrud Maas.

Wie sie denken noch andere und stoßen damit auf vollstes Verständnis. „Wir akzeptieren selbstverständlich, dass Chormitglieder aus den unterschiedlichsten Gründen nicht ohne Mundschutz live mitsingen möchten. Darauf wollten wir reagieren“, sagt Lena Sundermann. Alle wieder hinter den Laptop, das kam nicht infrage, alle mit Mundschutz singen schon mal gar nicht. „Mit Maske zu singen, ist anstrengend, verfälschend und erschwert die Arbeit des Chorleiters“, sagt Thomas Sundermann. Die Lösung lautet: „Hybridproben“.

Während ein Teil des Chores im Pfarrheim St. Walburgis singt, ist der andere Teil per Videokonferenz zugeschaltet. Der kann den „Präsenzgesang“ zwar hören, umgekehrt ist das jedoch nicht der Fall. „Der Chorleiter kann uns nur auf schwierige Stellen hinweisen ohne zu hören, ob wir die meistern“, so Kathrin Quernhorst.

Für Michael Schmitz ist das eine enorme Herausforderung: „Ich dirigiere beide Seiten, höre aber nur die im Raum. Gleichzeitig muss ich immer wieder auf den Laptop vor mir achten.“ Für Thomas Sundermann sind die Hybridproben gegenüber den reinen Videoproben dennoch ein enormer Fortschritt: „Online allein zu singen, war ein absoluter Krückstock. Jetzt haben wir schon einen Rollator.“

 Chorleiter Michael Schmitz hat eine schwierige Aufgabe.

Chorleiter Michael Schmitz hat eine schwierige Aufgabe.

Foto: Armin Fischer (arfi)

Die Mühen haben sich für den Gospelchor gelohnt. Die Mitgliederzahl ist trotz einiger Austritte annähernd stabil geblieben. Den Chorleiter freut das besonders: „Dass die Menschen unsere Anstrengungen in dieser Zeit wahrgenommen haben, zeigt sich daran, dass wir während der Pandemie neue Mitglieder gewonnen haben.“ Und dass die Auftritte vor Publikum noch fehlen, kompensieren die Chormitglieder ebenfalls, verrät Monika Hügen: „Den Applaus geben wir uns bei den Proben selber.“

(erko)