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Rheinberg: "Ohne Praktiker würde in der Stadt etwas fehlen"

Rheinberg : "Ohne Praktiker würde in der Stadt etwas fehlen"

Kunden, aber auch benachbarte Geschäftsleute sehen die massiven Probleme der Baumarktkette mit großen Sorgen. Eine stille Hoffnung: Vielleicht kann es eine Zukunft unter dem Dach "Max Bahr" geben?

Die Baumarktkette Praktiker steht vor dem Aus; der Aktienkurs stürzte gestern ins Bodenlose. An der Industriestraße 10 in Rheinberg verfolgt Brunhilde Koss diese Entwicklung tief traurig: Die 57-Jährige wartet auf ihre Bekannte Gudrun Schulz, beide Frauen wollen in der Praktiker-Filiale Farbe kaufen. Sie sind öfter im Markt. Vor allem, wenn etwas renoviert wird: Er sei gut zu erreichen, deshalb kämen sie gerne hier hin.

Außerdem seien die Angebote günstig und die Mitarbeiter hilfsbereit. Diese Einschätzung teilen viele. Wie die RP erfuhr, wird der Rheinberger Praktiker-Markt zu den Besten der 315 Häusern in der ganzen Kette gezählt. Nicht von ungefähr ist das Haus weiterhin am Markt geblieben, während andere Filialen in der Region geschlossen wurden.

Willi Appell kann sich darauf einen Reim machen: "Man sagt immer, im Baumarkt kann man nur billig einkaufen und wenn man einen Rat braucht, ist kein Verkäufer zu sehen — beim Praktiker in Rheinberg habe ich das nicht erlebt sondern immer hilfreiche Tipps bekommen", schildert der Rheinberger Rentner. Sein Fazit: "Ohne diese Filiale würde in Rheinberg wirklich etwas fehlen."

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Dem pflichtet Edgar Gottwald bei, der auf der anderen Straßenseite des Baumarktes das große Wohnfuchs-Einrichtungshaus betreibt: "Durch Praktiker kommen viele Menschen in unser Gewerbegebiet. Man kann nur hoffen, dass sich hier kein Leerstand entwickelt." Andererseits lägen die Gründe für die Krise auf der Hand: "Wer permanent Rabatte bis zu 35 Prozent gibt braucht sich nicht wundern, wenn nichts hängen bleibt." Jedes Unternehmen habe nun einmal seine Kosten — die müsse man fair und realistisch auf seine Waren umlegen. Der Kurs, den die Praktiker-Zentrale steuerte, hält der Geschäftsmann für nicht nachvollziehbar.

Für das Team in der Filiale Rheinberg bricht Gottwald eine Lanze: "Die Mitarbeiter sind kompetent und engagiert. Und nach dem Umbau mit der Verbreitrung der Gänge ist der Einkauf attraktiver geworden." Gottwald hegt eine stille Hoffnung: Möglicherweise könne der Standort erhalten bleiben — als Haus der Praktiker-Schwestermarke "Max Bahr". Die ist das Aushängeschild des Baumarktkonzerns und gilt als deutlich ertragreicher. Praktiker will sie deshalb dem Vernehmen nach Möglichkeit aus der Insolvenz heraushalten.

In Rheinberg gibt es den Praktiker seit 1992. Das Gebäude im Gewerbegebiet Winterswick steht allerdings schon länger: Zuvor firmierte der Markt unter "Extra Bau und Hobby". Als Praktiker an der Industriestraße 10 seinen zehnten Geburtstag feierte, waren im Markt 32 Männer und Frauen beschäftigt. Aktuelle Belegschaftszahlen waren gestern nicht in Erfahrung zu bringen.

Das Sortiment umfasst eine Menge und reicht von der kleinsten Schraube bis zur kompletten Badezimmer-Einrichtung: Es gibt Werkzeuge, Maschinen, Metall, Baustoffe, Holz, Tapete und Farben, Sanitär und Fliesen sowie Pflanzen und Zubehör für Garten und Balkon.

(RP)