Notdienstpraxis in Rheinberg - Kommentar: Trauriger Abschied von einem bewährten System

Notdienstpraxis in Rheinberg : Trauriger Abschied von einem bewährten System

Das Rheinberger Modell der zentralen Notdienstpraxis hat sich bewährt. Die Kassenärztliche Vereinigung will es aufgeben.

Die Debatte um den nächtlichen Standort der Notärzte ist noch in vollem Gange, da droht schon der nächste Einschnitt in der medizinischen Versorgung. Nun soll auch die Notdienstpraxis im Zentrum des DRK-Stadtverbandes am Melkweg in Rheinberg aufgegeben werden. Die Kassenärztliche Vereinigung hat den Mietvertag mit dem Stadtverband Rheinberg des Deutschen Roten Kreuzes bereits gekündigt. Zum 31. März 2020. Welche Veränderungen genau im Kreis Wesel geplant sind, will die Kassenärztliche Vereinigung bald mitteilen. Bestätigt ist bereits, dass es die Praxis am Melkweg küntig nicht mehr geben soll und die Rheinberger zum Moerser Bethanien-Krankenhaus fahren müssen, wenn sie am Wochenende einen Arzt brauchen.

Das soll einer verstehen. Wohin man auch schaut und wen man auch fragt: nichts als Kopfschütteln. Denn das „Rheinberger Modell“ leuchtet ein und überzeugt – auch noch 18 Jahre nach seiner Einführung. Die Idee, die seinerzeit Ärzte wie Günther Klaus Gollan entwickelten, habe sogar Modellcharakter gehabt, heißt es, und folgt einem einfachen Plan: Damit der Patient am Wochenende nicht lange die Praxis des diensthabenden Arztes suchen muss, setzen sich die Ärzte in einen festen Raum beim DRK. So weiß man vielleicht nicht, welcher Arzt dort anzutreffen ist, aber man weiß, dass ein Arzt dort Notdienst verrichtet.

Archivbild Armin Fischer von Armin Fischer RP-Redakteur Uwe Plien Unsere Woche. Foto: Fischer, Armin (arfi)/Fischer, Armin (afi)

Nun betont die KV, dass sich die Zahl der Anlaufstellen für den Notdienst im Kreis Wesel nicht verringern werde, da an anderer Stellen in absehbarer Zeit eine neue Notdienstpraxis etabliert werde. Wenn diese andere Stelle das Bethanien-Krankenhaus in Moers ist, haben nicht nur die Rheinberger verloren. Denn der Anfahrtsweg ist dann deutlich länger. Gerade in der medizinische Versorgung sollte das Wohl der Menschen stets im Vordergrund stehen. Kurze Wege, patientenfreundliche Systeme. Wie es aussieht, ist die KV gerade dabei, sich davon zu verabschieden. Traurig.

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