Rheinberg: Niedrigwasser im Rhein ist tückisch

Rheinberg : Niedrigwasser im Rhein ist tückisch

Die lange Trockenheit sorgt im Rhein für Niedrigwasser. Es sind mehr Schiffe unterwegs, weil nicht vollgeladen werden kann. Doch von den derzeitigen Pegelständen sollte man keine falschen Rückschlüsse auf die tatsächliche Wassertiefe ziehen.

Der Rhein führt aufgrund der wochenlangen Trockenheit nur wenig Wasser. An den Pegelständen hat auch der Regen in den vergangenen Tagen nicht viel geändert. Viele Schiffsführer müssen ihre Ladung und damit den Tiefgang der Schiffe sehr genau berechnen. „Wichtig ist, dass die Schiffer in der tiefer liegenden Fahrrinne bleiben“, beschreibt Ingrid Wessels vom zuständigen Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein in Homberg. Sie sagt: „Momentan sind deutlich mehr Schiffe auf dem Rhein unterwegs, weil jedes Schiff weniger laden kann.“ Oft transportieren die Schiffe nur die Hälfte dessen, was unter Normalbedingungen möglich ist.

Gestern Mittag betrug der Wasserstand am Pegel Ruhrort 1,97 Meter, der Pegel Wesel lag bei 1,40 Meter. Bei Emmerich lag der Wert bei 43 Zentimeter. „Solche Werte haben in den vergangenen Tagen immer wieder Fragen zum Niedrigwasser des Rheins aufgeworfen“, sagt der Rheinberger Christian Zaloudek. Zum Beispiel die von Kindern, ob man in solchen Fällen nicht sogar zu Fuß durch den Strom waten könne. „Auf keinen Fall“, warnt Zaloudek.

Er ist seit 20 Jahren Geschäftsführer von Sarres-Schockemöhle Yachting GmbH. Das Unternehmen mit Sitz an der Hubert-Undererg-Allee bietet weltweit touristische Segeltörns an. Bevor der heute 51-Jährige Touristik studierte und bei Sarres einstieg, war er Binnenschiffer. „In meiner Freizeit befasse ich mich mit den Themen Binnenschifffahrt und Sportschifffahrt auf dem Rhein und arbeite auch als Rheinlotse. Dabei überführe ich im Dezember und Januar patentpflichtige Motor-Yachten zur Messe ,boot’ in Düsseldorf. Zudem betreibt Christian Zaloudek, der auch Prüfer für Sportbootführerscheine und Sachverständiger für das Bundesverkehrsministerium ist, im Internet die Seite www.facebook.com/Rheinlotse/ und www.zalu.de. Darauf hat er zum aktuellen Niedrigwasser einen Artikel verfasst, der auf reges Interesse stößt und öfter gelesen und geteilt wurde als viele andere auf seiner Seite.

„Wenn der Pegel bei Emmerich bei 43 Zentimetern liegt“, so der Fachmann, „sagt das erst einmal nicht viel über die Wassertiefe aus. Dazu muss man die Solltiefe des Rheins – die Tiefe der Fahrrinne – von angenommenen 2,80 Meter hinzu und den sogenannten gleichwertigen Wasserstand, ein festgelegter Wert von hier 84 Zentimetern, abrechnen. Dadurch ergibt sich eine tatsächliche Wassertiefe von 2,39 Meter.“

Ein Schiffsführer würde jetzt von den 2,39 Metern noch einen Sicherheitsabstand von 30 bis 50 Zentimetern abziehen und hätte so seine mögliche Abladetiefe für eine Reise ab beziehungsweise bis Düsseldorf von oder nach Holland errechnet.

Die Solltiefe des Rheins von 2,80 Meter, so Christian Zaloudek, beziehe sich auf den Stromabschnitt von der Mündung in den Niederlanden bis Krefeld. Die Fahrrinne für Schiffe ist am Niederrhein 150 Meter breit – genügend Platz, damit sich entgegenkommende Schiffe nicht havarieren oder auf Grund laufen. Unbeladene Rheinschiffe haben übrigens einen durchschnittlichen Tiefgang von 1,50 Meter.

Wer sich im Internet über die Binnenschifffahrt auf dem Rhein oder die Rheinpegel informieren möchte, kann dies unter anderem über folgende Seiten tun:
www.elwis.de
www.pegelonline.wsv.de

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