Niederrhein: Sarres-Schockemöhle 40 Jahre Yacht-Charter

Wirtschaft am Niederrhein : Erfolgreich im Wind

Die Sarres-Schockemöhle Yachting GmbH in Rheinberg hat vor 40 Jahren die Segel gesetzt und Kurs gehalten.

Genau vier Worte benötigt Hermann Sarres für seine Leidenschaft: „Segeln ist mein Leben.“ Schon als 14-Jähriger sei er mit dem Vater übers Wasser geschippert, habe später beim Segelclub Rheinkamp mit Jollensegeln begonnen und sei der Faszination des Sports erlegen. Dass sein Name mal unauflöslich mit dem Yachtsport verbunden sein würde, daran hat der heute 78-Jährige vermutlich nicht gedacht, als er 1978 im Eigenheim am Annaberg mit Ehefrau Karin das Unternehmen Sarres-Schockemöhle Yachting GmbH gründete. Heute sitzt das Unternehmen an der Hubert-Underberg-Allee 2. Vor 25 Jahren kam das Reisebüro Sarres-Schockemöhle Tours dazu. „Um Kunden nicht nur Segeltörns, sondern Komplettpakete mit Flug, Hotel, Land und Leuten zu bieten“, so Sarres.

Er hatte zunächst neben seiner Tätigkeit als Technischer Angestellter in der Chemiebranche begonnen, sein Unternehmen aufzubauen. „Mit der Ausrüstung und Reparaturen von Yachten.“ Bald fiel die Entscheidung, alles auf eine Karte zu setzen. Sein Traum: Von der Cote d’Azur Richtung Korsika segeln, um dort den Sonnenaufgang zu erleben. 1980 bot er die ersten Segeltörns an. Echte Handarbeit sei das Segeln zu der Zeit noch gewesen. GPS gab’s nicht, nur Funkpeilung, die Segel wurden nicht gerollt, sondern gewechselt. Die Ausstattung der Yachten sei höchst spartanisch gewesen. „Heute reist man mit weniger Leuten auf größeren Schiffen, jeder hat seine eigene Kabine“, so der Branchenexperte über die veränderten Ansprüche.

1982 erwarb der Unternehmer die erste eigene 13 Meter lange Yacht „Carina“ – benannt nach seiner Frau. Weitere Yachten folgten. Neue Reviere wurden ins Angebot genommen. Zunächst Jugoslawien (heute Kroatien), wenig später auch die Karibik. Das war im wahrsten Wortsinn Neuland für den Unternehmer – nicht ganz ungefährlich. „Wir mussten wachsam sein. Wenn wir in kleinen Buchten vor Anker gingen, haben wir zu ungewöhnlichen Maßnahmen gegriffen“, erzählt Hermann Sarres schmunzelnd. Nachts seien Heftzwecken auf dem Deck verteilt worden. Er hatte stets eine Machete griffbereit.

Ab 1984 eroberte Sarres-Schockemöhle Yachting den Markt mit neuen Angeboten: Flottillensegeln für Familien oder Gruppen, die Funregatta „Sarres Cup“ – eine Kombination aus Segeln und Geselligkeit – oder Singletörns. Bis zu 15 Yachten besaß das Unternehmen, heute greift es auf einen Pool von rund 10.000 Yachten ausgewählter Partner zu, die weltweit verchartert werden. Die Teilnahme an der Messe „boot“ in Düsseldorf war immer selbstverständlich. Hier treffe man auch Freunde, so Sarres.

Seine Entscheidung, sich mit seinem Hobby in einer Nische selbstständig zu machen, hat Hermann Sarres nie bereut. Auch wenn’s zwischenzeitlich durch schwere See ging. „Der Balkankrieg Anfang der 90er Jahre hat uns zugesetzt“, sagt er. Ausgerechnet zu der Zeit wurde das neue Firmengebäude erbaut. Von jetzt auf gleich habe man die Schiffe aus Kroatien nach Frankreich bringen müssen. Ein logistischer Kraftakt. Mittlerweile ist das vergessen. Heute gehört Kroatien wieder zu den beliebtestes Revieren. Rund 90 Prozent des Geschäfts machen die „Selbstfahrer“ aus – ausgebildete Segler. „Wir wollen verlässlicher, sicherer und servicestarker Partner sein – an Bord und an Land“, betont der Rheinberger.

Beratung gehört ebenso zum Angebot wie Skippertrainings und Lehrgänge. „Wir richten uns auch an Kunden, die selbst nicht segeln, aber das Erlebnis Segelurlaub genießen möchten“, so Sarres. Der 78-Jährige lässt’s inzwischen ruhiger angehen. Früher war er rund fünf Monate im Jahr auf den Weltmeeren unterwegs, heute sind es fünf Wochen. „So lange ich kann und man mich noch will, mache ich das“, sagt er. Die Nachfolge ist längst geregelt. Die Geschäftsführung der Yachting GmbH liegt seit rund zehn Jahren bei Christian Zaloudek und Claudia Spennes-Kleutges, die auch das Reisebüro führt. Sie haben die Unternehmen in die digitale Zukunft geführt: „Das Onlinegeschäft soll gestärkt werden, ohne die ‚analoge’ Beratungskompetenz zu vernachlässigen“, so der Senior.

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