Niederrhein: Kinderhilfswerk löst sich nach der nächsten Sommeraktion auf

Niederrhein : Letzter Sommer für Kinder aus Gomel

Das Kinderhilfswerk will sich nach 28 Jahren auflösen. Für die letzte Ferienaktion werden noch Familien gesucht.

Durch die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl am 26. April 1986 ist vor allem die Gegend um die weißrussische Stadt Gomel stark in Mitleidenschaft gezogen und radioaktiv verseucht worden. Um insbesondere den Kindern eine bessere Perspektive für ihr Leben zu geben, bildeten sich in der Folge europaweit Vereine, die diese Kinder zu Ferienaufenthalten einluden. Auch am Niederrhein. Doch diese Ära geht hier nun zu Ende.

1991 kamen auch einige Leute im Raum Alpen, Menzelen und Veen zusammen und luden Kinder mit ihren Müttern an den Niederrhein zu einem erholsamen Ferienaufenthalt in einem unbelasteten Lebensumfeld ein. 1994, also drei Jahre später, wurde diese Vereinigung als der gemeinnütziger Verein „Kinderhilfswerk Gomel bei Tschernobyl“ ins Vereinsregister eingetragen. Durch große Unterstützung aus der Bevölkerung, auch Rathäusern von Firmen und Banken war es möglich, in den 27 Jahren rund 2500 Kinder und Erwachsene aus Weißrussland an den Niederrhein einzuladen. Alle wurden in Familien untergebracht und betreut. Dabei sind Freundschaften entstanden, die über tausende Kilometer hinweg bis heute, auch über Generationen greifend, halten. Eine tiefgehende Art von Völkerverständigung.

Neben den Ferienaktionen wurden ungefähr 30 Hilfstransporte mit Kleidung und Lebensmitteln organisiert und auf den Weg gebracht. Oft gegen enorme bürokratische Widerstände an den Grenzen. „Wir bedanken uns bei allen, die dazu beigetragen haben, dass wir das Erholungsprogramm über eine so lange Zeit aufrecht erhalten konnten“, sagt Manfred Hainke, Vorsitzender des Gomel-Vereins. Sein Dank gilt vor allem den zahlreichen Familien, die Kinder, die meist kaum Deutsch sprechen konnten, über Wochen bei sich aufgenommen und oft ihren Jahresurlaub dafür geopfert haben. „Ohne diese großartige Unterstützung wäre das alles nicht möglich gewesen.“

Manfred Hainke sucht noch Gastfamilien für die letzte Aktion. Foto: privat/Photographer: Gisela Grabowski
  • Rheinberg : Kinderhilfswerk Gomel sucht noch Gastfamilien

Bei der Jahreshauptversammlung haben die Mitglieder beschlossen, das Kinderhilfswerk im nächsten Jahr aufzulösen. Bevor der Vorhang fällt, werden ein letztes Mal Kinder organisiert an den Niederrhein eingeladen. Der Termin steht bereits fest: Die Gomel-Kinder werden am Donnerstag, 20. Juni, am Niederrhein erwartet und drei Wochen später am Freitag, 12. Juli, wieder abreisen. Die Kinder im Alter zwischen 8 und 14 Jahren leben während ihres Aufenthalts in Deutschland wie immer in Gastfamilien.

Das Kinderhilfswerk organisiert während dieser Zeit einige – auch das ist geübte Tradition in all den Jahren – attraktive Unternehmungen, an denen die Kinder und ihre Gastfamilien teilnehmen können. Die Kosten für die Reise, Visa und Versicherungen übernimmt das Kinderhilfswerk. Darüber hinaus stehen Dolmetscherinnen und eine Ärztin speziell für die Kinder zur Verfügung.

Wer bereit ist, ein oder mehrere Kinder oder eine Dolmetscherin bei sich aufzunehmen, kann sich ab sofort an den Vorsitzenden Manfred Hainke unter Tel. 02835 92672 oder per E-Mail an manfred.hainke@gomel.de wenden.

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