Niag-Hafen Orsoy in Rheinberg hat Maßnahmen zur Beregnung erhöht

Kohlestaub soll eingedämmt werden : Regenmacher im Orsoyer Niag-Hafen

Die Anwohner in der IG Hafen Orsoy freuen sich über erste Maßnahmen des Betreibers. Zusätzliche stationäre Wasserspritzen und ein Tankfahrzeug dämmen den Staub der Kohlehalden ein. Ein Container-Hafen ist nicht geplant.

Der vergangene Sommer brachte das Fass zum Überlaufen. Die Anwohner des Orsoyer Niag-Hafens hatten die Nase gestrichen voll. Häuser, Fenster, Autos, Kleidung, das Wasser im Pool – alles schwarz vom verwehten Kohlenstaub, dazu noch Lärm und Erschütterungen vom Hafen. „Jetzt reicht’s“, sagten sich einige Orsoyer in diesem extrem heißen und trockenen Sommer 2018 und gründeten die Interessengemeinschaft Hafen Orsoy.

Die ersten Kontakte mit der Niag als Hafenbetreiber waren holprig. Inzwischen geht es besser, wie IG-Sprecher Dankwart Bender und Sabine Kleinholdermann berichten. „Das Vertrauen wächst“, versichert Kleinholdermann. Und Bender fügt hinzu: „Wir sind froh, dass etwas passiert ist. Aber unsere Fröhlichkeit möchte noch erhöht werden.“ In diesem Jahr lasse es sich besser aushalten, wenn man nur einen Steinwurf von Hafen und Kohlehalden entfernt lebt. Wobei die Interessengemeinschaft betont, dass sie Verbesserungen erwarte. Bender sagt aber auch: „Wir haben kein Interesse daran, dass der Hafen geschlossen wird.“

Fünfmal hat sich der 2018 gegründete Arbeitskreis mit Niag, IG, Stadt und Kreis bisher getroffen. Dabei informiert der Hafenbetreiber über aktuelle Entwicklungen zwischen Hafendamm und Kaimauer. Niag-Chef Peter Giesen zeigt sich selbstkritisch: „Wir waren anfangs zu zaghaft, haben in der Kommunikation nicht immer glücklich gehandelt.“

Aus zwei Düsen unter dem Führerhaus spritzt das Wasser auf die Straßen und verhindert, dass Staub auffliegt. Foto: Fischer, Armin (arfi)

Aber die Niag hat gehandelt. So hat sie die Zahl der stationären Beregnungsanlagen zum Befeuchten der Kohleberge von etwa 30 auf über 40 erhöht. Sie springen automatisch an und aus. Eine windabhängige Steuerung soll folgen. Und sie hat einen ehemaligen Feuerwehrwagen angeschafft. Das rote MAN-Tankfahrzeug hat ein Fassungsvermögen von 12.000 Litern. Fahrer Achim Kulessa führt vor, wie und wo das Fahrzeug eingesetzt wird. Zum einen gibt es ein Strahlrohr, mit dem man eine fetten Strahl auf die Halden legen kann. Zwei vorne unter dem Führerhaus angebrachte Düsen benetzen die Wege und Straßen. Denn dort liege der feine Staub, der leicht aufwirbelt. Peter Giesen: „Außerdem haben wir einen neuen Brunnen beantragt, um mehr Wasser fördern zu können.“

Knapp 150.000 Tonnen Schüttgüter – überwiegend Kohle, aber auch Erze – lagern im Hafen. Die Betriebserlaubnis für den Hafen ist auf Schüttgüter beschränkt – darauf legt Giesen wert. Sollte das geändert werden, wäre ein Plan- und Genehmigungsverfahren erforderlich. Der Niag-Vorstand: „Die Kohle ist rückläufig und wir suchen bereits nach alternativen Schüttgütern. Es besteht aber keine Absicht, eine Strukturveränderung vorzunehmen“, sagte Giesen deutlich und zielte damit auf einen Bericht der „Welt am Sonntag“, der in Orsoy für Irritationen gesorgt hatte. Es gebe Überlegungen, den Niag-Hafen zu einem Container-Umschlagsplatz zu machen, habe es geheißen. „Das haben wir aber nicht vor.“ Die Interessengemeinschaft Hafen Orsoy werde die weiteren Entwicklung im und rund um den Hafen weiter beobachten, so Dankwart Bender

Mit Antonius von Hebel hat die Niag einen Ombudsmann als Vermittler bei Problemen eingesetzt. Er ist unter Tel. 0151 23472001 oder antonius.vonhebel@googlemail.com erreichbar. Beim Kreis Wesel als Aufsichtsbehörde ist Vera Hoogen, Tel. 0281 207-2508 bzw. vera.hoogen@kreis-wesel.de zuständig.

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