Moers: Gericht wandelt Hafturteil gegen Rheinberger in Bewährungsstrafe um

Bewährung statt Haft : Gericht honoriert Therapiefortschritt

Ein 31-jähriger Rheinberger war wegen verschiedener Vergehen zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Bei einer Berufungsverhandlung konnte er das Gericht überzeugen, dass er seine Therapie ernst nimmt.

(jas) Die auswärtige Strafkammer Moers des Landgerichts Kleve hob am Mittwoch ein Urteil des Amtsgerichtes Rheinberg teilweise auf, das einen 31-Jährigen wegen sexuellen Übergriffes, Körperverletzung und Widerstand gegen Vollzugsbeamte am 4. Dezember 2018 zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt hatte. Der Angeklagte, der in Rheinberg wohnte, inzwischen aber zu seinen Eltern nach Neukirchen-Vluyn gezogen ist, hatte gegen das Urteil Berufung eingelegt. Es blieb zwar beim Strafmaß, der Vorsitzende Richter Huismann ordnete außerdem die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Beides wurde aber für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, weil der Verurteilte nach Ansicht des Gerichts nach der Tat alles daran gesetzt habe, sein Problem in den Griff zu bekommen. „Sie haben uns glaubhaft vermittelt, dass Sie es ernst meinen“.

Der 31-Jährige, der eigenen Aussagen zufolge früher im Schnitt eine Flasche Wodka und fünf Flaschen Bier pro Tag konsumierte, muss sich jetzt fünf Jahre unter Aufsicht eines Bewährungshelfers stellen. Außerdem muss er seine Therapie in der Suchtklinik in Radevormwald fortsetzen und sich anschließend bis auf Weiteres in ambulante Therapie begeben, dem Gericht jeden Wohnsitz-Wechsel mitteilen, jeglichen Konsum von Alkohol und Betäubungsmitteln unterlassen, sich regelmäßig Alkoholkontrollen unterziehen. Das Urteil ist rechtskräftig.

Die Tat liegt mehr als ein Jahr zurück: In der Nacht vom 31. Januar auf den 1. Februar 2018 gab es im Haus einer Bekannten eine kleine Feier mit deren erwachsener Tochter und einer Freundin, bei der alle ausgiebig Alkohol konsumiert hatten – ein Bluttest ergab beim Angeklagten einen Promillegehalt von 2,43. Als die Freundin gegangen und die Bekannte sich ins Obergeschoss zurückgezogen hatte, wurde der Angeklagte gegen die Tochter übergriffig; die wehrte sich, suchte Schutz bei der Mutter. Der Angeklagte folgte ihr, schlug zu. Die Mutter rief die Polizei, der Angeklagte widersetzte sich, als die Polizisten ihn abführen wollten.

Mehr von RP ONLINE