Rheinberg: "Mit ohne" oder Mehr von weniger ist eigentlich nichts

Rheinberg: "Mit ohne" oder Mehr von weniger ist eigentlich nichts

Comedian Martin Zingsheimer überzeugte mit filigran-intelligentem Sprachwitz über den Trend zum Verzicht.

Zu Anfang wurde Martin Zingsheim fast philosophisch. "Es ist ein typischer Wunsch der heutigen Zeit: mehr haben zu wollen, und zwar mehr weniger, und zwar von allem - also eigentlich nix, aber davon viel." Damit manifestierte der Kabarettist am Ende der Theatersaison in der Stadthalle die Grundidee seines neuen Programms "Aber bitte mit ohne."

Der 34 Jahre alte Kölner - Träger zahlreicher Preise und Vater von vier Kindern - machte mit unaufgeregtem, filigran-intelligentem Sprachwitz klar, worauf Menschen so alles verzichten wollen. "Weniger Fett, weniger saufen. Viele machen hier seit Jahren weniger Sport" - da war ihm das Rheinberger Publikum, das an der Stelle klatschte, dann schon "recht sympathisch".

Wunderbar sezierte er dann die Ansprüche - und die Wirklichkeit des täglichen Strebens nach Verzicht. Wie am Beispiel "weniger Müll". Seine Beobachtung: "Es gab mal Seife als Stück, fast unverpackt, ohne Plastik. Das kauft aber praktisch niemand mehr. Das ist den meisten zu komplex vom Handling."

Vegane Gerichte möge er zwar ganz gerne - "aber danach habe ich Lust auf Rindersteak. Das ist, als würden sie abends auf Alkohol verzichten und zu Hause eine Flasche Wodka öffnen." Wobei die vegane Ernährung "zunächst nur für die Tiere gesund" sei.

Und viele Menschen seien doch ohnehin eigentlich nur "Mentalveganer", die es ablehnen, Tiere zu töten - "aber die riechen gebraten einfach so gut". Und auch Adolf Hitler sei ja angeblich Vegetarier gewesen, so der Kölner Comedian. "Man kann doch nicht noch extremer als Hitler sein."

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Bei Verzicht auf Alkohol gebe es clevere Techniken der Selbstüberlistung. Die Frage "Haben Sie auch ein halbes Weizen?" führe in der Konsequenz zu der Bestellung: "Davon hätte ich gerne zwei." Und Berufstätige ertappen sich oft bei dem Wunsch, weniger arbeiten zu wollen, und dann dabei, dass sie plötzlich einen Burnout kriegen.

Dabei warb Zingsheim mit eleganter Bissigkeit hinsichtlich der Welt der Arbeit um Nachgiebigkeit: "Schließlich sieht die Arbeit eines Serienkillers und eines überarbeiteten Chirurgen im Ergebnis oft ähnlich aus." Wobei der Dialog zwischen dem Immobilienmakler und dem Mietnomaden dann doch relativ schnell beendet sei.

Es gebe auch Berufe wie "Manager, Führungskräfte, Rechtspopulist", die wolle man nicht geschenkt. "Wenn die da als Rechtspopulist in den Ferien jedes Jahr von der Maas bis an die Memel fahren, ihren Wanderführer, den kleinen Reise-Adolf und das Hakenkreuzworträtsel einpacken und ihr Handy auf Migrationsalarm stellen."

Mit Bedauern stellte er aber fest, auf "Jamaika" verzichten zu müssen. "Ich hätte gerne gesehen, wie Wolfgang Kubicki und Markus Söder mit Claudia Roth vier Jahre lang einer Meinung sind."

Und Zingsheim benannte auch durchaus positive Aspekte des Verzichtens. "Wie oft bekommt man den Anschluss, weil der Zug verspätet ist?" Und auf Fußball zu verzichten, das gehe ja auch: "Schließlich kann sich doch in einer Wohlstandsgesellschaft jeder seinen eigenen Fußball leisten, oder?"

(aflo)
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