Rheinberg: Millionen fürs Alte Rathaus

Rheinberg: Millionen fürs Alte Rathaus

Das 1449 errichtete Gebäude ist ein kompletter Sanierungsfall. Vorschlag: ein zweiter Rettungsweg hinter einer Glasgalerie.

So professionell der Vortrag von Horst Fischer und Christian Uwer vom Büro Fischerarchitekten in Aachen auch war - die Wucht der Fakten erfasste die Mitglieder des Bau- und Planungsausschusses wie ein Schlag in die Magengrube. Die Architekten hatten das 1449 errichtete Gebäude - gerne auch als "die gute Stube" Rheinbergs bezeichnet - untersucht und ihre Ergebnisse zusammengefasst. Ernüchternde Ergebnisse. Denn das denkmalgeschützte Gebäude in der Stadtmitte so herzurichten, dass es künftig als Bürgerhaus genutzt werden kann, wird ein teurer Spaß. Voraussichtlich müssen vier Millionen Euro investiert werden.

Fast wäre man geneigt zu sagen: abreißen und eins zu eins neu bauen. Denn das wäre vermutlich eine günstigere Lösung. Aber das verbietet erstens die Denkmalschutzbehörde und zweite würde jeder, der in Rheinberg einen solchen Schritt anordnete, mindestens gesteinigt. Schließlich ist das Alte Rathaus nicht irgendein Haus, sondern steinerner Zeuge der Stadtgeschichte.

Eigentlich ist fast alles morsch und marode. Das Dach ist undicht, die Konstruktion angegriffen, die Fassade schadhaft, der Keller bis einen Meter ins Erdgeschiss hoch feucht. Also muss das Rathaus von außen komplett freigelegt werden. Die tragenden Teile des Balkons haben ihre besten Tage hinter sich, die Decke über dem Ratssaal hängt durch (was man nicht sehen kann, weil sich eine abgehängte Decke darüber befindet). Und dann die komplette technische Infrastruktur - alles hin: Wasserleitungen, Elektroverkabelung, Blitzschutz. Zudem müssen noch Schadstoffe - Asbest - insbesondere aus dem Gebälk im Dachstuhl entfernt werden. Lediglich die Fenster - in den achtziger Jahren eingesetzt - seien noch brauchbar, sagte Christian Uwer.

Ein Problem bei der Geschichte ist die Frage eines zweiten Rettungsweges wegen des Brandschutzes. Wie Horst Fischer ausführte, gibt es zwei Möglichkeiten: "Sie können das Gebäude sanieren und es so belassen wie es jetzt ist. Das würde 2,4 Millionen Euro kosten und hätte den Nachteil, dass sie anschließend bestenfalls das Erdgeschoss nutzen könnten." Veranstaltungen im Ratssaal wären für maximal 30 Personen zulässig - wenn überhaupt. Fischer: "Aber sie haben ja das Nutzungskonzept des Trägervereins beschlossen und wollen es umsetzen. Dazu ist ein zweiter Rettungsweg unerlässlich." Doch ein Aufzug lässt sich im denkmalgeschützten Rathaus nicht einfach realisieren, ohne dass es Gemecker von den Denkmalschützern gibt. Deshalb schlugen die Architekten vor, über die gesamte Front zum Lindenplatz hin ein hinter einer Glasgalerie geschützt liegendes Treppenhaus zu bauen. Das treibt die Kosten auf vier Millionen Euro hoch.

Die Ausschussmitglieder schluckten in Anbetracht der Kosten, sind sich aber bewusst, dass etwas getan werden muss. Nun wird zunächst in den Fraktionen weiter beraten.

(up)