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Abt Friedhelm: "Meiner Mutter gefiel das nicht unbedingt"

Abt Friedhelm : "Meiner Mutter gefiel das nicht unbedingt"

Friedhelm Tissen hat seinen Geburtsort Alpen im Alter von elf Jahren verlassen. Seit seine Eltern tot sind, hat er gar keinen Bezug mehr zu seiner ehemaligen Heimat. Am kommenden Sonntag kehrt er zurück und gestaltet einen Wortgottesdienst.

Alpen An den Fastensonntagen lädt die fusionierte Alpener Kirchengemeinde St. Ulrich zu ganz besonderen Fastenpredigten ein. Unter dem Leitgedanken "Kirche der Zukunft, meine Vision von Kirche. Leben und arbeiten in fusionierter Gemeinde!" wurden Seelsorgerinnen und Seelsorger, die gebürtig aus den Orten der Gemeinde Alpen kommen, eingeladen, Wortgottesdienste zu gestalten. Am kommenden vierten Fastensonntag um 18 Uhr ist Friedhelm Tissen in der St.-Ulrich-Kirche zu Gast. Im Gespräch mit der Rheinischen Post hat der Abt der Benediktinerabtei Cornelimünster bei Aachen zuvor einige Fragen beantwortet.

Abt Friedhelm, Sie sind in Alpen geboren und auch dort aufgewachsen. Wann haben Sie die Gemeinde verlassen?

Abt Friedhelm Schon sehr früh. Ich bin im Alter von elf Jahren zum Internat nach Gaesdonck gegangen.

Welchen Bezug haben Sie heute zur Gemeinde Alpen?

Abt Friedhelm Gar keinen mehr, seit meine Eltern vor einigen Jahren gestorben sind. Ich komme daher nur sehr selten nach Alpen.

Was waren damals Ihre persönlichen Beweggründe in ein Kloster zu gehen?

Abt Friedhelm Ich bin katholisch groß geworden, mein Wunsch war es immer, Priester zu werden. Meiner Mutter gefiel das nicht unbedingt. Sie hat gesagt, das ist in Ordnung, muss aber nicht sein.

Sie feiern am kommenden Sonntag einen Wortgottesdienst in der St.-Ulrich-Kirche in Alpen. Wie kam es zu dem Kontakt?

Abt Friedhelm Im Rahmen der Planungen zur Gemeindefusion waren die Verantwortlichen vor zwei Jahren zu einer Tagung in unserem Kloster. Bei dieser Gelegenheit habe ich Pfarrer Dieter Heshe kennengelernt. Der Kontakt hält bis heute an.

Der Wortgottesdienst steht unter dem Thema: "Kirche der Zukunft, meine Vision von Kirche". Hat die katholische Kirche in dieser Form eine Zukunft?

Abt Friedhelm Ja, das hat sie. Die Kirche wird es auch weiterhin geben. Aber sie wird sich reformieren und erneuern müssen.

"Außerhalb der katholischen Kirche gibt es kein Heil", hieß es früher. Dieser Satz hat ganze Familien entzweit. Weihbischof Wilfried Theising hat gefordert, man müsse künftig auf andere Weltreligionen zugehen. Wie stehen Sie dazu?

Abt Friedhelm Das ist für mich selbstverständlich. Allah und Jahwe sind im Grunde auch nicht anders als unser Gott. Einer der wesentlichen Unterschiede zu den anderen monotheistischen Religionen besteht darin, dass wir an den menschgewordenen Gott in Jesus Christus glauben. Sowohl Juden als auch Moslems glauben an ein Leben nach dem Tod.

Im Zweiten vatikanischen Konzil war die Rede von "Verheutigung", vom "Öffnen der Fenster" und dass man in der Kirche die Zeichen der Zeit erkennen müsse. Braucht es nun 50 Jahre später ein Drittes vatikanisches Konzil?

Abt Friedhelm: Nein, doch es gibt noch einiges zu tun. Aber ich bin zuversichtlich, dass die Ziele mit Papst Franziskus erreicht werden, mit dem ich übrigens sehr zufrieden bin. Mit seiner Schlichtheit und seinem Durchsetzungsvermögen rüttelt er die Menschen in seinem Umfeld auf. Ich wünsche ihm einen langen Atem.

Sollte in diesem Zusammenhang auch die Rolle der Frau in der Kirche dem allgemeingültigen Gesellschaftsbild angepasst werden?

Abt Friedhelm Ich persönlich glaube, dass theoretisch nichts dagegen spricht, Frauen zu Priestern zu weihen. Gegenüber Gott sind Frau und Mann ohnehin gleichberechtigt. Aber man sollte nicht gleich alles ändern, sondern mit dem anfangen, was möglich ist. So sollten verträgliche Lösungen für Gläubige gefunden werden, die sich haben scheiden lassen.

Eine Frage zum Schluss: Werden Sie am Sonntag alte Freunde wiedersehen?

Abt Friedhelm Ich habe keine Freunde mehr in Alpen. Aber wenn mich alte Klassenkameraden ansprechen, werde ich mich gerne auf eine Unterhaltung einlassen.

DAS GESPRÄCH MIT ABT FRIEDHELM THISSEN HAT RP-MITARBEITER ERWIN KOHL GEFÜHRT

(erko)