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Medizinische Versorgung: Notdienstpraxis in Rheinberg gekündigt

Umstrukturierung der medizinischen Versorgung : Notdienstpraxis in Rheinberg gekündigt

Die Kassenärztliche Vereinigung strukturiert um. Patienten sollen künftig zum Bethanien-Krankenhaus Moers fahren.

Die Notdienstpraxis im DRK-Zentrum am Melkweg in Rheinberg wird es bald nicht mehr geben. Die für die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein arbeitende Gesundheitsmanagementgesellschaft hat den seit 2005 bestehenden Vertrag zum 31. März 2020 gekündigt. Das bestätigte der 1. Vorsitzende des DRK-Stadtverbandes Rheinberg, Günther Köster, auf RP-Nachfrage. Köster bedauert den Schritt. Dass dem Stadtverband Mieteinnahmen verloren gehen, steht für ihn nicht im Vordergrund: „Es ist schade, dass ein seit Jahren bewährtes und gut funktionierendes System aufgegeben wird und die Bevölkerung künftig weitere Wege in Kauf nehmen muss.“

Das Modell der Notdienstpraxis ist für Köster „wegweisend“. Es ist so einfach wie genial: Ärzte, die am Wochenende mit dem Notdienst dran sind, bleiben nicht in ihren Praxen, sondern sind am Melkweg erreichbar. Somit gibt es stets eine feste Anlaufstelle, niemand musste erst die Anschrift des diensthabenden Arztes ermitteln. „Hinzu kommmt noch“, so Günter Köster, „dass wir in akuten Notfällen mit dem Rettungsdienst gleich nebenan sind.“

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Notdienstpraxen soll es nur noch an Kliniken geben: Das sagt die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein.

2001 ist das DRK-Zentrum am Melkweg neben dem Hauptsitz der Feuerwehr gebaut worden. Die Idee, dort eine Notdienstpraxis zu etablieren, hatte der Bereitschaftsdienst Rheinberger Ärzte, der die Praxis anfangs auch in Eigenregie führte. In vorderster Reihe ist da der Rheinberger Arzt Dr. Günther Klaus Gollan zu nennen, der seine Praxis an der Bahnhofstraße aus Altersgründen inzwischen an einen Nachfolger übergeben hat, aber noch als Palliativmediziner wirkt. Gollan war bis vor kurzem Vorsitzender des 2006 gegründeten Vereins Basisnetz Rheinischer Ärzte als Netzwerk von fast 100 Ärzten aus Kamp-Lintfort, Moers, Neukirchen-Vluyn, Rheinberg, Xanten und Umgebung. Er betonte stets, wie sehr sich die Notdienstpraxis am Melkweg bewährt habe.

Unterdessen warnt auch der SPD-Landtagsabgeordnete René Schneider vor einer Verschlechterung bei der Notfallversorgung. Er kritisiert, dass Notfallpatienten aus Kamp-Lintfort, Rheinberg und Alpen künftig deutlich längere Wege in Kauf nehmen müssen, weil der ärztliche Notdienst außerhalb der Öffnungszeiten nur noch in Moers angeboten werden soll. Schneider hat die Verantwortlichen aufgefordert, das Wohl der Patienten im Auge zu behalten, die oft keine langen Wege nehmen können – vor allem ältere Menschen. Diese Sorge hat der Abgeordnete in einem Brief der Parlamentarischen Staatssekretärin des Bundesministers für Gesundheit, Sabine Weiss (CDU), mitgeteilt. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein sehe in ihrem neuen Notdienstkonzept erhebliche Veränderungen für den Kreis Wesel vor. Der Plan ist, den ärztlichen Notdienst komplett in die Notfallpraxis am Krankenhaus Bethanien zu verlagern. Bürgermeister Frank Tatzel hat für die Vorgehensweise der KV kein Verständnis. „Ich protestiere im Namen von Rat und Verwaltung und auch persönlich“, sagte er. „Die Notfall-Praxis am Melkweg wird seit vielen Jahren gut angenommen. Ich halte die Planungen für falsch und fürchte eine Verschlechterung der medizinischen Versorgung. Für betagte Mitbürger, die nicht mehr mobil sind, würde sich aus Sicht der Stadt Rheinberg die Situation zukünftig massiv verschlechtern. Ich rechne dann mit erheblichen Fahrwegen und Wartezeiten.“