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Martinskommitee Rheinberg verlegt Mantelteilung vom Markt in die Schule

Brauchtum in Rheinberg : St. Martin reitet auf den Schulhof

Das Martinskomitee in Rheinberg sieht es als seine Pflicht an, das Brauchtum auch in schwierigen Zeiten zu pflegen. Das Spiel der Legende von der Mantelteilung wurde am Martinstag an der Grundschule St. Peter aufgeführt.

Das Feuer brennt und wärmt den frierenden Bettler. Martin kommt herbei und teilt seinen Mantel mit dem armen Mann und rettet ihm so sein Leben. Das ist knapp der Kern des Martinsspiels, das Jahr für Jahr nach dem Laternenumzug auf dem Rheinberger Marktplatz stattfindet. Normalerweise. Corona aber schreibt ein anderes Drehbuch. Bei dessen Umsetzung hat sich das Rheinberger Martinskomitee überaus flexibel und kreativ gezeigt. Der Schulhof der Grundschule St. Peter bietet am Martinsmorgen dem reitenden Heiligen und den Darstellenden der vierten Klasse samt Feuerschale die passende Kulisse.

„Eine spannende Zeit“, meint dazu rückblickend Clemens Geßmann, Präsident des Martinskomitees. Denn seit Wochen schon hat das Komitee die verschiedenen Varianten durchgespielt, sollte ein möglicher Lockdown das traditionsreiche Martinsfest torpedieren. „Die Aufgabe des Martinskomitees ist es, nicht nur in schönen Zeiten das Brauchtum zu pflegen, sondern auch in Zeiten wie diesen das Brauchtum weitgehend aufrecht zu halten“, fasst Geßmann die Aufgabe in der Vorbereitungszeit zusammen.

Er setzt auf die aktuell so wichtige Kontinuität, gepaart mit einem Stück Normalität. Beides sei jetzt sehr wichtig, meint Geßmann. „Ein komplettes Aussetzen wäre für uns nicht infrage gekommen. Wir haben uns auf eine abgespeckte und damit sichere Form verständigen können.“

So vieles musste schon aufgrund der aktuellen Schutzverordnung abgesagt werden, wie die Haussammlungen in den Pumpennachbarschaften und die Laternenumzüge. „Die Pumpennachbarschaften waren immer unser Bindeglied. Wir hatten daher keine Einnahmen“, erläutert Geßmann. Aber was wäre Rheinberg, wenn es nicht untereinander die Verbundenheit gäbe, um gemeinsam Flagge zu zeigen?

Ein Geflecht an Koordination, Teamwork und Absprachen, ohne die Grenzen, die Schutzverordnung setzt, zu überschreiten, ist das Ergebnis und zugleich das Martinsgeschenk des Komitees an die Rheinberger Kinder und Eltern. Spontan sagte auf Nachfrage die Sparkasse am Niederrhein ihre Unterstützung zu – eine Herzensangelegenheit für Sparkassendirektor Frank-Rainer Laake. Die sorgte zugleich für große Erleichterung beim Martinskomitee – so lässt sich die Gemengelage zur Rettung des Martinsfestes in Rheinberg beschreiben.

In Gruppen sind auf Abstand rund 800 kleine Martinstüten für die Kinder der drei innerstädtischen Grundschulen und Kindertagesstätten gepackt worden. Der ortsansässige Edeka-Markt Kusenberg war Partner wie auch die Bäckerei Bergmann, zuständig für die Weckmänner. „Wir konnten im bescheidenen Rahmen eine Schulveranstaltung an der St.-Peter-Schule planen“, so Geßmann.

Im Vorfeld haben die Kinder mit viel Freude und Liebe Martinslaternen gebastelt. „Besonders das Basteln wollten wir aufrecht halten. Der Wettbewerb mit Prämierung ist nochmal eine zusätzliche Motivation und zugleich Anreiz in dieser schwierigen Zeit“, ergänzt Ehrenpräsident Dieter Bartels.

All die Mühe hat sich gelohnt, wie die verschiedenen Laternenmotive der elf Klassen später auf dem Schulhof zeigen sollten. „In den Klassen gab es vorher zum Frühstück jeweils einen großen Weckmann“, beschreibt Schulleiterin Michaela Joost den Schultag. Der erforderliche Abstand gehörte aber dazu. „Zum Gedanken des Teilens haben wir zu diesem Martinsfest den Gedanken des Helfens und des Verzichts gestellt. Dadurch, dass wir auf ein großes Martinsfest verzichten, helfen und schützen wir andere“, so Joost. Ein tröstlicher Gedanke.