MAP-Lesebühne in Rheinberg: Grandioser Schwachsinn mit Jason Bartsch

Lesebühne in Rheinberg : Grandioser Schwachsinn beim MAP

Ausverkaufte Lesebühne mit Andy Strauß, Jan Philipp Zymny und Jason Bartsch.

Zwischen all dem herrlichen Schwachsinn, den komischen Geschichten, den verrückten Songs, schrägen Tanzeinlagen und abgedrehten Klang-Installationen gab es am Dienstag diese eine Passage, die einem förmlich die Sprache verschlug. Fünf Minuten, in denen die 200 Menschen im ausverkauften Kamper Hof plötzlich die Luft anhielten. Jason Bartsch, einer der drei starken Redekünstler auf der MAP-Lesebühne, machte ernst. In seinem Beitrag „Fünfe gerade sein lassen“ schrie der Künstler aus Bochum ein Plädoyer für mehr Zivilcourage heraus, für mehr Demokratie und Wehrhaftigkeit gegen rechte Hetze, Diskriminierung und Rassismus. Fast flehend war seine Bitte, in diesem Land nicht alles auszubremsen, sich nicht immer und überall an Formalismus, bürokratische Vorgaben und Traditionen zu klammern und damit Ängste und Frust zu schüren. Mensch bleiben, sich mal locker machen und für Überzeugungen einstehen – dafür warb Jason Bartsch. Er tat dies in Form und Sprache auf unglaubliche Weise. Als er zum Ende seines beeindruckenden Vortrags angelangt war, pflügte sich eine Welle tosenden Applauses bis auf die Bühne. Der Jubel wollte kaum enden.

Dieser Kontrapunkt in dem zweieinhalbstündigen Programm tat gut, auch wenn man ansonsten gerne mitlachte, sich fortwährend auf die Schenkel schlug. Und sich fragte: Was muss man rauchen, damit einem solch schräges Zeug einfällt wie das, was Andy Strauß, Jan Philipp Zymny und Jason Bartsch mal einzeln, mal gemeinsam vortrugen?

Man kann das alles gar nicht zusammenfassen. Andy Strauß (der seit der Einführung der MAP-Lesebühne 2012 jedes Jahr dabei war und dafür von MAP-Slammerin Lara Jackowiak einen Orden bekam) präsentierte mit Hilfe seiner Kollegen sein Hörspiel „Die pfiffigen Münster-Knaben“. Und er erfand den „Pulverturm-Rap“. Jason Bartsch sang, tanzte und rappte Songs wie „Bochum II“, eine neue Version der Grönemeyer-Hymne, zudem ein Lied aus der Sicht eines Hundes und eines aus der Sicht einer Katze. Zum Schieflachen! Jan Philipp Zymny führte ein Gespräch mit seinem Körper und skizzierte das Scheitern seiner Diät-Versuche. Großartig war sein Ritt durch die Historie einer „Gneidelmühle Blankenstein“. Grandioser Schwachsinn! Nach den Shows stelle man ihm oft Fragen, gestand der Slammer. Die häu­figste laute „Was ist los mit dir?“ Man muss nicht verstehen, was mit Zymny, Strauß und Bartsch los ist. Es reicht, das Ergebnis ihrer Arbeit zu betrachten: 200 Menschen verließen lachend und hochzufrieden den Saal. Wenn das nichts ist...

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