Rheinberg: Losgehen und den Augenblick genießen

Rheinberg: Losgehen und den Augenblick genießen

Der aus Orsoy stammende Stern-Reporter Uli Hauser ist von Hamburg nach Rom gelaufen und hat ein wunderbares Buch über diese ungewöhnliche Reise geschrieben. "Wir sitzen zu viel und verlernen das Gehen", sagt der Autor.

"Geht doch!" heißt das neue Buch von Uli Hauser. Untertitel: "Wie nur ein paar Schritte mehr unser Leben besser machen". "Geht doch!" ist ein schöner Titel, birgt er doch gleichzeitig die Aufforderung, öfter mal in die Hufe zu kommen, wie auch die anschließende Status-Meldung: Ich habe es getan und es hat geklappt. Geht doch!

Trotzdem machen sich vor dem Lesen Zweifel breit, man denkt unwillkürlich an Hape Kerkelings "Ich bin dann mal weg". Noch ein Pilgerbuch? Noch mehr Jakobsweg-Erfahrung? Leidet jetzt auch Uli Hauser an Burnout oder steckt er in der Mitte-des-Lebens-Krise?

Zum Glück nichts von alledem. "Nein, mir geht es bestens", versichert Hauser. "Keine Krise, alles gut. Ich bin sehr zufrieden mit meinem Leben. Aber ich hatte keine Lust mehr, tagein, tagaus in der Redaktion zu sitzen, so schön das auch ist. Ich wollte einfach loslaufen." Und das hat er getan. Dreieinhalb Monate ist er gelaufen. Von Hamburg nach Rom. Ohne große Vorbereitungen, ohne klares Ziel. "Ich wusste nur, dass ich Richtung Süden gehen wollte", sagt er.

Die Freundin hat er von der Bedeutung seines ungewöhnlichen Vorhabens überzeugen können, vom Sohn hat er sich einen Rucksack geliehen, Wanderschuhe hatte er bereits, ansonsten hat er außer ein paar Wanderkarten, seinem Handy und ein paar Dingen nicht viel mit genommen auf diese Reise.

Im vergangenen Sommer startete er seine Mission "Geht doch!" Anschließend hat er das Buch darüber geschrieben, das seit dieser Woche im Handel erhältlich ist. Ein wunderbares Buch, das sich leicht liest, das den Leser mit auf diesen ungewöhnlichen Trip nimmt, das viele kleine sinnvolle Lehreinheiten und unprätentiös eingestreute Erklärstücke beinhaltet und das vor allem Lust macht. Aufs Gehen. Aufs Loslassen. Auf Verzicht von all den Dingen, die uns vom Gehen abhalten. Bitte keinen unnötigen Stress mehr.

  • Rheinberg : "Geht doch!" - Uli Hauser liest am 15. Juni in Orsoy

Uli Hauser stammt aus Orsoy. Geboren 1962, ist er dort mit seinen Eltern (der Vater war Milchmann und ist nach wie vor ein begeisterter Sänger) und fünf Geschwistern aufgewachsen. Schon als 16 Jahre alter Schüler schrieb er für die Lokalteile der Rheinberger Zeitungen. Seit 1992 ist er Reporter für den "Stern". Zunächst in Berlin, dann in Dresden, jetzt schon viele Jahre in Hamburg, wo er auch lebt. Für seine engagierte journalistische Arbeit ist ihm unter anderem der Theodor-Wolff-Preis verliehen worden.

Seine Heimat Orsoy habe ihn nie losgelassen, versichert Hauser. "Da bin ich als Kind schon durch die Wiesen gelaufen, da hat alles angefangen." Von daher sei sein Buch auch eine Liebeserklärung an Orsoy und seine Familie. Obwohl seine Reise ihn gar nicht nach Orsoy führte, hat er dem Ort ein paar Seiten gewidmet. Erinnert sich an Eis von Hagemann und Puddingteilchen von Schmitt und daran, wie viel in seiner Kindheit in Orsoy los war.

Die Vertrautheit aus der Kindheit am Niederrhein hat Uli Hauser mit auf seine Reise genommen. Es macht großen Spaß, ihn aus der hanseatischen Metropole bis in die Ewige Stadt zu begleiten. Dabei zu sein, wenn er Dorfmenschen, Schuhmacher und Mönche trifft, wenn er die Reize der Natur entdeckt, Frösche und Libellen beobachtet oder den Leser daran teilhaben lässt, warum er auf ein Auto verzichtet und warum er sich über Menschen wundert, die mit Hilfe teurer Computeruhren die täglich zurückgelegten Schritte zählen oder beim Laufen unentwegt ins Handy quatschen.

Ein wunderschönes, lesenswertes Buch, das Uli Hauser da geschrieben hat. Ein Buch, das uns das Gehen schmackhaft macht. Weil wir alle zu viel sitzen und das Gehen verlernen. Ein Buch, das aber vor allem zeigt, wie wichtig es ist, den Augenblick zu genießen.

Uli Hauser: "Geht doch!", 250 Seiten, Knaus-Verlag München, ISBN 978-3-8135-0779-9, Preis 20 Euro

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