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Rheinberg: Lioba Albus ätzt im "Schwarzen Adler"

Rheinberg : Lioba Albus ätzt im "Schwarzen Adler"

Lioba Albus nimmt kein Blatt vor den Mund, zumindest nicht dann, wenn sie in die Rolle der Quasselstrippe Mia Mittelkötter schlüpft. Das machte sie auch im Schwarzen Adler, wo sie ihr Programm "Königin von Egoland" vorstellte.

Die Kabarettistin übernahm das Zepter der Macht und lenkte mit bissigen Humor Deutschlands Demokratie. Das musste sie auch: Der Luxusliner "Costa Alemannia" ist auf einem Schuldenberg aufgelaufen. Merkel und Besatzung haben sich abgesetzt, Mia Mittelkötter übernahm das Ruder, um das Schiff auf sicheren Kurs zu bringen. Als Königin von Egoland mit Krone und rotem majestätischen Gewand klärte die Kabarettistin über Armut in Deutschland auf. Die gebe es eigentlich gar nicht, denn es sei alles nur Auslegung. "Wir Deutschen leben doch nach der Devise, dass es kein schlechtes Wetter gibt, sondern nur schlechte Kleidung." Dasselbe gelte für Armut. "Es gibt keine Armut, es gibt nur überhöhte Ansprüche." Zum Beispiel bei den Rentnern. Wer sagt denn, dass ein Rentner jeden Tag essen müsse? "Die haben eh keinen guten Stoffwechsel." Armut sei übrigens wie eine Viruskrankheit ansteckend. "Wenn ich einen hungern sehe, kriege ich auch Hunger." Die bissige Ironie kam an.

Und dann zog die Dame im Majestätsgewand richtig vom Leder. Deutsche seien gar nicht fremdenfeindlich. "Wir verkaufen doch auch Panzer an die Saudis, das zeugt doch von Vertrauen!" Schnell machte sie dem Publikum noch klar, dass Stöckelschuhe eine Art Fliegenfänger seien. Das Problem sei nur, dass man nicht die Stubenfliegen fange, sondern die dicken Toilettenbrummer. "Stöckelschuhe locken keinen George Clooney, sondern einen Berlusconi oder einen hormonell verwirrten Rainer Brüderle an."

Albus schlüpfte auch in andere Rollen. Zum Beispiel in die des miesepetrigen Journalisten Detlef, der von Liebe gar nichts hält. Oder in die der prolligen Grillstudiobesitzerin Witta aus dem Ruhrpott. Witta habe oft Pech mit dem Denken, und deshalb fragte sie sich, ob an den Blondinen-Witzen was dran sei. Egal in welcher Rolle, Lioba Albus bewies sowohl bei alltäglichen als auch politischen Problemen eine unglaublich witzige und temporeiche Schlagfertigkeit.

Besonders über Lioba Albus freute sich Cordula Verholen aus Sonsbeck. Die hatte nämlich bei der RP-Verlosung zwei Karten für die restlos ausverkaufte Vorstellung gewonnen. Mit einer Freundin als Begleitung genoss sie die witzige und derbe Welt von Lioba Albus ebenso wie die anderen Gäste.

(sass)