Rheinberg: Liebe zur Stadtgeschichte lohnt sich

Rheinberg: Liebe zur Stadtgeschichte lohnt sich

Beachtliches Interesse an Informationen über den Verfügungsfonds: Im Topf sind 50.000 Euro, die auch private Investoren motivieren sollen, Rheinbergs historischen Stadtkern attraktiver zu machen. Ein Projekt sind Häusernamen.

Seit Ende des vorigen Jahres soll ein durch das Land und die Stadt aufgelegter Verfügungsfonds - im Topf sind 50.000 Euro - dazu beitragen, die Attraktivität des historischen Stadtkerns von Rheinberg, der sich nicht im öffentlichen Besitz befindet, zu steigern. Der Stadtkern ist klar umgrenzt. Er wird von der Wallanlage umschlossen, und somit werden ausschließlich Projekte gefördert, die innerhalb der Wälle realisiert werden. Beantragt werden können Zuschüsse bis zu 50 Prozent der Investitionskosten, auch nur von Personen, Vereinen oder Unternehmen, die dort aktiv sind.

Für Montagabend hatten die Verwaltung und das beauftragte Projektmanagement Höcker Interessierte zu einer Informationsveranstaltung ins Stadthaus eingeladen. "Es geht darum, private Investoren nach vorne zu bringen und so das Stadtgebiet insgesamt positiv zu gestalten", erklärte Bürgermeister Frank Tatzel den rund 25 Besuchern zu Beginn.

Wie das im Detail aussehen kann und mit welchen Bedingungen die Fördermaßnahme verknüpft ist, machte Projektmanager Peter Lessmann deutlich: "Gelder können nur für materielle Maßnahmen und Projekte beantragt werden, die den Einzelhandel beleben, die Kultur stärken, das Stadtbild aufwerten, die Wahrnehmung und das Image verbessern oder von der Allgemeinheit für Festivitäten genutzt werden können."

Egal ob öffentliches Blumenbeet, eine schmucke Pumpe oder die gemütliche Sitzecke: Der Antragsteller muss sich verpflichten, sein Projekt für einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren instandzuhalten und zu pflegen. Das Angebot ist bewusst niederschwellig gehalten.

Interessierte können sich das dreiseitige Antragsformular von der Internetseite der Stadt herunterladen oder es während der Sprechstunden im Alten Rathaus (8. Juni von 10 bis 13 Uhr, 18. Juni von 13 bis 18 Uhr) abholen und sich vorab beraten lassen. Über die Vergabe der Fördermittel entscheidet dann ein achtköpfiges Gremium, das je zur Hälfte aus Vertretern der Stadt und der Bürgerschaft besteht.

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Mit der geplanten Anbringung historischer Häusernamen hat der Heimatverein bereits ein erstes Projekt auf den Weg gebracht. So soll demnächst ein Schriftzug am Punto, der ältesten Gaststätte der Stadt, auf die ursprüngliche Bezeichnung "Im roten Hahn" hinweisen.

Heimatforscher Werner Kehrmann, der auf diesem Gebiet schon seit einiger Zeit viel angeschoben hat, unterstrich die Bedeutung von Häusernamen auch in der heutigen Zeit: "Wenn sie erzählen, sie fahren Zum Schwarzen Adler, fragt sie niemand, wo das ist." Der Vorsitzende des Heimatvereins riet Gewerbetreibenden im Stadtkern deshalb: "Verbinden sie in der Werbung ihren guten Namen mit dem Häusernamen."

Beim Anbringen der alten Bezeichnungen müssen aber Regeln beachtet werden. "Selbstleuchtende oder hinterleuchtete Tafeln sind ebenso wenig erlaubt wie moderne Schriften und Materialien wie Aluminium oder Kunststoff. Die gab es damals noch nicht", erklärt Grafiker Ludger "Luja" Jackowiak.

Anhand von Fotomontagen zeigte der Wallacher, wie es in Rheinberg mal aussehen könnte. So erhielt das Haus an der Gelderstraße 26 den Namen der Gaststätte "In der verkehrten Welt", die sich dort einmal befand, oder das Gebäude an der Rheinstraße 7 ein rotes Pferd mit extra langer Mähne. "Das passt sehr gut, weil da jahrzehntelang der Frisör Weyers tätig war", so Jackowiak.

Aufgrund der zahlreichen historischen Namen von Gebäuden im Stadtkern ist der Zuschuss für dieses Projekt allerdings auf 500 Euro je Antragsteller begrenzt. www.rheinberg.de

(RP)