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Lesung von Alpens Krimiautor Erwin Kohl ​gibt Einblick in Entstehung seine Romans "Der war schon tot"

Lesung von Alpens Krimiautor Erwin Kohl : Heimspiel für den Schreibtisch-Täter

Krimiautor Erwin Kohl gab eine Lesung rund 850 Meter von seiner Haustür entfernt. Dabei erzählte der Alpener viel über die Entstehung seines Romans „Der war schon tot“ sowie über so manche Panne.

Auf Einladung des Alpener Musik- und Literaturkreises gastierte Krimiautor Erwin Kohl am Freitag im Foyer des Rathauses. Einen langen Anreiseweg musste der gebürtige Alpener dafür nicht in Kauf nehmen. „Eine Lesung nur 850 Meter von der Haustür entfernt ist wohl der Rekord in den letzten 19 Jahren“, erzählte Kohl, der seinen aktuellen Roman „Der war schont tot“ im Gepäck hatte.

Was so unschuldig klingt, hat es durchaus in sich. Denn die Ausgangslage in Kohls viertem Band um den Privatschnüffler Lukas Born, der mit seinem Hund Manolo auf dem Campingplatz „Happy Eiland“ lebt, ist alles andere als glasklar. Findet zumindest Uwe, hauptberuflich Redakteur beim „Boten vom flachen Land“ und nebenher Mitglied der Happy-Eiland-SoKo: „Das Opfer lag splitterfasernackt auf der Straße, in strömendem Regen, am Arsch der Welt. Sieht das für dich wie ein normaler Verkehrsunfall aus?“

Nachdem die Rahmenbedingungen schnell abgesteckt waren, nahm Kohl sein Publikum mit durch humorvolle, abwechslungsreiche und spannende Lesepassagen. Zwischendurch erzählt der Alpener immer wieder Anekdoten rund um die Entstehung des Romans oder die Handlungsorte. Mit letzteren habe er zuletzt etwas Pech gehabt, zum Beispiel als er einen Ablageort für die Leiche suchte. Ein Brainstorming mit Birgit Ingenlath, die gemeinsam mit ihrem Mann Leo den Campingpark Kerstgenshof in Labbeck betreibt, brachte die Lösung: „Die Doppelkurve an der Hammerstraße war ideal. Keine Zeugen, die dort wohnen, und absolut unübersichtlich. Aber kaum war der Roman auf dem Markt, lese ich in der Zeitung, dass Straßen NRW die Kurve in Sonsbeck begradigt“, erzählte Kohl, und dass ihm so etwas öfter passiert. Etwa, als er im Roman „Hopsgegangen“ eine Schlüsselszene in einem leerstehenden Haus am Wallacher Deich angesiedelt hatte. „Praktisch mit Erscheinen des Krimis wurde das Haus abgerissen. Wenn Sie mal irgendwas stört, sagen Sie Bescheid. Das kommt dann in meinen nächsten Roman und ist so gut wie weg“, versprach Kohl, der auch Einblicke in den Fertigungsprozess gab, an deren Ende ein ausgiebiges Lektorat steht.

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Dabei wurde er auf einen Fehler aufmerksam gemacht, mit dem er nie gerechnet hatte. Kohl: „In einer Passage ziehe ich den Papst zu einem Vergleich heran. Meine Lektorin schrieb nur an den Rand: Welcher. Es gibt nämlich mit Franziskus und dem emeritierten Papst Benedikt tatsächlich zwei Päpste. Da soll einer drauf kommen.“ Am Schluss richtete Kohl den Blick nach vorne. „Ich habe mit ,Braune Nächte‘ eine Kurzgeschichte geschrieben, die gegen Ende des Krieges unter anderem in der Motte spielt. Am 13. Juli erscheint sie in der Anthologie Schaurige Orte am Niederrhein.“ An einer Fortsetzung der Lukas-Born-Reihe arbeitet Kohl auch. Erscheinen soll der Roman mit dem Arbeitstitel „Zappenduster“ im Herbst 2023.

(bp)