1. NRW
  2. Städte
  3. Rheinberg

Alpen: Lebenslieder, gesungen und gesprochen

Alpen : Lebenslieder, gesungen und gesprochen

Judy Bailey und Patrick Depuhl aus Menzelen-West haben ein besonderes Album veröffentlicht. Es heißt "Lifesong".

Man muss Heike Becks, Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Alpen, dankbar sein. Denn sie hat dazu beigetragen, dass Judy Bailey und ihr Mann und künstlerischer Partner Patrick Depuhl ein wunderbares Album herausgegeben haben. Es heißt "Lifesong — das Leben schreibt die besten Lieder" und ist eine Mischung aus Songs und gesprochenen Texten.

"Als 2009 das Buch ,...und ich sang' über mein Leben erschienen ist, hat Pfarrerin Becks mich zu einer Lesung nach Alpen eingeladen", erinnert sich die aus Barbados stammende Musikerin. "Und schon damals haben wir gedacht: Eine reine Lesung, das ist zu wenig. Deshalb habe ich zwischendurch einige Songs gespielt. Das kam gut an."

Bailey und ihr deutscher Ehemann haben ein Modell daraus gemacht. Patrick Depuhl: "Es gab seither immer wieder solche Musik-Lesungen. Wir haben gespürt, dass die Geschichten und die Songs die Menschen berühren. Irgendwann haben beschlossen wir, dieses Album aufzunehmen." Und zwar nicht irgendwo in einem anonymen Tonstudio. Nein: Das Menzelener Haus der Familie, zu der auch die Söhne Levi, Noah und Jacob gehören, wurde technisch zu einem Aufnahmestudio aufgerüstet. Es ist die erste eigene Produktion der beiden.

"Lifesong" ist eine sehr intime, warme Platte geworden. Patrick Depuhl liest mit angenehmer, samtweicher Stimme einzelne Kapitel aus der Autobiografie seiner Frau: aus der Kindheit auf Barbados, über ihre beruflichen Ambitionen, über ihre Erfahrungen in London und die Zeit, als sie nach Deutschland kam. Die Abschnitte münden stets in darauf abgestimmte Songs, die allesamt von Judy Bailey komponiert und getextet worden sind. Nie zuvor klang die Stimme der Sängerin so intensiv, was nicht nur an der Qualität der sehr persönlichen, originellen Songs liegt. Es liegt auch an der sehr sparsamen Instrumentierung. Fein perlende Arepggien auf der akustischen Gitarren, ein paar Bass-Tupfer, ein wenig Percussion — mehr ist nicht. "Ich habe zusätzlich einige Songs in tiefere Tonarten übertragen, das klingt besser", erklärt Judy Bailey. Wer "Lifesong" in den CD-Player schiebt, hat den Eindruck, Judy Bailey und Patrick Depuhl sitzen als Gäste mit im Wohnzimmer. Atmosphärisch dichter kann man ein Album nicht gestalten.

Sie bekomme viel Feedback auf die schonungslos ehrlichen Geschichten, die auch von den Schattenseiten des Lebens handeln, räumt die Sängerin ein. "Es kommt immer wieder vor, dass mir Menschen erzählen: Das, was du da erzählst, das war auch mein Kampf. Das habe ich auch erlebt."

Nun hoffen die beiden, dass es viele Anfragen für ihre musikalischen Lese-Abende im kleinen Rahmen gibt. Die "normalen" Konzerte von Judy Bailey mit Band laufen unterdessen weiter — mal vor 200, 300, mal vor 1000 Zuhörern. Wobei die acht Konzerte im vergangen Jahr beim Weltjugendtag in Rio de Janeiro — eines davon vor einem Millionen-Publikum im Beisein des Papstes (die RP berichtete) — ohne Zweifel ein Höhepunkt waren.

Nach der nun ruhigen Platte steht im nächsten Jahr wieder ein großes Projekt an: Judy Bailey und Patrick Depuhl planen die Zusammenarbeit mit Chören vom Niederrhein. Depuhl: "Der erste Workshop in Uedem ist schon geplant." Und das inzwischen ausverkaufte Buch "...und ich sang" wird bald neu aufgelegt — in einer überarbeiteten und erweiterten Version.

(RP)