Alpen: Kunstprojekt: Erkennen, was sich im Stein verbirgt

Alpen: Kunstprojekt: Erkennen, was sich im Stein verbirgt

Feiner weißer Staub bedeckt in diesen Tagen Klassenräume und Flure der Gemeinschaftsgrundschule Veen. Grund dafür ist ein Projekt der Künstlerin Claudia Weber, in dem es für die Erst- bis Viertklässler darum geht, aus kantigen Specksteinen Figuren entstehen zu lassen. "Im vorigen Jahr haben die Kinder aus Draht Figuren gefertigt, also additiv gearbeitet. Mit der subtraktiven Herangehensweise, etwas durch abziehen entstehen zu lassen, vermitteln wir ihnen nun den zweiten wichtigen Aspekt der Kunst", erklärt Schulleiter Lothar Bode.

Für die Teilnehmer war dies die deutlich schwierigere Form der künstlerischen Betätigung. "Kinder haben große Hemmungen, Material abzutragen. Sie ritzen und feilen erstmal vorsichtig daran herum", weiß Claudia Weber. Egal ob Tigerkopf, Hund oder Fisch: Die Kinder sollen eine klare Vorstellung davon bekommen, was sich in dem Stein verbirgt und das ist gar nicht so leicht. "Da muss erstmal viel Kulturschrott aus dem Weg geräumt werden, um die ursprünglichen Bilder der Kinder zum Vorschein zu bringen", erzählt die Kunstpädagogin. Unterstützt wurden sie dabei von Lothar Bode, der ihnen die klumpigen Specksteine eine Woche zuvor überlassen hatte. "Sie sollten diese Steine unter ihre Kopfkissen legen und sich damit vertraut machen, bis sie eine Figur vor ihrem geistigen Auge sehen. Ich bin absolut begeistert darüber, wie toll sie das umgesetzt haben", so Bode.

Für zweieinhalb Tage tauschten die Schüler das Matheheft gegen Kratzwerkzeuge, Raspeln und Feilen und das mit voller Begeisterung. "Ich brauche niemanden zu motivieren, im Gegenteil. Die Kinder verzichten freiwillig auf ihre Pausen und werkeln durch", freut sich Claudia Weber. Wichtig dabei ist es, zunächst ganz grob die Strukturen freizulegen und dann an die Details zu gehen. "Speckstein bricht leicht, deshalb sollten Ohren oder Beine erst am Ende herausgearbeitet werden", rät Weber.

Die Ergebnisse können sich sehen lassen, wie etwa die Schildkröte von Felix. "Meine Mutter malt Schildkröten, und diese steckte in dem Stein schon drin. Nur der Kopf war sehr schwer", erzählt der Neunjährige. Auf anatomische Perfektion legt die Projektleiterin allerdings keinen Wert. "Die Kinder sollen eine Figur vor sich sehen und dieses Bild umsetzen, das ist wichtig", sagt Weber. Das Chamäleon von Andrea war eindeutig schon im Stein enthalten, meint die Veenerin: "Der war so dünn und lang, da konnte gar nichts anderes herauskommen."

Am Ende werden die Kunstwerke von den Kindern glatt geschliffen und mit einer schützenden Fettschicht versehen. Am 21. Mai findet rund um die Grundschule der Handwerkermarkt und Museumstag statt. Dann werden die Meisterwerke zu besichtigen sein.

(erko)