Künstlerin Kirsten „Kiki“ Dietz in Rheinberg: Malen, bis das Herz aufgeht

Künstlerin Kiki Dietz in Rheinberg : Malen, bis das Herz aufgeht

Die Ossenberger Künstlerin Kirsten „Kiki“ Dietz lässt sich nur ungern auf einen Stil festlegen. In ihrer „Werkstatt für Malerei“ an der Kirchstraße gibt sie an den kommenden beiden Wochenenden Workshops.

Welches ihrer Bilder das für sie typischste sei und am besten ihren Mal-Stil deutlich mache? „Hui, schwierige Frage“, sagt Kirsten „Kiki“ Dietz. „Bei mir steht die Vielfalt ganz klar im Vordergrund, ich möchte mich nicht beschränken. Deshalb kann ich das eigentlich gar nicht beantworten.“

Klar ist: Die Ossenbergerin mag es prall, farbenfroh und sehr emotional. „Kunst ist für mich, wenn jemand über seine Grenzen hinaus geht, sich kreativ ausprobiert und nicht nach dem Prinzip ,Malen nach Zahlen’ vorgeht“, unterstreicht die Künstlerin beim Gespräch in ihrer „Werkstatt für Malerei“ an der Kirchstraße 29 a in Ossenberg. Seit fünf Jahren hat sie dort ihre kreativen Zelte aufgeschlagen. Sie kann dort in hellen Räumen malen und Kurse geben. Das sei auch praktisch, weil sie gleich um die Ecke wohne, erzählt sie. 1998 kam Kiki Dietz aus Lahnstein an den Niederrhein, seit 2005 lebt die Mutter einer 18-jährigen Tochter in Ossenberg.

Als sie mit dem Malen begann, war sie schon 26 Jahre alt. Bei der inzwischen verstorbenen Miguelle Wahl-Padgitt habe sie eine fundierte Ausbildung erhalten. „Ihre mahnenden Sätze werde ich nie vergessen“, so Dietz. Worte wie „Vielfalt in der kleinsten Fläche“, „Wo ist der größte Hell-Dunkel-Kontrast?“ oder ganz besonders „Keine Angst vor Farbe“ hätten sich ihr für ewig eingeprägt.

Vielleicht das typische Kiki-Dietz-Bild: kraftvolle Farben, beziehungsreiche Motive und Textfragmente aus einem Song von Chris de Burgh. Foto: Fischer, Armin (arfi)

Kiki Dietz will nicht stehen bleiben. Will sich weiterentwickeln. Deshalb besuchte sie kürzlich einen Workshop für Aquarellmalerei. Obwohl sie in erster Linie mit Acryl malt. Zum Beispiel Musiker-Porträts. Ihren Lieblingssänger Chris de Burgh und dessen Bandmitglieder hat sie abgebildet. Oder Udo Lindenberg. Beide Stars hat Kiki Dietz persönlich getroffen, hat ihnen ihre Bilder gezeigt und sie signieren lassen. Die Lieder von Chris de Burgh bedeuteten ihr viel, gesteht sie, „weil sie mich auch durch schlechte Zeiten getragen haben“.

Beim Malen sei ihr der Prozess manchmal wichtiger als das Ergebnis. „Das Herz muss aufgehen“, beschreibt sie diesen Der-Weg-ist-das-Ziel-Ansatz. Ob sie eine Blume malt, weil die in einem besonderen Lichtglanz steht, oder irgendein anderes Motiv, sei nicht entscheidend. Ob es da Zufall ist, dass die Künstlerin ein T-Shirt trägt, auf dem geschrieben steht: „Carry art in your heart“, also „Trage Kunst in deinem Herzen“? Wohl kaum.

Ein wichtiger Teil ihrer künstlerischen Arbeit sind Kurse und Workshops, die sie regelmäßig anbietet. „Ich habe Gruppen, die schon seit Jahren regelmäßig zu mir kommen“, erzählt sie. Ganz unterschiedliche Menschen mit ganz unterschiedlichen Erwartungshaltungen und Talenten. Und unterschiedlich alt sind die Mal-Schüler – von neun bis neunzig Jahren. Aber alles Menschen, die es genießen, zu Pinsel und Farbe zu greifen und sich in irgendeiner Weise auszudrücken. In den Kursen werde aber nicht nur gemalt, so Kiki Dietz. „Manchmal frühstücken wir auch gemeinsam, trinken ein Glas Sekt zusammen und sprechen natürlich über Gott und die Welt.“ Und immer gilt bei ihr das Prinzip: Wer zu ihr kommt, wird da abgeholt, wo er steht.

Das wird auch in den beiden Workshops so sein, die Kiki Dietz an den nächsten beiden Wochenenden in ihrem Atelier anbietet. „Alles ist möglich“, beschreibt sie. „Wer will, kann mit Farben experimentieren. Oder ein bestehendes Bild übermalen. Oder eines vollenden, das unfertig geblieben ist.“ Konkrete Vorgaben gebe es bei ihr nicht. Die Künstlerin: „Manche haben einfach noch keine Vorstellung von dem, was sie machen möchten. Aber das ergibt sich schon.“ Wer Hemmungen oder gar Ängste habe, blockiere sich im kreativen Prozess. Da müsse sie als Mal-Lehrerin manchmal fast tiefenpsychologisch einwirken, erzählt sie. Damit am Ende auch dem größten Zweifler das Herz aufgehe, weil er oder sie erkennt: Kunst macht Spaß und bereichert das Leben.

Und plötzlich greift Kiki Dietz zu einem Bild und kommt auf die Eingangsfrage des Gesprächs zurück. „Ich glaube, es gibt doch ein Bild, das typisch für mich ist“, sagt sie und greift zu einem ihrer Werke. Viele Farben und Motive, die wie bunte Luftballons wirken, hat sie verarbeitet. Und kleine, markante Textzeilen wie „Read my name“, „Make a difference“ oder „Don’t give in“. Auch das ist wieder ein Hommage an den verehrten Chris de Burgh. „Lies meinen Namen“ – das werfe die Frage auf: Was bleibt von mir, wenn ich mal nicht mehr da bin? Im Fall von Kiki Dietz vielleicht die Bilder, auf denen ihr Name steht. Für sie sei vor allem wichtig, dass man die Talente, die man habe, auch einsetze.

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