Kreuzbund Rheinberg: Selbsthilfegruppe für Suchtkranke feiert 35. Geburtstag

Selbsthilfegruppe für Suchtkranke : Wöchentliche Treffen geben Halt

Vor 35 Jahren wurde der Kreuzbund-Stadtverband Rheinberg gegründet. Heute gehören ihm 74 suchtkranke Frauen und Männer an.

Für viele Alkoholkranke ist das wöchentliche Treffen in der Kreuzbundgruppe wichtiger Bestandteil des Alltags. Dort finden sie und ihre Angehörigen Unterstützung, erfahren Neues über Therapien, Kliniken und Ärzte und können sich mit anderen Betroffenen austauschen. Mindestens ebenso wichtig: In der Gruppe können sich die Mitglieder ihre Sorgen von der Seele reden. Ungeschriebenes Gesetz: Was erzählt wird, bleibt in der Gruppe.

In Rheinberg ist der Kreuzbund mit insgesamt 74 Mitgliedern in sieben Gruppen vertreten. Treffpunkte wurden in den Pfarrgemeinden St. Peter, St. Anna, St. Ulrich Millingen, St. Evermarus Borth und St. Ulrich Alpen eingerichtet. „Damit sind wir in den meisten Ortsteilen vertreten“, sagt Lisa Drescher, seit neun Jahren Vorsitzende des Kreuzbund-Stadtverbandes Rheinberg, der vor 35 Jahren gegründet wurde.

Mit rund 50 Gästen hat der nun seinen Geburtstag mit einem Fest im Pfarrheim St. Peter gefeiert. Mit dabei war auch der Bundesvorsitzende des Kreuzbundes. Und es gab zwei weitere gute Gründe für das Fest: Vor zehn Jahren wurden die Gruppe „Freiheit“ für junge Suchtabhängige und Mitbetroffene und die Gruppe „Eltern helfen Eltern“ für Eltern von suchtabhängigen Kindern gegründet.

Im Rahmen der Jubiläumsfeier wurden auch langjährige Kreuzbund-Mitglieder geehrt. Zehn Jahre dazu gehören Hannelore Hapke, Steffie Kischkewitz, Florian Kischkewitz, Lydia Kress, Michael Kress, Michael Paßens, Christel Rosanowski und Joachim Rosanowski.

Für 20 Jahre wurden geehrt: Karin Atzor, Dieter Drescher, Wolfgang Hüchte­brock, Monika Bergmann, Anita Kosobutzki Wille und Lisa Drescher.

Nach Abspaltung vom Kreuzbund Kamp-Lintfort wurde seinerzeit die erste Rheinberger Kreuzbundgruppe ins Leben gerufen. Doch die anfänglich noch kleine Gruppe wuchs schnell. Eine zweite und dritte Gruppe wurden eingerichtet. „Aus verwaltungstechnischen Gründen wurde daraufhin der Stadtverband gegründet“, berichtet Lisa Drescher. Erster Vorsitzender war Karl-Heinz Kohl, der den Kreuzbund-Stadtverband 18 Jahre führte. Ihm folgte Wolfgang Hüchtebrock für sechs Jahre im Amt.

Auf Dreschers Initiative wurde vor zehn Jahren die Gruppe „Freiheit“ für junge Suchtabhängige im Alter zwischen 20 und 30 Jahren eingerichtet. Das neue Kreuzbund-Angebot richtete sich erstmals nicht primär an Alkoholkranke, sondern auch an Drogensüchtige. „Keine einfache Sache, weil wir an vielen Stellen auf große Zurückhaltung stießen“, wie sich Drescher erinnert. Doch der Bedarf war da, wie sich bald zeigte.

Gleiches gilt auch für „Eltern helfen Eltern“. „Wir bieten Eltern von suchtabhängigen Kindern einen geschützten Raum“, erläutert Drescher. Der sei enorm wichtig, denn Väter und Mütter sehen sich oft mit besonders harschen Vorwürfen der Gesellschaft konfrontiert. „Die Suchterkrankung von Kindern verläuft kaum anders, doch es sind spezielle Hilfen gefragt“, erläutert die Rheinbergerin. Anders als (Ehe-)partner, die sich von ihren suchtkranken Partnern trennen können, können und wollen Eltern sich nicht von ihren Kindern trennen.

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